Ein Ort für Familien im Kiez: Das Familienzentrum FamoX

Cara Bennett-Rice, Leitung Familienzentrum FamoX

Cara Bennett-Rice leitet seit einigen Monaten das Familienzentrum FamoX.

Mitten im Kiez hat sich das Familienzentrum FamoX zu einem festen Anlaufpunkt für junge Familien entwickelt. Was vor über zwölf Jahren als Initiative des freien Trägers „oXxymoron“ begann, ist heute ein lebendiger Ort für Begegnung, Austausch und Unterstützung im Alltag mit Kindern

Katja Lorenz hat das FamoX mit aufgebaut. Sie ist als Prokuristin beim Träger „oXxymoron“. beschäftigt. Das Familienzentrum wurde am 15. August 2014 eröffnet. Der freie Träger hatte die Einrichtung damals aus eigenen Mitteln aufgebaut und ans Netz genommen. Seit 2017 gibt es eine Teilfinanzierung aus dem Bereich der Familienförderung des Jugendamtes, doch das allein reiche für den Betrieb nicht aus. Es müssten weitere Fördertöpfe akquiriert werden. „Die Eltern brauchten einen Ort, an dem sie sich nachmittags gemeinsam treffen konnten“, erinnert sich Katja Lorenz. Schon damals hat es in den Kiezen vor Ort viele Familien gegeben. Zwei der eigenen Kitas lagen direkt nebenan, inzwischen ist auch die dritte Kita aus der Stralauer Allee in die direkte Nachbarschaft gezogen. Daher bot sich die Eröffnung eines Familienzentrums genau an diesem Ort in der Scharnweberstraße an. „Es hat sich gezeigt, dass das der richtige Riecher war. Jetzt haben wir hier alle Einrichtungen an einem Standort, wovon wir alle profitieren.“ Durch die Zusammenarbeit mit den trägereigenen Kitas gebe es eine ganz besondere Konstellation. Auch die „Willkommen Baby!“-Veranstaltungen des Jugendamtes finden hier regelmäßig statt.

Mutter und Baby

Zielgruppe des FamoX sind Kinder bis sechs und deren Betreuer*innen.

Ab 16 Uhr wird's proppenvoll

Von Montag bis Freitag hat die Einrichtung von 10 bis 18 Uhr geöffnet. „Gerade nachmittags ab 16 Uhr, wenn die Kita-Kinder mit ihren Eltern nach Kita-Schluss in die Einrichtung kommen, ist es hier proppenvoll.“ Etwa 150 Besucher*innen kommen täglich in die Einrichtung. Bei besonderen Veranstaltungen, wie beim Gartenfest oder im Winter sind die Besucherzahlen höher.
Zielgruppe sind Kinder von 0 bis 6 Jahren sowie deren Eltern und Verwandten.

Die Mehrheit der Familien, die die Angebote des FamoX nutzen, kommt aus dem Kiez. Manche verabreden sich gezielt mit anderen Familien, um her zu kommen. Von der gesunkenen Geburtenrate in Friedrichshain merkt das Team bislang noch nichts. „Wir haben noch keinen Einbruch. Vielleicht kommt das später noch.“

Spielendes Kleinkind

"Der Spielraum steht immer zur Verfügung."

Offener Spielraum und Garten als Besonderheiten

Seit einigen Monaten leitet Cara Bennett-Rice die Einrichtung. Vorher war sie im Jugendamt Lichtenberg beschäftigt. Auch in der Schulsozialarbeit und der stationären Jugendarbeit war sie bereits im Einsatz und hat sich dort zur Kinderschutzfachkraft weitergebildet.

Das Team des Familienzentrums besteht aus sechs Personen, inklusive der Leitung. Die Kolleg*innen sind überwiegend Sozialpädagog*innen. Hinzu kommen Sprachmittler*innen, Honorarkräfte und Praktikant*innen sowie externe Kursleitungen. Leiterin Cara Bennett-Rice schwärmt: „Das Team ist wahnsinnig engagiert. Alle haben Lust auf die Arbeit mit Kindern und Familien.“

2017 kam das Familienzentrum in die bezirkliche Förderung. Es erhält regelmäßige Gelder aus dem Bereich Familienförderung des Jugendamtes. Doch das allein reiche für den Betrieb nicht aus. Es müssten weitere Fördertöpfe akquiriert werden.

Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Einrichtung ist der offene Spielraum. Im Familien-Café müssen Gäste nichts konsumieren. „Der Spielraum steht immer zur Verfügung, zum Sprechen, zum Austausch und zum Vernetzen“, erklärt Cara Bennett-Rice. Eine Fachkraft am Tresen oder im offenen Spielbereich ist immer anzutreffen. „Dieser Ort ist genau für den Austausch untereinander da. Und wir sind immer da, wenn ihr uns braucht – das ist eine wichtige Botschaft des Ortes an die Besucher*innen“. Im Sommer wird auch der FamoXeigene Garten gerne genutzt. Eine weitere Besonderheit des FamoX ist der Garten. Dort gibt es einmal in der Woche das Hofprojekt. Es richtet sich vor allem an Kinder über acht Jahren, die allein im gemeinsam genutzten Hof spielen, der im Block zwischen Scharnweber-, Colbe- und Kinizigstraße sowie Frankfurter Alle liegt. Im Winter pausiert dieses Projekt.

Spielendes Kleinkind

Vielfältige Angebote, auch auf englisch und russisch

Die Einrichtung lockt mit einer Mischung aus einem offenen Angebot wie dem Singkreis und buchbaren Kursangeboten, mit externer oder interner Kursleitung. „Unser Singkreis ist sehr gut besucht“, berichtet Cara Bennett-Rice. Auch der Kreativtisch werde von Kindern nachmittags sehr gut angenommen. Andere Kursangebote umfassen Musik für Kleinkinder und Babymassage. Es gibt auch englisch- und russischsprachige Angebote.
Gerade gründet sich im Familienzentrum einen Chor aus Müttern. Für Vier- bis Sechsjährige gibt es den Experimentierkurs „Wieso, weshalb, warum“, in dem die wichtigsten Fragen zu Feuer, Wasser und Elektrizität bearbeitet werden. Einige der Kurse kosten einen Teilnahmebeitrag. Die meisten Angebote sind förderfähig für Familien, die Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket haben. Auch die „Willkommen Baby!“-Veranstaltungen des Jugendamtes finden hier regelmäßig statt.
Eine der Zielgruppen sind Familien mit Fluchterfahrung. Für sie gibt es Beratung, aber auch einen interkulturellen Gesprächskreis. Viele der Familien mit Fluchterfahrung leben in Gemeinschaftsunterkünften in Friedrichshain. „Wir waren vor Ort in den Unterkünften, um die Familie anzubinden. Diese Arbeit solle aufrechterhalten werden, auch wenn eine entsprechende Förderung der Senatsfamilienverwaltung aktuell nicht mehr zur Verfügung stehe. „Da müssen wir kreativ sein, um Gelder zu beantragen.“

Mutter und Baby

Vielen Eltern im Kiez fehlt die familiäre Anbindung.

Familien mit internationaler Erfahrung besser anbinden

In den letzten zwölf Jahren sei es im Kiez internationaler geworden. Es gibt heute weniger soziale Durchmischung. „Die Themen, die Eltern beschäftigen, sind jedoch gleich geblieben.“ Die Räume für Familien im Kiez sind immer weniger geworden.

Wichtig sei es, Familie mit und ohne internationaler Erfahrung, besser anzubinden. Die Vereinzelung sei sehr deutlich zu spüren. Gerade neulich hat Cara Bennett-Rice mit einer jungen Mutter aus Irland gesprochen, die der Liebe wegen nach Berlin kam. „Sie hat im Gespräch deutlich gemacht, wie gut es ihr tut, dass sie hier sein kann und Impulse von anderen Eltern bekommt. Die fehlende familiäre Unterstützung ist eine Herausforderung für Familien, insbesondere mit Babys. Auch die Eltern aus geflüchteten Familien, die in ihren Wohnunterkünften teilweise nicht optimal versorgt werden, erhalten die Unterstützung und treffen hier im FamoX andere Familien.

In die Einrichtung kommen überwiegend Frauen mit Kindern, aber es gibt auch regelmäßig wiederkehrende Väter. Im offenen Spielbereich seien vermehrt Papas mit ihren Kindern zu sehen. Teilweise kommen auch Großeltern mit ihren Kindern. „Manchmal sprechen mich Omas an, die mit ihren Enkelkindern hier sind und sagen, wie schön sie die Einrichtung finden. Das ist eine tolle Rückmeldung für uns und unsere Arbeit.“

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Familienzentrum FamoX
Scharnweberstraße 23
10247 Berlin

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag
10 bis 18 Uhr