Albi Gjoka berichtet aus Palermo

Universität von Palermo

Bericht vom 22.10.2024

In der vierten Woche unseres Projekts hatten wir die Chance, mehrere soziale Einrichtungen in Palermo zu besuchen, die sich für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzen. Der erste Besuch führte uns zur Gruppo Apartamenti, einem Wohnprojekt für junge Erwachsene, die noch nicht allein leben können. Sie bleiben dort für sechs Monate bis ein Jahr und erhalten Hilfe, um selbstständiger zu werden. Viele der Bewohner haben Probleme, eine eigene Wohnung oder einen Job zu finden. Dieses Projekt unterstützt sie dabei, den Alltag zu bewältigen und sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Später in der Woche besuchten wir die Juristische Fakultät Palermo, wo wir Frau Sciurba trafen, eine Dozentin, die ein besonderes Projekt mit ihren Studenten entwickelt hat. Sie bieten Migrant*innen und Geflüchteten kostenlose Rechtsberatung an. Diese Menschen haben oft Schwierigkeiten, rechtliche Hilfe zu bekommen, zum Beispiel bei Fragen zu Aufenthaltsgenehmigungen oder Asylverfahren. Dieses Projekt ist wichtig, weil es den Menschen in Not den Zugang zu rechtlichen Informationen ermöglicht, die sie sonst nicht hätten.

Zum Abschluss der Woche besuchten wir ein Projekt, das ursprünglich Schulabbrechern helfen sollte, sich aber zu einem Projekt gegen Gewalt an Frauen weiterentwickelt hat. Es trägt den Namen Lia Pipitone, benannt nach einer Frau, die gegen Mafia aufstand und dafür ihr Leben verliert. Heute unterstützt das Projekt Frauen, die unter Gewalt leiden, und bietet ihnen Schutz, Beratung und Hilfe. Diese Frauen bekommen dort nicht nur Sicherheit, sondern auch Unterstützung, um ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Mit diesen Besuchen ging unsere vierwöchige Reise in Palermo zu Ende. Die Projekte, die wir kennengelernt haben, zeigten uns, wie wichtig es ist, Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen. Wir haben nicht nur beruflich viel gelernt, sondern auch persönlich viel mitgenommen. Diese Erfahrung hat uns tief bewegt, und wir empfehlen jedem, der die Möglichkeit hat, an solchen Projekten teilzunehmen. Es war eine wertvolle und bereichernde Zeit.

Gjoka in Palermo mit seinem Team

Bericht vom 15.10.2024

In der dritten Woche hatten wir die Gelegenheit, die Koordinatoren zu besuchen, die in der Leitung tätig sind und sich um vielfältige Aufgaben kümmern. Diese Koordinatoren haben ein sehr breites Aufgabenspektrum: Sie befassen sich nicht nur mit sozialen Angelegenheiten, sondern auch mit Verwaltungsfragen, politischen Themen und weiteren Aufgaben, die
insbesondere in den Bereich der Koordination fallen.

Während unseres Besuchs wurde uns detailliert erklärt, wie die Arbeitsprozesse organisiert sind und wie ein Antrag korrekt gestellt wird. Zunächst einmal muss ein Antrag online eingereicht werden. Diese Online-Plattform wird direkt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales betreut und überwacht. Nach dem Einreichen des Antrags wird dieser an die
zuständigen Koordinatoren weitergeleitet. Die Koordinatoren wiederum teilen die eingehenden Anträge in verschiedene Bereiche auf, um die Arbeit optimal zu verteilen und sicherzustellen, dass jede Aufgabe an die passende Abteilung gelangt. Interessanterweise gibt es jährlich etwa 25.000 Anträge, die auf diese Weise bearbeitet werden.

Ein weiterer Punkt unseres Programms war der Besuch der Circoscrizione Nr. 8. Dieser Bezirk unterschied sich in vielerlei Hinsicht von den beiden anderen Circoscrizionen, die wir zuvor besichtigt hatten. Das Besondere an der Circoscrizione Nr. 8 war die Tatsache, dass sowohl die Wohnungen für bedürftige Menschen als auch die Verwaltung des Amtes in einem Gebäude untergebracht sind. Dies ermöglichte eine besonders enge und effiziente Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen, was sich positiv auf die Bearbeitung der Anliegen der Menschen auswirkt.

Es wurde in diesem Bezirk auch versucht, ein Projekt zu initiieren, das stark an unsere Sozialraumorientierung angelehnt war. Ziel dieses Projekts war es, den Klienten, die dringend Hilfe benötigen, die Möglichkeit zu geben, ihre Anträge schneller zu stellen und bei Bedarf sofort zusätzliche Auskünfte anzufordern. Dieses System beschleunigt die Kommunikation
und vereinfacht den gesamten Prozess der Antragstellung, was sowohl für die Klienten als auch für die Mitarbeiter des Bezirks von großem Vorteil ist.

Insgesamt haben wir in der dritten Woche wertvolle Einblicke in die Arbeit der Koordinatoren gewonnen und konnten sehen, wie wichtig eine effiziente und gut organisierte Koordination von Verwaltungs- und Sozialaufgaben ist. Besonders beeindruckend war die Circoscrizione Nr. 8, die mit ihrem ganzheitlichen Ansatz und der räumlichen Zusammenführung von
Verwaltung und Sozialhilfe als Modell für zukünftige Projekte dienen könnte.

Gjoka in Palermo mit Team des Sozialamts

Bericht vom 08.10.2024

In der zweiten Woche meines Austausches begann der Tag etwas anders als gewohnt. Wir hatten die Gelegenheit, mit Mitarbeitern zu sprechen, die in der zweiten Hilfe Stufe tätig sind. Diese spezielle Hilfe richtet sich an Personen, die bereits im Besitz eines Aufenthaltstitels oder Asyltitels sind.
Danach trafen wir Mitarbeiter der Circoscrizione 2 und 5. Hier wurde deutlich, dass es einen signifikanten Mangel an Arbeitskräften gibt. Um diesem Engpass entgegenzuwirken, werden zusätzliche Sozialarbeiter eingestellt. Ein interessanter Unterschied zu Deutschland ist, dass selbst wenn jemand bereits als Sozialarbeiter tätig war, er eine Prüfung ablegen muss, um sich für eine Stelle im öffentlichen Dienst zu bewerben. Dies zeigt die hohen Standards und Anforderungen, die in diesem Bereich
gelten.

Ein weiterer wichtiger Punkt war unser Besuch im Büro „Interventi per Disabili“. Diese Einrichtung bietet Unterstützung für sowohl Kinder als auch Erwachsene, was bedeutet, dass es keine strikte Trennung zwischen den Altersgruppen gibt. Die soziale Betreuung und die psychische Betreuung werden hier ebenfalls koordiniert. Während die soziale Betreuung vom Amt für Soziales übernommen wird, ist die psychische Betreuung in der Verantwortung des Gesundheitsamtes, das in Italien einen anderen Namen trägt. In diesem Büro waren zwei Sozialarbeiter tätig, die sich um insgesamt 800 Fälle kümmerten. Pro Woche gingen etwa 5 bis 10 neue Anträge ein, was die hohe Nachfrage nach Unterstützung in diesem Bereich verdeutlicht. Die Herausforderungen, mit denen die Mitarbeiter konfrontiert sind, sind erheblich, doch sie zeigen ein bemerkenswertes Engagement, um den Menschen zu helfen.

Insgesamt war auch diese Woche sehr spannend und lehrreich. Meine persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass selbst mit begrenzten Mitteln und Ressourcen versucht wird, Lösungen zu finden und den Menschen in schwierigen Lebenslagen zu helfen. Diese Erkenntnis hat meine Sichtweise auf die soziale Arbeit und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, nachhaltig geprägt. Es ist inspirierend zu sehen, wie viel Engagement und Kreativität in die Unterstützung von Menschen investiert wird, die auf Hilfe angewiesen sind.

Albi Gjoka vor dem Sozialamt in Palermo

Bericht vom 27.09.2024

Die erste Woche in Palermo war wie erwartet wunderbar und sehr schön. Wir waren im Assessorato alle Attività Sociali als Gäste und wurden von Daniela und Dott. Fabio Felicelli empfangen. Dort haben wir über die Sozialpolitik und die Struktur des Sozialrechts in Italien gesprochen. Der Unterschied ist groß, aber auch hier wird effektiv geteilt.

Außerdem besuchten wir die Tutela Minori, einen Ort, der uns wirklich beeindruckte. Die Kolleginnen dort waren sehr nett und erklärten uns den gesamten Sozialrechtsprozess für Minderjährige und Jugendliche. Hier funktioniert es ein wenig anders: Zuerst werden die kleinen kommunalen Büros eingeschaltet. Falls es sich um einen schweren Fall handelt, wird die Staatsanwaltschaft hinzugezogen, und anschließend das Gericht. Wenn ein Gerichtsbeschluss ergeht, übernimmt das überregionale Amt für Soziales;
andernfalls ist das kommunale Amt für Soziales zuständig. Bis April gab es in der Tutela Minori nur ein Büro für ganz Palermo, aber seit April sind
zwei weitere Büros eröffnet worden, eines im Norden und eines im südlichen Teil von Palermo. Laut der zuständigen Leiterin in der Tutela Minori gibt es ungefähr 250 Fälle pro Jahr, die manchmal sehr schwierig sind. Die Mitarbeiterzahl betrug vor April fünf und ist nach April auf 15 gestiegen.

Die erste Woche konzentrierte sich hauptsächlich auf Minderjährige und Jugendliche Hilfe sowie darauf, wie das „Jugendamt“ die Probleme löst. Wir haben gelernt, dass ein Prozess auf zwei Arten begonnen werden kann: Erstens durch das Sozialamt selbst und zweitens durch einen Beschluss des Gerichts. Es wird weiterhin angestrebt, einen einfacheren Weg zu finden, sodass das Gericht nicht immer eingeschaltet werden muss.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es Unterschiede gibt, wie die Ämter arbeiten. Diese Woche haben wir gelernt, dass es verschiedene Wege gibt, Probleme zu lösen, auch wenn EU-Regeln bestehen. Das zeigt, dass Lösungen oft eher regional sind und nicht immer auf einer größeren Ebene gefunden werden.

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