Die Temple-Grandin-Schule ist Berliner Klimaschule 2025

Olivier Haustrate, Silke Maronde, Lilly Langott

Die Friedrichshainer Temple-Grandin-Schule wurde als Berliner Klimaschule 2025 ausgezeichnet. Jedes Jahr ehrt das Land Berlin gemeinsam mit der GASAG AG individuelle Schüler*innen und Lehrer*innen sowie ganze Schulen für besondere Aktivitäten, Ideen und Konzepte, die sich mit Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel befassen.

Die Temple-Grandin-Schule in der Lasdehner Straße ist eine inklusive Gemeinschaftsschule und Auftragsschule für Autismus. In drei unterschiedlichen Zweigen werden hier Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum, mit Lernentwicklungsstörungen und Schüler*innen ohne Beeinträchtigungen unterrichtet. Für die Auszeichnung als Berliner Klimaschule hat sich die Gemeinschaftsschule mit drei unterschiedlichen Projekten beworben und ist für das Gesamtkonzept ausgezeichnet worden – für die vielfältige, kreative und zielgruppengerechte Art, mit der an der Schule Themen rund um den Klimawandel vermittelt werden. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung – besonders, da wir hier mit besonderen Herausforderungen in der Vermittlung konfrontiert sind. Autismus ist eine neurologische Wahrnehmungsstörung, unsere Schüler*innen nehmen Themen wie Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit also oft ganz anders wahr. Zu unseren Herausforderungen zählt demnach auch, überhaupt erst einen Zugang zu und ein Bewusstsein für diese Themen zu schaffen“, betont Silke Maronde, eine der beteiligten Lehrerinnen.

Toys from Trash

Beliebte Upcycling-AG

Seit 2019 gibt es an der Schule eine Upcycling-Arbeitsgemeinschaft (AG), geleitet von Olivier Haustrate. Im ersten Jahr hatte er acht Teilnehmende, mittlerweile sind es 64 Kinder, die er auf acht Gruppen in der Schulwoche verteilt. Eine Projektphase beginnt meist damit, dass die Schüler*innen über einen bestimmten Zeitraum ihren eigenen Müll sammeln und mitbringen sollen. In der AG sichtet Olivier Haustrate gemeinsam mit den Kindern das Mitgebrachte, klärt über Mülltrennung auf und zeigt, welche Dinge tatsächlich weggeschmissen werden müssen und welche hingegen weiterverarbeitet werden können. Auf diese Weise bekommen die Schüler*innen einerseits ein Gefühl für die Dimensionen der Abfallproduktion, andererseits wird so ihr Bewusstsein für Recycling und Upcycling geschärft: „Nicht alles muss man neu kaufen, vieles kann man aus Müll oder Verpackungsresten selbst basteln“, erklärt Olivier Haustrate. Eines der für die Auszeichnung als Berliner Klimaschule eingereichten Projekte „Toys from Trash“ verdeutlicht genau das: Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Silke Maronde haben die Kinder aus Müll ihre eigenen Spielzeugautos gebaut – das ist nicht nur günstiger, sondern auch deutlich nachhaltiger als neues Plastikspielzeug.

Iglus

Sensibilisierung für Klimawandel und Erderwärmung

Das zweite ausgezeichnete Projekt widmet sich dem Thema „Klimakrise am Beispiel von Schnee und Eis“. Aus Pappe und Pappmaché bastelte Olivier Haustrate mit Schüler*innen Schneelandschaften und Iglus. „Mir ist wichtig, dass wir keine herkömmliche Bastel-AG sind, sondern eine Upcycling-AG,“ betont er. „Sogar Kleber kann man selbst machen – aus Mehl und Wasser.“ Während der Bauphase der Iglus kamen die Teilnehmenden über die Hintergründe ins Gespräch und wurden so für Themen rund um Klimawandel und Erderwärmung sensibilisiert, gleichzeitig schulten sie ihre Kreativität und Feinmotorik. Die Upcycling-AG ist für Olivier Haustrate ein wichtiger praktischer Ansatz zur Umsetzung der Bildungsziele für nachhaltige Entwicklung, die zwar im Lehrplan stehen, im Unterrichtsalltag allerdings oft zu kurz kämen.

Vermüllung der Meere

Praktische Arbeit mit den Händen

Das bestätigt auch Lehrerin Lilly Lingott, die sich für die Umsetzung eines Upcycling-Projekts in ihrer Klasse ebenfalls Unterstützung von Olivier Haustrate geholt hat. Gemeinsam mit ihren Schüler*innen widmete sie sich dem Thema „Vermüllung der Meere“. Aus Plastikmüll haben die Jugendlichen verschiedene Fische gebastelt. Besonders wichtig seien dabei klare Vorgaben und Regeln, an denen sich die Schüler*innen beim Basteln orientieren können. Mit ihrem neuen Wissen und Bewusstsein hat die Klasse zum Projektabschluss gemeinsam plastik- und verpackungsfreie Weihnachtsgeschenke erstellt: Kerzen aus Bienenwachs. Lilly Lingott betreut neun Jugendliche zwischen 14 und 17 mit Autismus, teilweise auch sprachentwicklungsverzögert. „Abstrakte Konzepte und theoretischer Input funktionieren bei uns nicht so gut. Deshalb ist Basteln super, man arbeitet mit den Händen und kann sich den Themen auf andere Weise nähern.“

Mehr Infos zur Upcycling-AG von Olivier Haustrate, Beispiele und Anleitungen für Upcycling mit Kindern finden sich hier.

Berlins wichtigste Schulauszeichnung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit wird jedes Jahr vom Land Berlin mit der GASAG AG vergeben. Die nächste Bewerbungsphase startet voraussichtlich im Sommer 2026. Mehr Infos gibt es hier.

Temple-Grandin-Schule
Lasdehner Straße 19
10243 Berlin
Website: https://www.temple-grandin-schule.de/
E-Mail: sekretariat@temple-grandin.schule.berlin.de
Telefon: (030) 293474 231