Am vergangenen Wochenende hatte ich noch einen großartigen Ausflug nach Bath und bin zum ersten Mal mit einem dieser Stadtrundfahrten-Doppeldecker-Busse gefahren, witzig.
In meiner letzten Hospitations-Woche war ich in Butetown Medical Practice, eins der Health Centres mit einer weiteren …sehr freundlichen und ebenfalls interessierten Hebamme, Fiona Gillespie. Das war nochmal schön zu erleben, eine relative Standard-Versorgung von Schwangeren und Wöchnerinnen, nachdem ich mich ja schon in das Gesundheitssystem vertiefen konnte. So konnte ich die ganze Sprechstunde viel besser nachvollziehen. Die letzten zwei Tage habe ich nochmal mit Becky Marsh verbracht. Sie arbeitet in ihren üblichen Hebammen-Sprechstunden im University Hospital Llandough am westlichen Stadtrand Cardiffs und ist die Kontakt-Hebamme für das Perinatal-Mental-Health-Team. In ihrem Team haben sie z.B. eine spezifische Schwangerenvorsorge für Frauen nach Kindsverlust eingerichtet („Rainbow-Clinic“). Ich habe übrigens eine der Hebammen gefragt und herausgefunden, warum Operationssaal hier „Theatre“ genannt wird,… aber das erzähl ich Euch dann in Berlin.
Ich versuch einmal grob das System zu skizzieren, in das sich eine Schwangere begibt.- Auf der Homepage https://cavuhb.nhs.wales/our-services/maternity-services/ meldet sie sich an.
- Sie wird von einer Hebamme kontaktiert
- Sie bekommt einen ersten Hebammen-Vorsorge-Termin in dem Health Centre in Ihrem Bezirk mit ausführlicher Krankheits-, Geburten- und Sozialanamnese
- Sowie kritische Aspekte festgestellt werden, wird der für sie passendere Weg angeboten und sie wird direkt mit Überweisung und Terminvergabe versorgt
- Die Hebamme macht nach Standard sämtliche Vorsorgeuntersuchungen bis 41+0 SSW. Die zwei vorgesehenen Ultraschall-Untersuchungen (machen dort keine Ärzt*innen, sondern extra ausgebildete Ultraschaller*innen) sowie der OGTT finden im Krankenhaus statt.
- Es wird kein CTG (nur in begründetem Verdacht auf Regelwidrigkeiten) geschrieben, sondern Auskultation über 1 Minute und immer nach Quantität und Qualität der Kindsbewegungen, denn: „sie wollen lieber Infos aus dem Bauch heraus bekommen, als von außen reinzuhören“
- Über 40+0 wird einer Schwangeren das „stretch and sweep“ bei uns bekannt als „Eipollösung“ angeboten
- Ab 41+0 bekommt die Schwangere einen Termin im Krankenhaus für das Geburtseinleitungs-Prozedere
- Die Geburt findet im Krankenhaus statt, in der entweder Hebammen- oder Ärzt*innen geleiteten Geburtsstation
- Nach Entlassung bekommt sie 2-3 Hausbesuche und geht dann wieder für ihre eigene Betreuung und die Vorsorgeuntersuchungen für ihr Kind in ihr Health-Centre, solange alles unauffällig verläuft bleibt sie in Standardversorgung, bei Auffälligkeiten wird sie automatisch die spezifische Versorgung übergeleitet
- Nach 4 Wochen postpartum kommt der/die Healthvisitor (entspricht bei uns am ehesten „Frühe Hilfen“ bzw. „Familienhebamme“)
Ich habe meine Zeit in Cardiff jetzt beendet und bin extrem happy und voll mit wahnsinnig wertvollen Eindrücken, sowohl privat als auch beruflich. Mein Fazit: alle Systeme haben Vor- und Nachteile und alle Systeme sind natürlich immer nachbesserbar. Ich bin gespannt, was wir evtl. übernehmen können. Auf jeden Fall habe ich auch nochmal gemerkt, obwohl english meine solideste Fremdsprache ist, wie anstrengend es ist, sich in einem fremden Land, mit fremder Sprache/ zumindest nicht Muttersprache, fremder Kultur, etc. zurecht zu finden. Und ich musste mir nicht um meine Unterkunft, Versorgung, Familie oder Aufenthaltsstatus Sorgen machen.