Friedrichshain-Kreuzberg als Hotspot der weiblichen Spitzengastronomie - Marie-Anne Wild, Restaurant Tim Raue

Marie-Anne Wild vom Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße ist eine der ausgezeichneten Gastgeberinnen

Marie-Anne Wild vom Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße ist eine der ausgezeichneten Gastgeberinnen

72 Frauen mischen die deutsche Spitzengastronomie auf: Ein Hotspot besonders herausragender Gastgeberinnen, Sommelières, Barkeeperinnen und Küchenchefinnen zeichnet sich laut CHEF:IN Watch Lists 2026 in Friedrichshain-Kreuzberg ab. Marie-Anne Wild vom Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße ist eine der ausgezeichneten Gastgeberinnen.

Die Berlinerin Marie-Anne Wild gründete 2010 gemeinsam mit dem Namensgeber und Geschäftspartner Tim Raue, den Restaurantbetrieb, der seit Jahren zur Spitze der Weltgastronomie zählt. Zwei Michelin-Sterne, 19,5 Gault & Millau-Hauben, die Auszeichnung als „Restaurant des Jahres“ durch das Magazin Der Feinschmecker sowie zahlreiche weitere Ehrungen bestätigen die Qualität für die Gäste und Fans der modernen Gourmetküche, die ihr Team feiern.

„Damals habe ich kein Risiko gescheut und all meinen Mut zusammengenommen, als wir hier das Restaurant, unser Lebenswerk, gegründet haben“, erinnert sich Marie-Anne Wild an die Anfänge in Kreuzberg. Mit dem Hausbesitzer sei man sich schnell einig geworden: „Per Handschlag besiegelten wir damals unsere Geschäftsbeziehung über die Restauranträume in Kreuzberg.“

Immer wieder neue unvergessliche Retsuaranterlebnisse

Als Gründerin wusste sie genau, was sie wollte: „Eine außergewöhnliche, besonders liebevolle Atmosphäre schaffen, die in Erinnerung bleibt und Lust auf mehr bereitet. Daran arbeite ich auch heute noch unermüdlich mit meinem Team, um unseren Gästen immer wieder neue unvergessliche Restauranterlebnisse zu bieten.“

Heute arbeiten 35 bis 40 Mitarbeitende täglich daran, diesen Anspruch zu erfüllen. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ist weitgehend ausgeglichen: „In der Küche sind meist etwas mehr Männer als Frauen beschäftigt, der Service ist eher weiblich geprägt.“ Fünf Mitarbeitende sind seit der Eröffnung dabei, rund ein Viertel des Teams ist seit mehr als 13 Jahren Teil des Restaurants.

„Wir freuen uns über jeden Auszubildenden, der bleiben möchte – genauso wie über neue Kolleginnen und Kollegen, die von uns gehört haben und nach ihrer Ausbildung zu uns kommen wollen. Ein langgehegter und gut vorbereiteter Traum von einem besonderen Restaurant ist hier in Erfüllung gegangen. Auf Reisen, etwa nach London oder nach Asien, die für ihre herausragende Spitzengastronomie bekannt sind, lasse ich mich bis heute inspirieren.“

Für ihre herzliche Gastfreundschaft und ihren „besonders liebenswürdigen Service“ wurde Marie-Anne Wild bereits dreimal vom Gault & Millau ausgezeichnet und mit dem Titel „Berliner Maître des Jahres 2005“ geehrt.

Für ihren Podcast ‚Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne‘ lädt die ausgezeichnete Gastronomin interessante Gäste nach Hause ein

Für ihren Podcast ‚Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne‘ lädt die ausgezeichnete Gastronomin interessante Gäste nach Hause ein

Weibliche Netzwerke und ein Podcast für Gespräche über wichtige Themen

Dass die Spitzengastronomie in Deutschland zunehmend von Frauen geprägt wird, begrüßt sie: „Es ist schön, dass wir Frauen in unseren Positionen durch Auszeichnungen wie die CHEF:IN Watchlist immer mehr Sichtbarkeit erhalten. Das brauchen wir dringend.“ Gleichzeitig gebe es noch immer zu wenige Frauen in der Branche, weshalb sie aktiv daran arbeite, dies zu verändern.
Die Unternehmerin setzt seit Jahren auf starke weibliche Netzwerke und organisiert seit 2018 in Berlin regelmäßige Treffen für prägende Akteurinnen der Hauptstadt. Ende Mai kamen auf ihre Einladung hin bereits zum achten Mal führende Frauen aus Gastronomie, Medien, Kunst und Wirtschaft im Restaurant Tim Raue zusammen.

„Nicht, dass ich mich langweile – mich reizt das Miteinander, und ich spreche gern mit anderen Menschen. Deshalb lade ich mir immer wieder Gäste für meinen Podcast ‚Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne‘ nach Hause ein. Zuhörerinnen und Zuhörer erleben dort kurzweilige, lockere Gespräche über wichtige Themen, das Gastgeben und Frauen in der Gastronomie.“

Genauso entspannt, wie Marie-Anne Wild im Podcast ernste Themen beim Namen nennt, spricht sie über die aufregendsten Momente ihrer Karriere, in denen ihr scharfer Sinn für das Wesentliche, viel Einfühlungsvermögen sowie Kreativität gefragt waren: „Die Pandemie! Wir waren genauso betroffen wie alle anderen Restaurants – aber von Anfang an war uns klar, dass wir einen Weg finden, um weiterzumachen.“ Also entwickelte sie mit ihrem Team einen Tim-Raue-Restaurant-Lieferservice. „Konnten unsere Gäste uns nicht aufsuchen, brachten wir das speziell verpackte Menü inklusive Weinbegleitung eben zu den Gästen – bundesweit.“ Auch hier musste das Team einiges koordinieren: Autos und Verpackungen organisieren, und immer wieder nachjustieren, „solange, bis die Lieferungen perfekt bei unseren Gästen ankamen.“

Galadinner für Barack Obama

Ihre Perfektion, ihr Durchhaltewillen und ihre Kreativität haben sich bis in die höchsten Regierungskreise herumgesprochen, sodass sie eine Cateringanfrage für ein besonderes Staatsbankett erhielt: „Was für eine Ehre! Wir durften 2013 anlässlich des Besuchs von Barack Obama und seiner Familie in Berlin das Galadinner für den Präsidenten im Schloss Charlottenburg kochen.“

Während ganz Berlin an diesem heißen Junitag bei 38 Grad im Stau stand und nicht vorwärtskam, bereitete das 16-köpfige Team aus dem Restaurant im Schloss Charlottenburg das Vier-Gang-Menü vor. „Es war der heißeste Tag des Jahres, und niemand kann sich vorstellen, was es bedeutet, für einen Präsidenten zu kochen!“ Immer wieder sammelte der Secret Service des Präsidenten Proben der Lebensmittel, die verarbeitet wurden. „Es wurde natürlich nichts beanstandet.“ So war es einer der schönsten und aufregendsten Einsätze des Teams: „Wir kochten für 250 Personen als Vorspeise weißen Beelitzer Spargel mit Kabeljau und Schmorgurken.“
Als Hauptgang wurden Königsberger Klopse mit Kartoffelpüree sowie einem Apfel-Rote-Bete-Salat gereicht. Zum Dessert in der Charlottenburger Orangerie gab es Bienenstich mit Aprikosensorbet.

Das klassische bodenständige Menü hatte der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel wie auch der Präsidentenfamilie so gut geschmeckt, dass sie sich persönlich bedanken wollten: „Wir mussten uns beeilen, denn das Protokoll war zeitlich sehr eng getaktet. Plötzlich stand ich vor Frau Merkel, dem Präsidenten und seiner beeindruckenden Frau Michelle Obama. Sie bedankten sich sehr herzlich bei uns. Diesen Händedruck werde ich nie wieder vergessen. Es war eine sehr große Ehre für uns.“

Übrigens: Die Obamas haben das Dinner auch nicht vergessen – „noch heute begrüßen wir ab und zu Gäste, die zu uns über eine Empfehlung durch Barack und Michelle Obama kommen.“

Restaurant Tim Raue
Rudi-Dutschke-Straße 26
10969 Berlin
Telefon (030) 259 379 30
E-Mail: Office@Tim-Raue.com

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