Ein halbes Jahrhundert ehrenamtliches Engagement – Gisela Perschall berichtet über den Gratulationsdienst

Gisela Perschall

Friedrichshain-Kreuzberg ist der jüngste Bezirk Berlins. Nur drei Prozent der Bevölkerung sind über 80 Jahre alt. Im Bezirksticker möchten wir die Sichtbarkeit der älteren Menschen in unserem Bezirk erhöhen und regelmäßig Personen aus dieser Gruppe vorstellen. Gisela Perschall lebt seit ihrer Geburt in Friedrichshain; die 87-Jährige blickt auf über 50 Jahre ehrenamtliches Engagement in ihrer Nachbarschaft zurück.

In ihrer jetzigen Wohnung im Simon-Dach-Kiez wohnt Gisela Perschall bereits seit 1956, in ihrer Nachbarschaft ist sie gut vernetzt. Nach dem Besuch der Haushaltsschule arbeitete sie viele Jahre lang in einem hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieb in der Nähe ihrer Wohnung. Menschen aus dem Viertel konnten dort ihre Haushaltsgeräte zum Reparieren vorbeibringen. Zu den Stammkunden gehörte damals auch ein älterer Herr aus der Nachbarschaft. Als dieser altersbedingt nicht mehr selbst in den Laden kommen konnte, stattete Gisela Perschall ihm regelmäßig Besuche zu Hause ab. Das war der Anfang ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. „Es ist wichtig, dass die Menschen nicht den Anschluss an die Gesellschaft verlieren, nur weil sie in ihrer Mobilität eingeschränkter sind und weniger das Haus verlassen können.“

Persönliche Begegnungen wichtiger denn je

Seit über 50 Jahren engagiert Gisela Perschall sich beim Ehrenamtlichen Dienst des Bezirksamts. Regelmäßig stattet sie Menschen in der Nachbarschaft Besuche zu runden Geburtstagen oder Ehejubiläen ab, überbringt kleine Geschenke sowie die Glückwünsche des Bezirksamts. „Die Besuche können ganz unterschiedlich ablaufen“, erzählt sie. „Mal wird man reingebeten, mal bleibt man mehrerer Stunden für Kaffee und Kuchen, mal gratuliert man auch nur schnell an der Tür.“ Der menschliche Kontakt, die kurze persönliche Aufmerksamkeit, sei zentral, betont Gisela Perschall, – vor allem in einer Zeit, in der die meisten eher zum Telefonhörer greifen oder eine schnelle Nachricht schicken, als einfach mal persönlich bei jemandem vorbeizugehen. Dabei seien gerade für ältere Menschen, die durch Krankheit oder Ähnliches weniger Kontakt zur Außenwelt haben und oft unfreiwillig isoliert sind, die persönliche Begegnung und der zwischenmenschliche Kontakt so wichtig. „Diese Form des Ehrenamts ist nicht für alle“, bemerkt Gisela Perschall. „Man muss sich auch wirklich einbringen wollen. Wenn man Lust darauf hat, dann ist es was fürs Herz.“

Regelmäßiger Austausch

Mit Gisela Perschall engagieren sich viele weitere Menschen in der Gratulationsgruppe, sie treffen sich regelmäßig zu Abstimmungsrunden und teilen die Gratulationsanlässe in der Nachbarschaft untereinander auf. Gisela Perschall ist die Dienstälteste unter ihnen. Bei ihren Besuchen achtet sie mittlerweile darauf, ob die Wohnungen der Gratulant*innen für sie fußläufig und mit dem Aufzug erreichbar sind. Fit hält sich die 87-Jährige, indem sie zweimal die Woche zur Massage geht und viele soziale Kontakte pflegt; regelmäßig trifft sie sich mit ihren Freund*innen aus der Nachbarschaft, um eine Runde Bingo zu spielen oder bei einer Tasse Kaffee zu plaudern.

Sie haben Lust, sich im ehrenamtlichen Gratulationsdienst des Bezirksamtes zu engagieren und Menschen zum Geburtstag zu besuchen? Schreiben Sie eine Mail an unsere Kolleg*innen im Bereich Stadtteil- und Seniorenangebote: ehrenamt@ba-fk.berlin.de.