Wo Nachbarschaft Wurzeln schlägt: Der Bürgergarten Laskerwiese

Dr. Thomas Zimmermann im Bürgergarten Laskerwiese

Dr. Thomas Zimmermann ist Teil des Vereinsvorstands.

Zwischen neuen gläsernen Bürogebäuden, unweit der Stadtbahntrasse und dem Bahnhof Ostkreuz liegt ein Stück Grün, das die Nachbarschaft seit rund 20 Jahren selbst gestaltet: der Bürgergarten Laskerwiese. Auf 2.600 Quadratmetern wird gegärtnert, gebaut, gefeiert und gemeinsam überlegt, wie sich der Kiez ökologischer gestalten lässt. Rund 70 Vereinsmitglieder kümmern sich um eigene Parzellen und Gemeinschaftsflächen – und entwickeln immer wieder neue Ideen für ihren Garten und das Umfeld.

Beet im Bürgergarten Laskerwiese

Der Bürgergarten ist rund um die Uhr zugänglich.

38 Parzellen und eine Gemeinschaftsfläche

Die meisten Vereinsmitglieder kommen aus der Nachbarschaft. Zwei Drittel der Vereinsmitglieder leben selbst in den umliegenden Kiezen. Der Rest wohnt größtenteils auch in Friedrichshain oder in der Lichtenberger Victoriastadt. Die Mitglieder sind in der Regel zwischen 30 und Ende 60 und stehen mitten im Berufsleben. Es gibt eine Warteliste, um Vereinsmitglied zu werden und eine eigene kleine Parzelle zum Gärtnern zu bekommen. Jedoch müsse man in der Regel nicht lange auf ein eigenes Beet warten.

Zusätzlich zu den 38 Parzellen für die Vereinsmitglieder gibt es eine Gemeinschaftsfläche, die zusammen bewirtschaftet und gestaltet wird. Der Bürgergarten ist rund um die Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Beet im Bürgergarten Laskerwiese

Zwei Drittel der Vereinsmitglieder leben in den umliegenden Kiezen.

Einen Beitrag für den Kiez leisten

Dr. Thomas Zimmermann ist seit fünf Jahren Teil des dreiköpfigen Vorstands. Er wohnt nur einen Block weiter. Seit 2000 lebt er in Friedrichshain, seit 2014 wohnt er im Laskerkiez. Der Friedrichshainer hat Stadtplanung und Regionalplanung studiert und lange in Klimaanpassungsprojekten geforscht. Seine Motivation für das Engagement im Bürgergarten: „Hier kann ich tatsächlich vor Ort etwas umsetzen und dabei einen Beitrag für meinen Kiez leisten.“ Hauptberuflich arbeitet er bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin und Brandenburg in Potsdam. Seine Vorstandstätigkeit profitiert von seiner beruflichen Erfahrung im Projektmanagement und Moderation.

Fest im Bürgergarten Laskerwiese

Gute Zusammenarbeit mit dem benachbarten Jugendclub E-Lok.

Innovative Idee für einen Nachbarschaftsgarten

Bevor diese Gegend bebaut wurde, war sie Sumpfland unweit der Spree. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Boden dann für die Bebauung aufgeschüttet. Die damals entstandenen Gründerzeitbauten wurden im zweiten Weltkrieg zerstört. Danach sei das Gelände jahrzehntelang eine Brache gewesen.

Vor 20 Jahren kam die damalige Leiterin der benachbarten Jugendfreizeiteinrichtung E-Lok zusammen mit dem damaligen Baustadtrat Franz Schulz auf die Idee, hier ein Nachbarschaftsgartenprojekt umzusetzen. „Das war damals ein sehr innovatives Konzept.“ Die Zusammenarbeit mit dem Jugendclub laufe weiterhin sehr gut und nachbarschaftlich.

Ausgleichmittel für den Bau eines benachbarten Supermarkts sicherten die Umsetzung. Hinzukamen unter anderem Mittel aus der damaligen EU-Förderkulisse in dieser Friedrichshainer Gegend.

Beet im Bürgergarten Laskerwiese

Die Vereinsmitglieder schaffen Habitate.

Ökologische Bewirtschaftung

Der Verein pflegt und bewirtschaftet die öffentliche Grünfläche. Dafür muss er keine Pacht ans Bezirksamt zahlen, in dessen Eigentum das Areal ist. Auch Veranstaltungen finden im Bürgergarten statt. Beispielsweise treten im Juni im Bürgergarten im Rahmen der Fête de la Musique Künstler*innen vor allem aus der Nachbarschaft auf.

Der Bürgergarten wird ökologisch bewirtschaftet. „Das ist der Charme hier. Es ist nicht so aufgeräumt wie zum Beispiel auf dem Rudolfplatz.“

Dementsprechend gibt es im Garten auch Fledermäuse, viele Schmetterlinge und weitere Insekten. Die Vereinsmitglieder schaffen auch Habitate für Wildbienen. Rund um den Kompost finden sich immer wieder Hirschkäfer und deren Larven. Eines der Vereinsmitglieder ist Pflanzenretterin: Sie sammelt auf Friedhöfen Pflanzen aus den Bio-Abfällen, denen sie im Bürgergarten ein zweites Leben verleiht.

Bürgergarten Laskerwiese Ecke Bödikerstraße

800 Quadratmeter Straßenland sollen noch in diesem Jahr entsiegelt werden.

Entsiegelung der Bödikerstraße

Für das Bewässern der Pflanzen nutzt der Verein vor allem Wasser aus einer Zisterne, das auf dem Dach des benachbarten Supermarkts anfällt. Dies reicht bei lang anhaltender Trockenheit nicht aus, so dass eine zukünftige Aufgabe darin besteht, vermehrt auf trockenresistente Pflanzenarten umstellen.

„Wir vergrößern uns tatsächlich“, freut sich Thomas Zimmermann. „Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass die anliegende Bödikerstraße entsiegelt wird. Nun haben wir es fast geschafft, noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beginnen. Damit werden 800 Quadratmeter Bürgersteig und Straße entsiegelt.“ Dem Straßen- und Grünflächenamt hat der Verein ausgearbeitete Vorschläge zur Gestaltung der entsiegelten Flächen vorgetragen. „Wir setzen uns dort für Wildblumenflächen ein, die durch Benjeshecken vom Straßenland abgegrenzt werden.“

Teich im Bürgergarten Laskerwiese

Den Teich hat der Verein gerade neu gebaut.

Gemeinsamer Teichbau

In diesem Jahr hat der Verein ein besonderes Projekt umgesetzt, die Einrichtung des neuen Teiches. Der vorige Teich war über 15 Jahre alt und die Folie undicht. „Über ein Jahr haben wir überlegt, geplant, abgestimmt und die Fläche vorbereitet, um das Biotop wiederherzustellen.“ Über das Amt für Umwelt und Naturschutz bekam der Bürgergarten rund 18.000 Euro finanzielle Unterstützung aus einem Fördertopf der Senatsumweltverwaltung für Kleinstgewässer. Das Geld wurde für die Baumaterialien zum Teichbau eingesetzt. Weitere 18.000 haben die Vereinsmitglieder vor allem bei Stiftungen eingeworben.

Mit diesen Geldern konnte die Lebendige Stadtgärtnerei für die Planung und Durchführung der Teichbauarbeiten beauftragt werden. „Die Hilfsarbeiten haben wir an drei Tagen unter Anleitung selbst gemacht.“ Schnell wird der neue Teich als Lebensraum angenommen. Nur fünf Tage später tummeln sich an der Wasseroberfläche schon Libellen. Solche Projekte gehen Ideen der Vereinsmitglieder zurück. „Wenn jemand Lust auf die Umsetzung eines Projekts hat, ist er darin relativ frei.“

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