Städteaustausch mit Wiesbaden: Nachwuchskräfte aus Friedrichshain-Kreuzberg gewinnen in der hessischen Partnerstadt neue Einblicke in die kommunale Praxis

Nachwuchskräfte vor dem Rathaus

Nachwuchskräfte vor dem Rathaus

In der ersten Februarwoche nahmen 14 Nachwuchskräfte des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg an einem Städteaustausch mit der Landeshauptstadt Wiesbaden teil. Ziel des Austauschs war es, kommunale Verwaltungsarbeit aus einer anderen Perspektive kennenzulernen, Erfahrungen zu teilen und Impulse für die eigene Ausbildung mitzunehmen.
Seit April 1964 verbindet den damaligen Berliner Bezirk Kreuzberg und die hessische Landeshauptstadt eine Städtepartnerschaft. Der Austausch zwischen den Verwaltungen von Friedrichshain-Kreuzberg und Wiesbaden hat eine lange Tradition und reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Nach einer längeren Unterbrechung wurde das Format nun wieder aufgenommen und soll künftig regelmäßig fortgeführt werden.

Gebäude der Stadtpolizei

Gebäude der Stadtpolizei

Einblicke in die Wiesbadener Verwaltungsstrukturen

Während ihres Aufenthalts erhielten die Berliner Auszubildenden, Trainees und Dualstudiereden vielfältige Einblicke in die Wiesbadener Verwaltungsstrukturen. Im Mittelpunkt standen Besuche in unterschiedlichen Ämtern. Dabei wurden konkrete Fragen zu Zuständigkeiten, Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufen diskutiert. Schnell zeigte sich: Während Berlin als Stadtstaat mit Bezirksämtern eine besondere Verwaltungsstruktur besitzt, ist Wiesbaden als kreisfreie Stadt anders organisiert.
Ein besonders eindrückliches Beispiel war die Stadtpolizei in Wiesbaden. Anders als in Berlin, wo ordnungsrechtliche Aufgaben im Bezirk vor allem durch das Ordnungsamt wahrgenommen werden und polizeiliche Aufgaben der Landespolizei obliegen, verfügt Wiesbaden über eine eigenständige Stadtpolizei mit erweiterten Befugnissen im Bereich Gefahrenabwehr und Ordnungsrecht. Für die Berliner Auszubildenden war es spannend zu sehen, wie diese organisatorische Struktur den Arbeitsalltag prägt und welche Aufgaben dort gebündelt sind.

Bonifatiuskirche in Wiesbaden

Persönlichen Austausch, statt theoretischer Formate

Ein besonderer Fokus lag auf dem persönlichen Austausch. Statt theoretischer Formate bot das Programm zahlreiche Gelegenheiten für Gespräche auf Augenhöhe – sowohl im fachlichen Kontext als auch informell. Themen wie Bürger*innenservice, Digitalisierung, interne Prozesse und der Umgang mit aktuellen Herausforderungen in der Verwaltung spielten dabei eine zentrale Rolle.
Ergänzt wurde das fachliche Programm durch Einblicke in die Stadt. Führungen durch zentrale Einrichtungen, sowie gemeinsame Aktivitäten förderten das gegenseitige Kennenlernen und stärkten den Austausch auch außerhalb des klassischen Verwaltungsrahmens. Eine Stadtrallye führte die Gäste aus Berlin unter anderem ins Kurhaus, zu den historischen heißen Quellen am Kochbrunnen sowie in das Kulturzentrum Schlachthof. So wurde nicht nur die Verwaltungsorganisation, sondern auch das städtische Umfeld greifbar, in dem kommunales Handeln tagtäglich stattfindet.
Ein erster fachlicher Höhepunkt war der Besuch des Hessischen Landtags. In einer Präsentation erhielten die Auszubildenden Einblicke in Aufbau und Arbeitsweise des Parlaments. Ein Begrüßungsvideo der Landtagspräsidentin sowie die anschließende Führung machten deutlich, wie politische Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden – ein wichtiger Perspektivwechsel für angehende Verwaltungsfachkräfte.

Empfang der Nachwuchskräfte durch den Oberbürgermeister

Bedeutung des Austauschs für beide Verwaltungen

Ein weiterer Höhepunkt des Aufenthalts war der offizielle Empfang im Wiesbadener Rathaus durch den Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. In diesem Rahmen wurden die Nachwuchskräfte begrüßt und hatten Gelegenheit, ihre Eindrücke zu teilen und sich weiter zu vernetzen. Der Empfang unterstrich die Bedeutung des Austauschs für beide Verwaltungen und machte deutlich, welchen Stellenwert die Förderung des Verwaltungsnachwuchses hat.
Für die teilnehmenden Auszubildenden des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg bot der Städteaustausch die Möglichkeit, den eigenen Ausbildungsalltag zu reflektieren und neue Anregungen für die weitere berufliche Entwicklung mitzunehmen. Der Blick über die Bezirksgrenzen hinaus stärkte nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch das Verständnis für unterschiedliche Verwaltungsrealitäten.
Die Nachwuchskräfte berichten davon, dass sie an dem Austausch teilgenommen haben, um „eine neue Verwaltung kennenzulernen, Brücken zu schlagen und sich zu vernetzen“. Außerdem freuen sie sich darüber „auch mal eine andere Verwaltung sehen zu können“ und stellen sich die Fragen: „Wie agieren sie? Was können wir von ihnen lernen? Und was können sie vielleicht auch von uns lernen?“