Zehn Jahre Familienzentrum FUN

Sophie Zweiger, Leiterin des FUN

Sophie Zweiger leitet das Familienzentrum seit 2022.

Donnerstagmorgen im Garten des Familienzentrums FUN an der Modersohnbrücke: Unter einem Pavillon, der Schutz vor der Sommersonne bietet, treffen sich Mütter und ihre Babys zur „Babyzeit im Garten“. Auf Krabbeldecken wird gespielt, beobachtet und miteinander gesprochen. Solche Begegnungen sind typisch für das Familienzentrum am Friedrichshainer Rudolfplatz. Seit vielen Jahren ist es Anlaufstelle für Familien und Nachbar*innen. Es entwickelt seine Angebote gemeinsam mit den Menschen vor Ort stetig weiter.

Seit 2022 ist Sophie Zweiger Leiterin der Einrichtung. Im FUN fing sie im Herbst 2021 als Sozialarbeiterin an. Sie wurde bereits beim Vorstellungsgespräch gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, die Leitung zu übernehmen, da bereits feststand, dass die damalige Leitung das Familienzentrum verlassen würde. Bevor sie zum FUN kam, arbeitete Sophie Zweiger in einem Mutter-Kind-Wohnprojekt in Lichtenberg. Sie hat Kindheitspädagogik in Schwäbisch Gmünd studiert und lebt seit 2014 in Berlin.

Familienzentrum Fun

Auf Elterninitiative hin entstehen auch immer neue Angebote.

Großteil der Angebote ist kostenfrei

Das Team im FUN besteht aus sechs Personen inklusive Leitung. Die Kolleginnen sind größtenteils in den dort angedockten Projekten beschäftigt, wie ELBA und Von Anfang an Familie(n)leben. Gefördert wird die Einrichtung sowohl vom bezirklichen Jugendamt als auch von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Unterstützt wird das Team von freiberuflichen Kursleitungen. Manche Kurse/Angebote werden jedoch auch von den fest angestellten Kolleginnen aus dem Familienzentrum angeleitet. Einige der Angebote im Wochenplan sind aus der Nachbarschaft selbst heraus entstanden, etwa „Balkan Kids“, eine deutsch-serbokroatische Kindergruppe oder das Family-Meetup, das sich an englischsprachige Familien richtet. Meistens kommen Eltern, die das Familienzentrum von Besuchen kennen, auf das Team der Einrichtung zu und fragen, ob sie die dortigen Räumlichkeiten für neue Angebote nutzen können. Das passiert dann komplett offen und selbst organisiert. Der Großteil der Angebote ist kostenfrei. Nur für manche der Kurse fällt eine Kursgebühr an, die bei geringem Einkommen jederzeit reduziert werden kann.

Außenansicht, Familienzentrum FUN

Bevor das Familienzentrum an die Modersohnbrücke zog, war es in einem Ladenlokal am Boxhagener Platz untergebracht.

Seit 2016 am jetzigen Standort

Das FUN gibt es in seiner jetzigen Form am Standort direkt an der Modersohnbrücke seit 2016. Es wurde vom Bezirk auf einer bezirklichen Fläche im Umfeld der Bahngleise gebaut, die vorher brachlag. Das Bezirksamt entschloss sich, diesen Standort – neben der Jugendfreizeiteinrichtung „Nische“ und einer großen Kindertagesstätte – um ein Familienzentrum zu erweitern. Seine Ursprünge hat das FUN in den 1990er Jahren am Boxhagener Platz. Dort war es in einem Altbau in einem Ladenlokal untergebracht. „Damals war es im Ostteil der Stadt eines der ersten Familienzentren. Der Bedarf im Boxhagener Kiez war riesig, die Räumlichkeiten waren jedoch viel zu klein.“

Das Gebäude wurde gezielt barrierefrei errichtet, so dass es komplett inklusive und für die gesamte Nachbarschaft nutzbar ist. Gerade die Sozial- und Mietrechtsberatung richtet sich an alle, egal ob die Menschen Familie haben oder nicht. „Wir möchten, dass sich alle Menschen aus unserem Sozialraum hier gesehen und willkommen fühlen.“

Die große Geburtstagsfeier zum zehnten Geburtstag wird allerdings erst im nächsten Jahr stattfinden. Grund hierfür ist der Trägerwechsel, der Anfang des Jahres stattgefunden hat. Der vorige Träger musste Insolvenz anmelden, so dass die Einrichtung vom EJF übernommen wurde. „Durch diesen Trägerwechsel gibt es viele Veränderungen, beispielsweise bei der IT, so dass wir uns erst im kommenden Jahr um die Vorbereitung für eine große Geburtstagsparty kümmern können.“

Übersicht der Angebote im Familenzentrum FUN

"Wir merken einen Geburtenrückgang hier im Kiez."

Viele freie Plätze in Babykursen

Sophie Zweiger ist in Corona-Zeiten eingestiegen. „Damals waren die Türen nicht immer für alle offen. Wir mussten die Anzahl der Personen pro Raum nach Quadratmeterzahl begrenzen und Strichlisten führen. Was wir mitgenommen haben, ist, dass einige Angebote sehr gut online oder hybrid laufen. Das sind solche, die sich ausschließlich an Erwachsene richten, etwa Pilates oder Beratungen. Unsere offenen Angebote sind zum Glück alle wieder in Präsenz und das soll auch so sein.“

Veränderungen im Kiez und seiner Bewohner*innenstruktur haben auch Auswirkungen auf die Arbeit des Familienzentrums. „Wir merken den Geburtenrückgang hier im Kiez.“ Viele Kitas kommen ins Familienzentrum, um ihre Flyer dort auszulegen. Auch die Nachfrage nach einigen Kursen nimmt in den letzten anderthalb Jahren teilweise ab. „Vorher hatten wir immer sehr lange Wartelisten und die Familien mussten ein bis anderthalb Jahre warten, bevor sie einen Platz im Angebot bekommen haben.

Jetzt kann man für einige Kurse sofort mit dem Angebot starten.“ Freie Plätze gibt es aktuell zum Beispiel in den Kursen „Yoga mit Baby und Spielzeit“ und „Babymassage“. „Aber wir können uns nicht über fehlende Besucherzahlen beschweren. Unsere offenen Familientreffen sind super beliebt.“ Dann werde hier gespielt, geschwatzt und Kaffee getrunken. Viele der Familien kommen direkt aus dem Kiez rund um den Rudolfplatz, aber auch von der anderen Seite der Bahngleise aus dem Boxhagener Kiez und Umgebung. Gerade die besondere Spielgruppe, die sich an Eltern mit Kindern mit Beeinträchtigung richtet, zieht auch Familien aus anderen Teilen der Stadt an.

Spielzimmer im Familienzentrum FUN

Für das Kinderturnen gibt es lange Wartelisten.

Kinderturn-Angebote sind besonders beliebt

Weiterhin besonders populär sind die vier Kinderturn-Angebote, die das FUN in den Turnhallen der Modersohn-Grundschule und der Grundschule am Traveplatz anbietet. Dafür gibt es weiterhin sehr lange Wartelisten. Diese Kurse sind sehr nachgefragt. Für die beiden Kurse am Freitag ist das FUN jedoch gerade auf der Suche nach einer neuen Kursleitung, da die vorige Trainerin nach den Sommerferien aufhören wird. Wer hier Interesse hat, kann sich jederzeit bei Sophie Zweiger melden.

Ganz neu ist das Angebot „Challa backen – für alle“, das seit kurzem an bestimmten Terminen am Freitag auf dem Programm steht. Es ist auf Initiative einer Mutter aus der Nachbarschaft entstanden. „Wir dachten, da kommen hauptsächlich Familien, aber tatsächlich sind auch ältere Frauen dabei. Das freut uns sehr. Eine Frau hat früher in einem jüdischen Chor gesungen und sich sehr für dieses Angebot interessiert. Es ist toll, wie solche Angebote ganz unterschiedliche Menschen aus dem Kiez zusammenbringen.“

Familienzimmer im Familienzentrum FUN

Eltern erhalten Begleitung und Beratung durch Fachkräfte.

Beim Thema Baby stellen sich immer viele Fragen

In den Kiezen rund um das Familienzentrum leben viele Menschen mit internationalem Hintergrund. Viele sind aufgrund ihres Jobs oder aus anderen Gründen hier. „Sie haben keine familiäre Anbindung und sind hier nicht verwurzelt. Gerade beim Thema Baby stellt das manchmal eine Herausforderung dar. Hier können sie sich vernetzen und stellen fest, dass sie mit den Fragen und Herausforderungen des Familienalltags nicht alleine sind. Sie können hier zusammenkommen und sich austauschen.“ Dabei erhalten sie Begleitung und Beratung sowohl durch Peers aber auch durch die Fachkräfte des Familienzentrums.

„Wichtig für uns ist, dass spezielle Anlässe und Feste immer gefeiert werden“, fasst Sophie Zweiger zusammen. Ende Juni findet das große Sommerfest statt. Auch die regelmäßigen Flohmärkte in der Einrichtung sind immer sehr gut besucht. „Da kann man gut seine Babysachen oder Kinderkleidung loswerden oder etwas Neues finden. Ich treffe da immer wieder Familien aus meiner Anfangszeit, deren Babys jetzt schon in die Schule kommen. So bleibt man den Familien einige Jahre sehr verbunden.“

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Familienzentrum FUN
Modersohnstraße 46
10245 Berlin
Telefon: (030) 291 05 73

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Ebenfalls in Friedrichshain findet sich das Familienzentrum FamoX in der Scharnweberstraße im Travekiez.