MenschenskinderGarten: Grüne Oase mitten in Berlin

Martina Peter im Nachbarschaftsgarten

Mitten im Stadtzentrum Berlin, nur einen knappen Kilometer vom Alexanderplatz entfernt, liegt zwischen den hohen Gebäuden der Karl-Marx-Allee eine gut versteckte grüne Oase. Im Frühling blühen hier die Tulpen, im Sommer wachsen an den Sträuchern Tomaten, Stachelbeeren und Johannisbeeren. Im Herbst können Zucchinis, Äpfel und Birnen geerntet werden. Zwischen den Pflanzen fliegen Insekten und Singvögel sind zu hören. Der MenschenskinderGarten beeindruckt trotz seiner Lage im dichtesten besiedelten und am höchsten versiegelten Bezirk der Stadt mit einer besonderen Artenvielfalt.

Den 1.300 Quadratmeter großen Nachbarschaftsgarten hinter dem Familienzentrum und der Kindertagesstätte gibt es seit zwölf Jahren. Seit 2016 setzt sich das Team gezielt für Artenvielfalt ein. „Das ist hier ein naturnaher Garten“, erklärt Martina Peter, die im Familienzentrum für den Garten zuständig ist. Auch Igel, Füchse, kleine Mäuse und Vögel wie der Gartenrotschwanz und Stieglitz fühlen sich hier wohl.

Nachbarschaftsgarten mit Tulpen im Vordergrund

"Wir haben hier sehr fruchtbaren Boden."

Wohlbefinden beim Gärtnern

Als das Gelände noch eine Brache war, entstand der Wunsch nach einem Gemeinschaftsgarten, der ab 2012 unter anderem mit EU-Fördermitteln umgesetzt wurde. Martina Peter ist seit 2014 dabei. Als ihre drei Kinder noch zur Schule gingen, baute sie an der Rosa-Parks-Grundschule in Kreuzberg den Schulgarten mit auf.

So war sie im Bezirk im Bereich Gemeinschaftsgärtnern bekannt und fand ihren Weg zum MenschenskinderGarten. „Ich bin naturverrückt, von Kindesbeinen an.“ Für Martina Peter hat die Gartenarbeit auch therapeutische Aspekte. „Es stellt sich Wohlbefinden dabei ein, mit bloßen Händen in der Erde zu wühlen.

2012 begannen auf der Brache die Bodenarbeiten, ab 2016 der gezielte Bodenaufbau. 2022 ließ das Team Bodenproben nehmen und analysieren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: „Wir haben hier sehr fruchtbaren Boden und alles, was wir hier ernten, kann bedenkenlos gegessen werden.“ Es gebe erfreulicherweise keine Belastungen durch Schwermetalle.

Die meisten Pächter*innen kommen aus der Nachbarschaft.

Gemeinschaftsfläche und 15 verpachtete Bereiche

Seit 2016 fermentieren die Kolleg*innen der Kita und des Familienzentrums die Küchenabfälle (Bokashi). Die fermentierten Stoffe werden anschließend vererdet und nach rund zehn Wochen als Mulchmaterial auf den Gartenböden eingesetzt.

Im Zentrum des Gartens gibt es 15 tortenstückartige Flächen, die verpachtet werden. Der größte Teil des Gartens ist Gemeinschaftsfläche. Die ursprüngliche Idee war, dass eine Familie ein Tortenstück zur Pacht erhält. „Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass sich häufig zwei oder mehr Familien eine Parzelle teilen, weil es einfach sehr viel Arbeit ist.“ Die Pacht beträgt 10 bis 20 Euro pro Jahr, je nach Selbsteinschätzung (solidarische Gartenkasse).

Die Pächter*innen verpflichten jährlich mindestens 40 Arbeitsstunden für das Gartenprojekt zu leisten. Verbindlich am monatlichen Gartenplenum und anderen Planungsrunden die den Garten betreffen teilzunehmen. Die meisten Pächter*innen der Flächen kommen aus der Nachbarschaft oder sind Familien, deren Kinder die Kita Menschenskinder besuchen.

Jede*r kann sich selbstbestimmt einbringen.

Kinder lernen eine Menge über ihre Umwelt

„Jede*r kann sich hier sehr selbstbestimmt einbringen.“ Wartelisten nutzt das Familienzentrum nicht. „Wer ein Beet will, dem empfehlen wir einfach, freitagnachmittags vorbeizukommen und mitzumachen.“ Genug Gemeinschaftsflächen um gärtnerisch tätig zu sein, gibt es.

„Wir haben nicht viele Regeln.“ Einige „Don’ts“ gilt es allerdings zu beachten: Auf die gepachteten Flächen dürfen keine Bäume gepflanzt werden und es darf keine Chemie im MenschenksinderGarten zum Einsatz kommen.

Viele der engagierten Familien sind über das Familienzentrum oder die Kita in den Nachbarschaftsgarten gekommen. „Die Kinder haben einfach die allerbeste Zeit hier. Sie können barfuß herumlaufen mit Schlamm spielen und einfach frei sein.“ Dabei lernen die Kinder eine Menge über ihre Umwelt. „Wenn die Kinder einige Jahre hier im Garten verbracht haben, haben sie ganz nebenbei eine Menge gelernt, kennen bereits ganz schön viele Pflanzen (essbar und giftig) und wissen mehr darüber, wo ihr Essen herkommt.“

Der Pollinator Pathmaker ist ein Natur-Kunstwerk, das bestäubenden Insekten den Weg weisen soll.

Umweltbildungsort mit Workshopangeboten

Der MenschenkinderGarten ist vor allem auch ein Umweltbildungsort. Immer zu Beginn des Jahres trifft sich die Gartengemeinschaft zur Planungswerkstatt und bespricht, welche Workshops angeboten werden sollen und wie das Gartenjahr gestaltet wird.

Ein besonderes Beet ist der Pollinator Pathmaker, der bestäubenden Insekten den Weg bereiten soll. Dieses Kunst-Natur-Konzept hat die britisch-südafrikanische Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg mithilfe von KI entwickelt.

Garteninteressierte können sich ein eignees Beet kreieren und als 3-D-Modell mit Hinweisen und einem Pflanzenplan für ihre Region erstellen lassen. Weitere „Pollinator Pathmaker“ findet man in Berlin auch vor dem Naturkundemuseum und in der Gartenarbeitsschule in Friedrichshain.

Wildbienen und Wildkräuter

„Wir haben uns bereits 2016 bewusst gegen Honigbienen im MenschenskinderGarten entschieden und damit für Wildbienen“, erklärt Martina Peter. Zahlreiche Wildbienenarten haben sich so im Garten angesiedelt. Mit Insektenhotels werden bis zu sieben Arten bedient, wie etwa die gehörnte Mauerbiene.

Auch das Thema Ernährung bearbeitet die Gartengemeinschaft umfangreich und biete beispielsweise Wildkräuterführungen oder Workshops zur wilden Kräuterküche. „Wildkräuter kann man das gesamte Jahr über finden – auch im Winter, wenn man es gar nicht erwarten würde.“ Ein anderer Workshop heißt „Kinder kochen für ihre Eltern“. Die Kleinen bereiten darin ein Dreigängemenü für die Erwachsenen zu.

Das MenschenskinderGarten wirkt auch an so genannten Citizen-Science-Projekten mit, also wissenschaftlicher Arbeit, an der Bürger*innen ohne akademische Fachkenntnisse mitforschen bzw. beobachten können.

Nachbarschaftsgarten mit Tulpen im Vordergrund

Über Menschenskinder

Trägerin des Nachbarschaftsgartens ist die menschenkinder-berlin gGmbH, die 1996 in Friedrichshain von Fachleuten aus pädagogischen, psychologischen, künstlerischen und medizinischen Bereichen für Kinder und ihre Familien als Verein gegründet wurde. Heute ist Menschenskinder ein wichtiger Träger für Familienbildung, Begegnung und Beratung in Friedrichshain-Kreuzberg.

menschenskinder-berlin gGmbH
Fürstenwalder Straße 30
10243 Berlin
Telefon: (030) 23 59 99 6-50/ (030) 23 59 99 6-51
E-Mail: familienzentrum@menschenskinder-berlin.eu