Auch meine letzte Woche ist sehr abwechslungsreich und spannend. Nach 3 Wochen im klinischen Bereich lerne ich weitere Abteilungen kennen und bekomme einen Einblick in die Organisationsstruktur und Unternehmenskultur von BPAS. Und auch ein Highlight: ich treffe meine Kollegin Ulla (Hebamme im Zentrum) vor der Tate Modern. Es ist sehr schön, Erfahrungen auszutauschen.
Die Teams der Abteilungen „Campaigns“, „Advocacy“ and “Centre for Reproductive Research & Communication“ arbeiten überwiegend “remote” und treffen sich nur an 1-2 Wochentagen in Präsenz in einem stilvollen „co-workingspace“. Die Arbeit des Campaign-Teams läuft gerade auf Hochtouren: ein Antrag, die strafrechtliche Verfolgung von Frauen nach Schwangerschaftsabbruch aus dem Gesetz zu streichen („decriminalisation amendment)“ wurde von BPAS initiiert und am folgenden Tag über einen MP (Member of Parliament) eingebracht. Ich bekomme einen direkten Einblick in die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit, und kann an einer Sitzung mit dem Advocacy-Team und der „Chief Strategic Communications Officer“ teilnehmen, bei dem Vorgehen und externe Kommunikation abgestimmt werden.
Weitere Projekte wie z. B. die Kampagne: „Contraception Conversation“ in der es u.a. darum geht, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu erleichtern, in dem diese z.B. auch im Supermarkt oder an der Tankstelle erworben werden können, sind sehr spannend (wenn auch für Deutschland absolute Zukunftsmusik). Die BPAS-Studie „Contraception re-imagined“ liefert hochinteressante Daten über den Zugang zu Verhütung und zu Verhütungsverhalten, und ist eine gute Vorlage, das Angebot der Kostenerstattung von Verhütungsmittel im Zentrum zu evaluieren. In den letzten Tagen lerne ich die Arbeit des „Centre for Reproductive Research & Communication“ (CRRC) kennen. Ein 6-köpfiges Team, entwickelt Forschungsprojekte zu evidenzbasierter reproduktiver Gesundheitsversorgung. Die Evaluation von BPAS-Daten, wie z.B. Daten zum telemedizinischen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch, sind für die Entwicklung von Qualitätsstandards und für die strategische Ausrichtung von BPAS entscheidend.
Sehr interessant für mich auch die Möglichkeit, an einer Sitzung mit dem „Chief medical officer“ teilnehmen zu können, bei der es um „Vision and Mission“ von BPAS und um die Position des CRRC innerhalb der Organisation geht. Auch hier die Diskussion, wie Veränderungen innerhalb einer Organisation umgesetzt werden können. Für den ÖGD ein hochrelevantes Thema, fast beruhigend, dass Changemanagement überall eine große Herausforderung ist.
Mit diesem visionären Ausblick neigt sich meine Zeit bei BPAS dem Ende zu. Es war eine spannende Zeit mit einem sehr gewinnbringenden Einblick in eine hochprofessionelle und moderne „Abortion care“ und in eine Organisation, die für eine evidenzbasierte Gesundheitsversorgung und reproduktive Rechte eintritt.
London ist eine Stadt wie keine andere, die sich täglich zu verändern scheint.
Die vielen Stunden in der Underground werde ich nicht unbedingt vermissen, aber die Höflichkeit und kindness auf jeden Fall.