Kartoffeln für Friedrichshain-Kreuzberg

Kartoffeln an der Ferdinand-Freiligrath-Schule

4.000 Tonnen Kartoffeln wurden in den letzten Tagen aus Sachsen nach Berlin gebracht und hier in der Stadt verteilt. Auch in Friedrichshain-Kreuzberg beteiligten sich rund 20 Einrichtungen an der Aktion und haben im Laufe der Woche kiloweise Kartoffeln an die Bürger*innen ausgegeben.

Kartoffeln in der Christuskirche

Christuskirche in Friedrichshain

An der Holzkirche in der Richard-Sorge-Straße kam Donnerstagvormittag eine Tonne Kartoffeln an, die bereits nach anderthalb Stunden durch ehrenamtliche Helfer*inen verteilt waren.

Die Friedrichshainer Gemeinde hat sich an der Aktion „4000 Tonnen Kartoffeln“ beteiligt, um sich klar gegen Lebensmittelverschwendung zu stellen: „Gute Lebensmittel wegzuwerfen, obwohl sie gegessen werden können, halten wir für ethisch problematisch – gerade in einer Welt, in der Ressourcen knapp sind und viele Menschen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen. Für uns ist Nahrung kein Wegwerfprodukt, sondern eine Gabe der Natur, die Gott geschaffen hat, das mit Arbeit, Zeit und Verantwortung verbunden ist. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass diese Aktion auch kritisch gesehen werden kann: Bäuerinnen und Bauern, die normalerweise den Berliner Markt beliefern, könnten nun auf ihren Produkten sitzen bleiben und wir haben das Problem nur verschoben. Ebenso kann eine kostenlose Verteilung den Eindruck verstärken, Lebensmittel müssten möglichst billig oder am besten umsonst verfügbar sein – ein Denken, das wir ausdrücklich nicht unterstützen. Gerade deshalb haben wir uns entschieden, an dieser Aktion teilzunehmen.” Die Gemeinde möchte die damit verbundenen Fragen nicht übergehen, sondern sichtbar machen und zur Diskussion stellen:
  • Wie gehen wir verantwortungsvoll mit Lebensmitteln um?
  • Wie können der Schutz vor Verschwendung und faire Preise für Erzeugerinnen und Erzeuger zusammen gedacht werden?
  • Welche Rolle spielen wir als Verbraucherinnen und Verbraucher dabei?

Die Teilnahme versteht die Christuskirche nicht als einfache Lösung, sondern als Einladung zum Nachdenken, zum Gespräch und zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln – heute und über diese Aktion hinaus.

Kartoffellieferung

Ferdinand-Freiligrath-Schule

Die integrierte Sekundarschule im Bergmannkiez erhielt am Donnerstag eine Tonne Kartoffeln. Vorab organisierte die Schulgemeinschaft Tüten und Taschen zum Tragen. Um die Ausgabe kümmerten sich Lehrkräfte und Schüler*innen gemeinsam. Diese Aktion beruhte auf Freiwilligkeit und jede Lehrkraft konnte sich mit einer Lerngruppe eintragen. Das Interesse der Schulgemeinschaft war groß.

Lehrkraft Laura Richter erklärt: „Als Kollegium der Ferdinand-Freiligrath-Schule messen wir einem starken Lebens- und Alltagsbezug im Lernen eine große Bedeutung bei. Bildung verstehen wir nicht nur als Wissenserwerb, sondern als Auseinandersetzung mit realen gesellschaftlichen, ökologischen und sozialen Fragen. Die Aktion mit den 4.000 Tonnen Kartoffeln ist zwar keine alltägliche Situation, berührt jedoch zentrale Themen unseres schulischen Auftrags: den bewussten Umgang mit Lebensmitteln, Fragen von Nachhaltigkeit sowie den respektvollen, solidarischen Umgang miteinander in unserem Kiez.
Indem wir selbst eine Tonne Kartoffeln verteilen, übernehmen wir ganz konkret Verantwortung. Für uns geht es dabei nicht nur um die Weitergabe eines Lebensmittels, sondern um ein gemeinschaftliches Handeln, das Wertschätzung, Teilhabe und Niedrigschwelligkeit ermöglicht. Wir möchten zeigen, dass gesellschaftliche Themen nicht abstrakt bleiben müssen, sondern durch aktives Tun erfahrbar werden – für Lernende ebenso wie für Lehrende. Die Kartoffelaktion fügt sich organisch in dieses Verständnis von Lernen ein, da sie praktische Erfahrungen mit Reflexion und sozialem Engagement verbindet.”

CCG

CCG am Franz-Mehring-Platz

In Friedrichshain verteilte die CCG mbH am Mittwoch eine Tonne Kartoffeln an die Bürger*innen. Die Knollen lagerten im Lesecafé Babette. Die Ausgabe übernahmen die Cafémitarbeiter*innen.

„Trotz unterschiedlicher Kritik aus Verbänden halten wir die Aktion für unterstützenswert. Die Kosten für Miete und Lebensmittel sind in Berlin in den vergangenen Jahren stark gestiegen, im Alltag zählt für viele jeder Euro. Manchmal beginnt Solidarität ganz schlicht. Mit Erde an den Händen. Und mit Kartoffeln. Solidarität endet für uns dabei nicht beim Weitergeben von Lebensmitteln. Deshalb sammeln wir bei der Verteilung am FMP1 zusätzlich Spenden für die Berliner Kältehilfe”, erklärte die CCG-Verwaltung dazu.

Kartoffeln Waldorfschule

Waldorfschule Kreuzberg

An der Waldorfschule in der Ritterstraße wurden am Donnerstag 1.000 Kilo Kartoffeln verteilt. Dazu wurden die Kartoffeln im Foyer des Schulgebäudes gelagert. Zwei Kolleginnen organisierten und begleiteten die Verteilaktion.

In einer Zeit, die von vielen Herausforderungen geprägt ist, wollte die Schule bewusst einen positiven Beitrag leisten. Das Teilen von Lebensmitteln innerhalb der Schulgemeinschaft habe sich dabei als sehr sinnvolle und gemeinschaftsstärkende Erfahrung erwiesen.

Kartoffeln im Solid

Solid-Laden

SOLID im Graefekiez verteilte Donnerstagnachmittag eine Tonne Kartoffeln an die Kreuzberger*innen.

Projektleiter Herbie erklärt: „Im SOLID geht es viel um kleinteilige Landwirtschaft, enkeltaugliche Ernährung der Menschen und ein fördern von Alternativen und nachhaltigen Strukturen. Aber auch um ein Bewusstsein zu schaffen wie wir mit Lebensmitteln umgehen. Das Thema wird mit Veranstaltungen angegangen, aber auch ganz Praktisch bei dem Mittagstisch im SOLID. Der Raum passt auch gut zu dieser Kampagne, die aufzeigt wie irrsinnig unser Umgang mit Lebensmitteln und damit auch den Umgang mit Ressourcen ist. Für diese Kartoffeln wurde Land verbraucht, vermutlich Chemie verwendet (es sind keine Biologisch angebauten Kartoffeln) und Energie.“

Anlieferung Kartoffeln

BILGISARY

Der nicht-kommerzielle Stadtteilladen in der Oranienstraße nahm am Mittwoch eine Tonne Kartoffeln entgegen, die innerhalb von zwei Stunden vom Unterstützungsteam auf der Straße verteilt wurden.

„Gemeinsam mit unseren Unterstützer*innen haben wir entschieden, dass wir das unter dem sozialen Aspekt für die Menschen, die nicht so viel Geld haben, mitmachen. Auch, weil wir wollen, dass sich die Menschen kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen”, erzählt Organisator Hanno.

Kartoffeln in Tasche

Original Unverpackt

Das Geschäft in der Wiener Straße bekam am Mittwochmittag eine Tonne Kartoffeln geliefert, die umgehend weiterverteilt wurden.

Als Unverpackt-Laden setzt sich “Original Unverpackt” nicht nur für weniger Verpackungsmüll, sondern auch aktiv gegen Lebensmittelverschwendung ein. „Jede gerettete Kartoffel zählt, und wir möchten zeigen, wie einfach es ist, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig Menschen direkt zu unterstützen”, erklärt Pauline die Motivation, sich an der Aktion zu beteiligen.