Während sie die Kinder betreut, finden in den meisten Fällen begleitete Umgangstreffen mit den leiblichen Eltern statt. „Dort fahre ich mit dem Baby hin, denn die Eltern wissen nicht, wo ich mit dem Kind lebe. Die Mütter, die ich kennengelernt habe, kämpfen für ihr Kind.“ Da es in den meisten Fällen einen Grund dafür gibt, dass die Kinder bei Anna und nicht bei ihren Eltern leben, bleibt die Adresse der Pflegestelle geheim. „Niemandem ist damit geholfen, wenn nachts eine weinende Kindesmutter in meiner Tür stehen würde.“
Jetzt gluckst Sunny laut in ihrer Wiege. Sie ist wach und will nur noch eines: die Flasche! Anna holt sie geübt aus der Wiege, trägt das kleine Bündel zum Sofa, das in einem großen Spielzimmer steht. In der Mitte des Raumes liegt eine kuschelige Wickel- und Krabbeldecke unter einem Spielbogen.
„Ich halte hier immer ein Fläschchen Wasser in angenehmer Trinktemperatur für die Milchzubereitung vor, damit Sunny nicht lange warten muss.“ Sie dankt es mit einem deutlichen Schmatzen. Ihre kleinen Fingerchen wickeln sich um Annas Finger. „Das macht sie gern. Nach dem Kuscheln und einem Bäuerchen geht es auf die Wickeldecke, die Windel wird gewechselt.
Während des Wickelns bekommt Anna einen Anruf – Sunnys Mutter geht es gesundheitlich wieder etwas besser. Bald kann Sunny zurück zu ihrer Mutter, und ein neues Baby braucht Annas liebevolle Starthilfe.
Anna setzt sich für die Mutter von Sunny ein, denn die wünscht sich eine behutsame Rückführung ihres Kindes. „Nach und nach. Die Mutter trifft sich regelmäßig mit Sunny, sie möchte auf keinen Fall, dass die Kleine erneut einen Schock bekommt.“ Erst wenn die Mutter, Anna und natürlich auch Sunny miteinander ein gutes Gefühl haben, wird die Wiege wieder frei sein – für das nächste Baby in Not.