Klimaanpassung in Kopenhagen: Was lässt sich für Friedrichshain-Kreuzberg mitnehmen?

Stadtplatz in Kopenhagen

Drei Tage lang war die Berliner Delegation in Kopenhagen zu Gast.

Eine etwa siebenstündige Zugfahrt verbindet Berlin mit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Mit ihren etwa 670.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt Dänemarks und insbesondere für ihre fahrradfreundliche Infrastruktur, ihre hohe Lebensqualität und ihre nachhaltige Stadtentwicklung bekannt.

Drei Tage lang konnte sich eine Delegation aus Friedrichshain-Kreuzberg zusammen mit Projektmanager*innen aus dem Bereich Klimaanpassung der Kopenhagener Stadtverwaltung sich einen Einblick verschaffen, wie Klimaanpassung in Kopenhagen umgesetzt wird.

entsiegelte Flächen im Gehwegbereich in Kopenhagen

2011 wurde Kopenhagen von einem 1000-jährigen Starkregenereignis überrascht

Starkregenereignisse als Herausforderung

Schnell stellte sich heraus, dass Kopenhagen vor allem ein Thema umtreibt: Starkregenereignisse und damit einhergehende Überflutungen. Dass dieses Thema die höchste Priorität im Bereich Klimaanpassung hat, kommt jedoch nicht von irgendwo her, sondern basiert auf einem zurückliegenden „Wolkenbruch“, der die Stadt schwer traf: 2011 wurde Kopenhagen von einem 1000-jährigen Starkregenereignis überrascht. Keller liefen voll, die Energieversorgung brach zusammen und die finanziellen Schäden waren immens. Allein für Kopenhagen wurden sie auf etwa 800 Millionen Euro geschätzt. Das Momentum wurde genutzt, um die Dringlichkeit der ebenfalls 2011 veröffentlichten Klimaanpassungsstrategie zu verdeutlichen.

Straße in Kopenhagen mit Versickerung

Mit dem "Cloudburst Management Plan" bereitet sich die Stadt Kopenhagen auf Starkregenereignisse vor.

Plan zum Umgang mit Wolkenbrüchen

2012 wurde darauf aufbauend ein Cloudburst Management Plan verabschiedet, der Kopenhagen auf kommende Starkregenereignisse vorbereiten soll. In Folge dessen wurde begonnen, über 300 Projekte in der Stadt umzusetzen, denn auch in Zukunft rechnet Kopenhagen mit 30 Prozent stärkeren Regenfällen und häufiger auftretenden Starkregenereignissen. Die Mischwasserkanalisation kann diese Mengen an Regenwasser nicht aufnehmen und so kommt es zu Überläufen. Ziel ist, das Wasser durch die geplanten Projekte von Häusern, Kellern und Straßen wegzuleiten und bei Starkregenereignissen zwischenzuspeichern. 30 Prozent des Regenwassers soll von der Kanalisation abgekoppelt werden. Gleichzeitig sollen die neu gestalteten Flächen für die Menschen als öffentlicher Raum nutzbar werden. Einige der Projekte konnte die Berliner Delegation besichtigen.

Straße in Sankt Kjelds Kopenhagen

Hier wird das Regenwasser von den Dächern in die Grünanlagen statt in die Mischwasserkanalisation geleitet.

Skt. Kjelds Square and Bryggervangen

Von 2016 bis 2018 wurde dieses Entsiegelungs- und Rückhalteprojekt für Regenwasser auf einer Fläche von 34.900 Quadratmetern umgesetzt. Dabei wird das Regenwasser von den Dächern in die Grünanlagen statt in die Mischwasserkanalisation geleitet.

Wasser von der Straße fließt in ein separates Kanalsystem, wo gereinigt wird. Regenwasser von Gehwegen und weniger verunreinigten Flächen wird in die Grünanlagen geleitet. Bei dem Projekt handelt es sich um eines der größten Starkregen-Projekte, das Kopenhagen bisher umgesetzt hat. Inzwischen wird der Stadtteil auch der „Climate District“ genannt. Wo sich vorher Straße befand, bietet der Raum nun einen Ort zur Erholung und führt zugleich zu einer Temperaturabsenkung für die umliegenden Wohngebäude.

Enghaveparken in Kopenhagen

Zwölf Millionen Euro wurden in die Parkgestaltung investiert.

Enghaveparken

Bei diesem Projekt, das von 2017 bis 2019 für etwa 12 Millionen Euro umgesetzt wurde, ist der Park, so umgestaltet worden, dass er bei Starkregen die Kapazität hat, 22.600 Kubikmeter Regenwasser zurückzuhalten. Dafür wurde er baulich umrandet, kann manuell geschlossen werden und so als Zwischenspeicher dienen.

Weitere Speicher sind ein Rosengarten und ein im Park gelegenes Wasserbecken. Gleichzeitig läuft über Rohre das Regenwasser in einen tiefergelegten Sportplatz hinein, der als Speicherplatz genutzt werden kann. Wenn das Starkregenereignis dann vorbei ist und wieder Kapazität in der Mischwasserkanalisation vorhanden ist, kann es in diese eingelassen werden.

Zusätzlich sind unter dem Rosengarten Speicher so angelegt, dass das Wasser zur Bewässerung der Bäume und Bepflanzung aus dafür vorgesehenen Tanks genutzt werden kann.

Karens Minde in Kopenhagen

Das Wasser läuft dabei über eine Art Wasserspielplatz in ein Regenrückhaltebecken.

Karens Minde Aksen

Das Projekt im Gebiet Sydhavn, welches von 2021 bis 2023 für etwa 11 Millionen Euro von der Stadt Kopenhagen zusammen mit dem städtischen Versorgungsunternehmen HOFOR umgesetzt wurde, kombiniert die Rückhaltung von Regenmengen bis zu 15.000 Kubikmeter mit der Entwicklung von öffentlichem Naherholungsgebiet. Es bewältigt zum einen Starkregenereignisse aber auch alltägliches Regenwasser.

Das Wasser läuft dabei über eine Art Wasserspielplatz in ein Regenrückhaltebecken, bevor es weiter aus dem Gebiet ins Meer gepumpt wird. Wichtig dabei ist die Topografie. Das Wasser, welches den Grünzug durchläuft, kommt aus einem nördlich höher gelegenen Reservoir einer Grünfläche. Es wird über Pumpleitungen in das Projektgebiet geleitet und durchläuft dieses dann. Das Regenrückhaltebecken stellt den niedrigsten Punkt der gesamten Anlage dar, sodass das Regenwasser über die gelben Klinkersteine dorthin fließt.

Straße in Kopenhagen mit Versickerung

Der lehmhaltige Boden Kopenhagens ist eine besondere Herausforderung für die Schwammstadt.

Parallelen zwischen Kopenhagen und Berlin

Durch die Einblicke in die Projekte und die Präsentationen war schnell erkennbar, dass Kopenhagen ein sehr gegensätzliches Problem zu Berlin in Bezug auf Regenwasser hat. Während in Kopenhagen versucht wird, das Zuviel an Regenwasser an unschädlichen Stellen zwischenzuspeichern, um es gedrosselt aus der Stadt hinaus zu bekommen, ist in Berlin das größte Problem, das Wasser im Sinne der „Schwammstadt“ zurückzuhalten.

Kopenhagen weist im Gegensatz zu Berlins sandigem Boden einen stark lehmhaltigen Boden auf. Versickerung im eigentlichen Sinne ist dadurch viel schwieriger, das Wasser bleibt auf der Fläche stehen oder fließt darüber hinweg.

So musste in Projekten, in denen versickert wird, teilweise der Boden tiefgründig durchlöchert werden, damit das Wasser überhaupt in tiefere Schichten gelangen konnte. Bisher spielen Hitze und Trockenheit eine untergeordnete Rolle in Kopenhagen, sodass auch der ein oder andere alte Baum der Starkregenvorsorge zum Opfer fällt und mit Neupflanzungen ersetzt wird.

Logo der Stadt Kopenhagen

Projekte können leichter umgesetzt werden.

Enge Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Versorgungsunternehmen

Ein weiterer Aspekt, der besonders auffiel, ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und dem Versorgungsbetrieb, also den Wasserbetrieben HOFOR. Durch die starke Vernetzung und eine geregelte Finanzierung können Projekte leichter umgesetzt werden.

Auch die sogenannten „Huckepack-Maßnahmen“ spielen eine große Rolle. Das bedeutet, dass wenn durch die Wasserbetriebe oder das Klimaanpassungsmanagement ein Projekt in Angriff genommen wird, wird gleichzeitig geprüft, welche weiteren Maßnahmen für diese Fläche mit Blick auf die Zukunft umgesetzt werden müssen. Diese werden dann in den Planungen berücksichtigt.

Fahrradbrücke Kopenhagen

Es gibt zahlreiche Brücken, die ausschließlich für den Rad- und Fußverkehr zur Verfügung stehen.

Einlblicke ins Mobilitätsmanagement

Neben Stadterneuerungsstrategien gab es auch einen Einblick in das Mobilitätsmanagement der Stadt Kopenhagen. Insbesondere der Radverkehr war für unsere Delegation von Interesse. Bis in die frühen 1970er Jahre war der Autoverkehr auch dort die dominierende Verkehrsart. Durch schnelle innerstädtische Verbindungen mit Brücken ausschließlich für Fuß- und Radverkehr sowie konsequente Neuaufteilung von Straßenquerschnitten mit der Priorisierung des Radverkehrs, auch gegenüber Bäumen, hat sich das Bild gewandelt. Inzwischen überwiegt der Radverkehr in der Innenstadt und ist auch im Umlandverkehr massiv gewachsen.

Insgesamt fiel Kopenhagen durch seine Freundlichkeit und den für die Besucher*innen betriebenen Aufwand auf. Die Berliner waren sowohl von der Größenordnung der Projekte als auch von der Sauberkeit der Grünanlagen beeindruckt.

Auch die stärkere Eigenverantwortung rund um Fragen der Verkehrssicherheit, wie der Blick auf potenzielle Stolperfallen, waren erfrischend. Es scheint, dass die Menschen ihre neuen Grünräume zu schätzen wissen und sie auch so behandeln. Die Reise lieferte wertvolle Impulse und eröffnete neue Perspektiven für die Weiterarbeit an den Klimaanpassungszielen in Friedrichshain-Kreuzberg.

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