Ein Modellprojekt in Xhain: Smarte Thermostate - gemeinsam Kosten sparen

Banner für die Webseite zum Modellprojekt smarte Thermostate

Am Campus Ohlauer Straße startet Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH ein Modellprojekt: 120 Wohnungen werden mit smarten Thermostaten ausgestattet. Die Kosten übernimmt der Bezirk. Die Mieter*innen profitieren von einer effizienteren Heizungsregelung – mit weniger Energieverbrauch, mehr Komfort und geringeren Heizkosten.

In Kooperation mit der Howoge bietet der Diakonische Werk Berlin Stadtmitte e.V. mit anderen sozialen Trägern auf dem Campus Ohlauer Straße ein innovatives und integratives Wohn- und Beratungskonzept für geflüchtete Menschen, Wohnungslose, Student*innen und junge Erwachsene (Care Leaver) an. Ein weiterer Teil der Wohnungen wird direkt über die Howoge vermietet.

Das Modellprojekt zeigt: Neben Energiekosteneinsparungen für die Mieter*innen wird zugleich ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet und der Ausstoß von CO₂ verringert. Das Bezirksamt leistet damit einen Beitrag zur sozialen Wärmewende. Ziel ist es, die Teilhabe an der Energie- und Wärmewende für alle Bewohner*innen zu ermöglichen. Die Installation der smarten Thermostate wird mit Workshops und Informationsangeboten für die Mieter*innen begleitet. Denn Klimaschutz bedeutet hier nicht nur Technik, sondern auch gelebte Nachbarschaft: Mieter*innen werden einbezogen, unterstützt und befähigt, ihr Heizverhalten aktiv zu gestalten.

So entsteht ein Vorbild für ganz Berlin: eine einfache, kostengünstige und mieter*innenfreundliche Lösung für den Wohnungsbestand, die hilft, Energiearmut zu verringern und die Klimaziele zu erreichen. Zudem zeigen wir mit dem Projekt, wie innovative Kooperationen die Wärmewende ermöglichen.

Die Projektidee stammt aus Bonn. Aufbauend auf einem Austausch mit der Stadtverwaltung Bonn wurde das Projektdesign an die lokalen Gegebenheiten in Berlin, Friedrichshain-Kreuzberg angepasst und als kommunales Kooperationsprojekt umgesetzt. Damit zeigt der Bezirk, dass man das Rad nicht immer neu erfinden muss, und wie sich bestehende Ansätze übertragen lassen. Denn nur gemeinsam und indem wir voneinander lernen, können wir Klimaschutz umsetzen.

Die Projektpartner

  • Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH

    Die Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH ist ein kommunales Wohnungsunternehmen des Landes Berlin mit dem obersten Ziel der Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums. Dabei hat sich die Howoge auch zum Ziel gesetzt durch umfassende energetische Maßnahmen und den Einsatz innovativer Technologien im Neubau und in der Sanierung einen nachhaltigen Beitrag für unsere Umwelt und den Klimaschutz zu leisten. Die Howoge stellt für das Modellprojekt ein Gebäude (Campus Ohlauer Straße) zur Verfügung und unterstützt mit der Datenbereitstellung.

  • Berliner Stadtwerke GmbH

    Die Berliner Stadtwerke GmbH engagiert sich für eine verbrauchernahe Energie-erzeugung und umwelt¬freundliche Versorgungs¬konzepte auf Basis erneuerbarer Energien. Die Berliner Stadtwerke haben die politische Aufgabe übernommen, die öffentliche Hand mit Energiedienstleistungen zur Reduktion oder Vermeidung von CO2 -Emissionen der Energieerzeugung zu unterstützen. Im Modellprojekt Smarte Thermostate übernehmen die Berliner Stadtwerke mit ihrer Expertise die Ausschreibung für die Lieferung und Installation der smarten Thermostate.

  • Die Verbraucherzentrale Berlin

    Die Verbraucherzentrale Berlin als erste Anlaufstelle für Ratsuchende schützt die Position und stärkt die Rechte der Verbraucher*innen in der Marktwirtschaft. Mit ihrer Expertise in zielgruppengerechter Beratung, Bildung und Information unterstützt die Verbraucherzentrale das Projekt mit der Entwicklung der Inhalte für die Öffentlichkeitsarbeit, der Entwicklung und Durchführung von Workshopformaten in der Ohlauer Straße und der Evaluation des Projektes.

  • Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

    Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg finanziert das Projekt und trägt die Verantwortung für das Projektmanagement. Damit zeigt der Bezirk: Kommunen können die Wärmewende aktiv gestalten – gemeinsam mit Mieter*innen, Wohnungswirtschaft und sozialen Trägern. Das Projekt baut auf unseren positiven Erfahrungen mit der Heizkreisregelung ‚ovoTherm‘ auf. In 69 bezirklichen Gebäuden konnten wir damit bereits erhebliche Energieeinsparungen erreichen – ohne große Umbauten. Dieses Wissen übertragen wir nun auf Mietwohnungen.

Smarte Thermostate für die Wohnungswirtschaft

Im Rahmen der Ausschreibung der Berliner Stadtwerke hat die Firma termios den Auftrag zur Lieferung und Installation der smarten Thermostate erhalten. Anforderungen waren, dass die Thermostate einen zertifizierten hydraulischen Abgleich ermöglichen, per App und manuell bedienbar sind, Zeitpläne erlauben und mit gängigen Heizkörperventilen kompatibel sind. Die Vergabe erfolgte nach den geltenden Vergaberichtlinien. Hinweis: Dies stellt keine Werbung dar.

Eine Besonderheit: Die Thermostate in der Ohlauer Straße 18 übernehmen zusätzlich die Funktion des hydraulischen Abgleichs, zu dem Eigentümer*innen von Gebäuden mit mindestens 6 Wohneinheiten gesetzlich verpflichtet sind. So wird die Wärme im Gebäude gleichmäßig verteilt – kalte Zimmer und überhitzte Heizkörper gehören der Vergangenheit an. In Kombination mit den smarten Steuerfunktionen sinkt der Energieverbrauch deutlich, die Heizanlage hält länger, und die Emissionen gehen messbar zurück.

  • Infobox Hydraulischer Abgleich

    Der hydraulische Abgleich sorgt für eine gleichmäßige Versorgung aller Heizkörper in einem Gebäude, denn in vielen bestehenden Heizsystemen ist das Heizwasser ungleich verteilt. Insbesondere in älteren Gebäuden fließt ohne Abgleich zu viel heißes Wasser durch die Heizkörper nahe am Kessel, während weiter entfernte Räume unterversorgt bleiben. Dies führt zu einer ungleichen Wärmeverteilung (manche Zimmer werden sehr heiß, andere bleiben kalt), Heizenergieverschwendung und oft auch Strömungsgeräusche (Rauschen oder Gluckern in den Leitungen durch Überdruck). In Kombination mit smarten Thermostaten wird die Durchflussmenge raumgenau geregelt und eine zentrale Steuerbarkeit über mobile Endgeräte ermöglicht. Dies reduziert Energieverluste, verlängert die Lebensdauer der Heizanlage und trägt messbar zur Senkung der Emissionen bei.

Durch den hydraulischen Abgleich arbeitet die Heizung leiser, effizienter und verbraucht weniger Energie. Smarte Thermostate funktionieren am besten in einer hydraulisch abgeglichenen Anlage – beides zusammen bringt die größten Einsparungen.

Damit wird eine technisch einfache, aber sehr wirksame Maßnahme umgesetzt – ein wichtiger Hebel neben aufwendigeren Sanierungen. Eine anschauliche Erklärung des hydraulischen Abgleichs bietet co2online.

Für Mieter*innen heißt das: Der hydraulische Abgleich ist eigentlich Sache der Vermieter*innen, da er die gesamte Heizungsanlage betrifft. Smarte Thermostate ersetzen keinen hydraulischen Abgleich, doch beide zusammen sorgen für eine optimal effiziente und komfortable Heizungsregelung im Gebäude. Mieter*innen können jedoch bereits durch die Installation smarter Thermostate relevante Energiekosten sparen.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die installierten Thermostate über LoRaWan mit der Cloud gekoppelt werden. Somit wird keine WLAN-Verbindung benötigt und eine besonders hohe Reichweite bei geringem Energieverbrauch ermöglicht.

Logo des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Logo des Bezirksamtes

Das Projekt wurde aus Haushaltsmitteln des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg finanziert. Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG Einzelmaßnahmen) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gab es einen Zuschuss in Höhe von circa 12,5%.

Das Modellprojekt zeigt: Mit smarten Thermostaten lassen sich Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit verbinden. Gemeinsam mit starken Partnern macht Friedrichshain-Kreuzberg vor, wie die soziale Wärmewende im Mietwohnungsbestand gelingen kann – als Vorbild für ganz Berlin.