Auch außerhalb des regulären Unterrichts zeigt sich die gelebte Mehrsprachigkeit. In Mintfächern, wie z. B. Biologie und Chemie werden Fachbegriffe aus den Naturwissenschaften in verschiedenen Sprachen dargestellt, und in der Schulbibliothek gibt es mittlerweile eine kleine, stetig wachsende internationale Abteilung. Veranstaltungen wie Lesenachmittage, zu denen auch Eltern eingeladen werden, Comic-Workshops oder Theaterprojekte finden häufig in mehreren Sprachen statt und spiegeln die kulturelle Vielfalt der Schule wider. Für die Schulgemeinschaft ist das Gütesiegel daher kein Abschluss, sondern vielmehr eine Bestätigung, diesen Weg konsequent weiterzugehen – als Schule, in der Sprachen Brücken bauen.
Waren es vor etwa zehn Jahren vorwiegend die Sprachen Türkisch und Englisch, die den Schulalltag begleiteten, hat sich die Sprachvielfalt enorm entwickelt. Heute feiert die Schule regelmäßig einen Tag der Sprachen, an dem die Schüler*innen unter Einbezug unterschiedlicher Jahrgänge sich spielerisch Fremdsprachen wie Englisch, Französisch, Italienisch und oder auch Latein nähern können. Doch auch Sprachen wie Japanisch, Georgisch oder Portugiesisch spielen im Klassengeschehen eine wichtige Rolle. „Allein eine Abfrage in einer 9. Klasse hat ergeben, dass die Schüler*innen gemeinsam über ein Sprachvermögen von über 20 unterschiedlichen Sprachen verfügen. Mit diesem Wissen wollen wir das Beste machen – wir wollen es allen Beteiligten zugänglich machen“, berichtet Leiterin Sylke Roschke, die mit ihrem Team bereits seit 2012 das Gymnasium auf Erfolgskurs gebracht hat.
Am Hermann-Hesse-Gymnasium ist es inzwischen selbstverständlich, dass die Kinder und Jugendlichen sprachlich tief in sich hineinhorchen, um zu erspüren, welche Sprache ihre einzelnen Körperteile „sprechen“ – Body-Language im Detail. Bei dieser Übung entstehen farbige Zeichnungen, die sichtbar machen, in welchen Sprachen die Schüler*innen – auch mit nur leichten Kenntnissen – vertraut sind und wo sie diese im Körper verorten. So kann es geschehen, dass sich die Beine „spanisch“ anfühlen, während Kopf und Bauch „kurdisch“ oder „türkisch“ klingen, der Oberkörper jedoch überwiegend „deutsch“. Ein anderes Kind spürt in sich vor allem „deutsch“, „englisch“ und „französisch“ – neben einem Hauch „bayerisch“. Diese »Körpersprachen« sind so individuell wie die tägliche Begegnung der Schüler*innen mit ihren vielfältigen Sprachen.