Mit Kreativität, Musik und Offenheit: Erzieherin Ashlee Baumann im Kita-Alltag

Erzieherin Ashlee Baumann

Ashlee Baumann ist seit Februar in der KindergärtenCity-Kita in der Lobeckstraße beschäftigt.

Die KindergärtenCity-Kita in der Kreuzberger Lobeckstraße ist ein heller Neubau mit großen Fenstern und freundlich gestalteten Räumen. 2024 wurde der Erweiterungsbau fertig gestellt. Am Tag des Gesprächs mit Erzieherin Ashlee Baumann ist das Gebäude ruhiger und leerer als sonst: Aufgrund des Zuckerfestes haben viele Kinder heute frei. In der Kita wird das Fest in der kommenden Woche gemeinsam am Garten gefeiert.

An diesem Freitagnachmittag sitzt die Erzieherin im Kreativraum im ersten Stock. Von hier aus hat man einen guten Blick in den großen Garten – und darüber hinaus zum Kirchturm der St. Simeon-Kirche. „Wir können von hier aus die Kirchturmuhr sehen und hören. Das ist super für die Kinder, die gerade ein Zeitgefühl entwickeln und so immer wissen, wann wieder eine Stunde vergangen ist.“

Seit Februar dieses Jahres ist die Ashlee Bauman in dieser Kita im Wassertorkiez beschäftigt. Vorher arbeitete sie anderthalb Jahre in der Kindergärten City-Kita in der Cuvrystraße im Wrangelkiez. Während ihrer Ausbildung zur Erzieherin war sie in einer Kita in Friedrichsfelde, unweit des Tierparks, beschäftigt. „Jede Kita hat ihren eigenen Charakter.“

KindergärtenCity-Kita Lobeckstraße

2024 wurde der Erweiterungsbau der Kita eröffnet.

Vom Freiwillige Sozialen Jahr zur Ausbildung als Erzieherin

2020 hat Ashlee Baumann in der Oberstufenzeit die Schule abgebrochen und stattdessen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Einrichtung für beeinträchtigte Erwachsene absolviert, das ihr als Fachabitur anerkannt wurde. „Bei dieser Arbeit habe ich festgestellt, dass mir diese Art der Tätigkeit liegt und Spaß macht.“

Eigentlich hatte sie Sängerin werden wollen und kam zu dem Schluss, dass sich beide Tätigkeiten gut miteinander vereinbaren lassen. Ihre Nichte, die 2019 geboren wurde und für die sie viel als Babysitterin im Einsatz war, sorgte für den finalen Entschluss, eine Ausbildung als Erzieherin zu beginnen. Ihre Motivation sei es, Weltoffenheit und Kreativität an die nächste Generation weiterzugeben. „Ich möchte den Kindern zeigen, dass die Welt bunt ist und sie bei ihrer Identitätsfindung unterstützen.“

Erzieherin Ashlee Baumann

Ursprünglich wollte Erzieherin Ashlee Baumann Sängerin werden.

Die Kita bietet Raum für Kreativität und offene Arbeit

Die Arbeit in der Kita empfindet sie für sich als Erzieherin als deutlich freier als in einer Grundschule, wo es durch den Unterricht und das Zusammenspiel mit Lehrkräften deutlich striktere Rahmenbedingungen für die Arbeit im Hort gebe. „Hier habe ich mehr Raum für Entfaltung und kann wesentlich kreativer sein. Auch die offene Arbeit finde ich super, das passt gut zu mir.“

Die Erzieherin lebt selbst in Kaulsdorf, wo sie auch aufgewachsen ist. Sie hat sich bewusst dazu entschieden, nicht in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes zu arbeiten. „Aber mein Freund ist direkt hier in Kreuzberg aufgewachsen und hat die Waldorfschule besucht. Er wohnt auch immer noch um die Ecke und kennt sich hier bestens aus.“ Auch sie habe Kreuzberg sehr in ihr Herz geschlossen. „Schon wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit an der Warschauer Straße umsteige und das trubelige Leben mit Straßenmusik dort sehe, freue ich mich.“ An der Kita schätzt sie die kulturelle Vielfalt.

Hof der Kita Lobeckstraße

Die Kirchturmuhr vorm Fenster hilft den Kita-Kindern, die gerade ein Zeitgefühl entwickeln.

Warum die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen begeistert

Aktuell arbeitet sie mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren. „Das ist eine tolle Altersgruppe.“ Das liege vor allem daran, dass Ashlee Baumann sich gern mit den Kindern unterhalte, was mit Kleinkindern schwieriger sei. „In der Krippe sind die Gespräche einfach noch limitiert. Hier mit den Größeren ist es schon sehr witzig, was die alles so erzählen.“

Auch kreatives Arbeiten und gemeinsames Singen funktioniere in der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen besser. „Es ist wunderbar, zu sehen, wie Kinder in diesem Alter die Welt entdecken und sie dabei zu unterstützen und begleiten.“ Von Haus habe sie ein großes Interesse an Geschichten: „Ich bin ein neugieriger Mensch und liebe es, den Kindern zuzuhören, wenn sie erzählen. Teilweise sagen sie wirklich geniale Sachen.“ Manche Kracher schreibe sie sich im Notizbuch auf, um sie später ins Sprachlerntagesbuch des jeweiligen Kindes zu übertragen oder den Eltern weiterzugeben.

Ashlee Baumann im Theaterraum der Kita

Der Theaterraum ist ruhiger als andere Bereiche der Kita.

Lernen durch Spielen: Das offene Konzept der Kita

Die Kita arbeitet mit einem offenen Konzept. Die Kinder können grundsätzlich selbst- bzw. mitbestimmen, in welchem Raum sie mit wem sie spielen. Im Haus gibt es beispielsweise einen Bewegungsraum, eine Bibliothek, einen Kunstraum und einen Theaterraum. Aktuell betreuen im Haus fünf Kolleg*innen rund 30 Kinder. Im Nebengebäude sind im Nestbereich die Kinder unter drei Jahren untergebracht.

Ashlee Baumann betreut gemeinsam mit einer Kollegin den Kunst- und den Theaterraum. Im Theaterraum gibt es neben einer Spielküche, Puppen und einem Kaufmannsladen auch eine große Verkleidungskiste sowie eine kleine Bühne. „Der Raum ist ruhiger als viele andere Bereiche in der Kita. Er ist wirklich gemütlich. Dort kann ich die Kinder gut beim Spielen beobachten – für die Entwicklungsgespräche mit den Eltern.“ Beim gemeinsamen Rollenspiel unter den Kindern könnten die Fachkräfte gut sehen, was die Kinder machen und welche Themen sie beschäftigten. Wenn Ashlee Baumann merkt, dass ein Thema die Kinder gerade sehr umtreibt, sucht sie passende Bücher heraus, die sie den Kindern vorlesen kann.

Bücherregal mit Bilderbüchern

Wenn Ashlee Baumann merkt, dass ein Thema die Kinder gerade sehr umtreibt, sucht sie passende Bücher heraus.

Diversität und Offenheit früh vermitteln

„Ich bin ein artistischer Mensch. Ich liebe Musik.“ Regelmäßig bringt sie ihre Ukulele mit in die Kita und musiziert gemeinsam mit den Kindern. Dabei versucht sie immer, die Lieder auf dem Instrument zu lernen, die den Mädchen und Jungen gefallen. Aktuell sind das vor allem die Songs aus dem Film „KPop Demon Hunters“. „Das ist für mich sehr schön, denn ich mag den Film auch unheimlich gern. Es freut mich, dass er den Kindern so gut gefällt. Denn er hat eine passende Botschaft: Musik verbindet.“ Ihre Leidenschaft für die Musik hat die Erzieherin während der Ausbildung wiederentdeckt und sich sowohl die für den Kita-Alltag praktische Ukulele als auch eine Gitarre gekauft. Auch eine E-Gitarre zählt nun zu ihrem persönlichen Instrumentenbestand. „Mein Neujahrsvorsatz für dieses Jahr ist es, auf der E-Gitarre zu üben und so fit zu werden, dass ich sie auch mal mitbringen kann. Das wäre sicher cool für die Kinder.“

Insgesamt ist die Erzieherin ein großer Fan von Büchern. „Bücher sind mein Ding.“ Immer trägt sie Miniaturausgaben von Büchern in ihrer Tasche mit sich herum. „In meiner alten Kita war ich bei den Kindern schon als die mit den kleinen Büchern bekannt. Da hatte ich meinen Ruf weg.“ Hier seien die Kinder bislang nicht so begeistert vom Vorlesen. Ashlee Baumanns aktuelle Bilderbuchfavoriten sind „Mein Schatten ist pink“ und „Florian“. Beide Bilderbücher drehen sich um Diversität. „Das ist für mich persönlich ein wichtiges Thema, da ich viele Freunde aus der queeren Community habe. Daher möchte ich bei den Kindern schon früh Vorurteile abbauen.“ Kinder seien generell neugierig und stellten viele Fragen. Gleichzeitig seien sie generell offen. „Sie möchten die Welt einfach nur verstehen.“

Gruppenraum Kita Lobeckstraße

Ausflüge, Spiele und Dino-Faszination

Auch in Gesprächen arbeitet Ashlee Baumann mit den Kindern aktuelle Themen ab. Eines der Kinder in ihrer vorigen Kita im Wrangelkiez hatte vor der Haustür einen Vorfall mit einer obdachlosen Person beobachtet und den anderen Kindern davon berichtet. „Das hat die Kinder sehr beschäftigt, also haben wir es aufgegriffen und im Morgenkreis darüber gesprochen.“

Im Alltag malt und bastelt die Erzieherin viel mit den Kindern. Auch das Tanzen im Bewegungsraum gefällt ihr gut. Rollenspiele seien nicht so ihr Ding. „Aber wenn die Kinder mich fragen, ob ich mitspiele, mache ich das natürlich auch.“ Gesellschaftsspiele seien ihr jedoch lieber. In ihrer vorigen Kita sei Uno sehr beliebt gewesen.

Ein Dauerbrenner unter den Kindern sind Dinosaurier: „Die sind der absolute Hit hier.“ Daher überlegt Ashlee Baumann gerade, mit den Kindern zusammen einen Ausflug ins Naturkundemuseum in Mitte zu machen. Dort war sie bereits mit ihrer vorigen Kita. „Die Kinder waren damals wirklich beeindruckt von den ausgestellten Skeletten. Wie groß die Dinos waren, können sie ja aus den Bilderbüchern gar nicht so recht abschätzen.“

Kreativraum der Kita Lobeckstraße

Zusammenarbeit mit Eltern als Schlüssel

Ganz wichtig für die Arbeit mit den Kindern sei der regelmäßige Austausch mit den Eltern. Nur gemeinsam könne man herausfinden, was die einzelnen Kinder brauchen und wie die Erzieher*innen sie unterstützen und fördern können. Ein wichtiges Instrument hierfür sind die jährlichen Entwicklungsgespräche, die die Kita den Eltern anbietet. „Da schauen wir gemeinsam, wo das Kind steht und wie wir ihm in der Entwicklung helfen können. Dafür ist es wichtig, dass die Eltern berichten, wie es sich zu Hause verhält, denn wir sehen ja immer nur einen bestimmten Ausschnitt des Tages.“ Auch über den Tagesablauf zu Hause und Rituale in den Familien spricht die Erzieherin mit den Eltern.

Der einzige Wermutstropfen an ihrem Job? „Dass ich ständig krank bin“, antwortet Ashlee Baumann. „Mein Immunsystem ist komplett runter. Das ist so schade, weil ich total motiviert bin.“ In der Kita sei es nicht einfach, sich vor den Viren anderer zu schützen. „Wenn dir ein Kind ins Gesicht hustet oder niest, musst du dich trotzdem weiter kümmern.“ Wenn sie sich krankmelde, habe sie ein schlechtes Gewissen den Kolleg*innen gegenüber. Wenn sie kränkelnd zur Arbeit komme, aber auch. Ihre Mutter ist ebenfalls Erzieherin. „Die hat ein Immunsystem aus Stahl. Darauf bin ich sehr neidisch und hoffe, dass ich das auch noch kriege.“

Über Kindergärten City

Kindergärten City ist einer von fünf kommunalen Eigenbetrieben des Landes Berlin. Er wurde im Januar 2006 gegründet und übernahm die Kindertagesstätten, die bis dahin in bezirklicher Trägerschaft waren. Täglich kümmern sich rund 1.500 Erzieher*innen um mehr als 7.000 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren. Die 57 Kitas liegen in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte.