Gartenarbeitsschule: Zwischen Bienenstöcken, Schafen und Apfelbäumen

Gartenarbeitsschule_Weber_Herda

Sylvia Weber und Carolin Herda betreuen die Gartenarbeitsschule.

Schüler*innen lernen in Berlin nicht nur in den Klassenzimmern, sondern auch an so genannten außerschulischen Lernorten. Dazu gehören neben den Verkehrsschulen auch die weniger bekannten Gartenarbeitsschulen. Ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, sollten sie Kindern und Jugendlichen nicht nur das Gärtnern lehren, sondern ihnen auch frische Luft, Bewegung und einen direkten Kontakt zur Natur ermöglichen. Heute sind die 15 Gartenarbeitsschulen der Stadt Orte der Umweltbildung. Die Angebote sind angepasst an den Rahmenlehrplan der Berliner Schulen.

Gartenarbeitsschule

Die Gartenarbeitsschule teilt sich das Gelände mit der August-Sander-Schule.

Rund ein Hektar Fläche

Die Friedrichshain-Kreuzberger Gartenarbeitsschule befindet sich im Laskerkiez zwischen Persius- und Corinthstraße. Sie teilt sich das rund einen Hektar große Gelände mit der August-Sander-Schule, einer Berufsschule für Jugendliche ab 16 Jahren, die dort ihren Schulabschluss mit einem großen Anteil an fachpraktischen Unterricht in verschiedenen Lehrgängen erwerben. Die Schüler der IBA-Klassen und Willkommensklassen pflegen, bearbeiten und bepflanzen die vielfältigen Gärten auf dem Standort unter Anleitung der Fachpraxilehrer*innen.

Sylvia Weber ist bis zum Ende des Schuljahres pädagogische Leiterin der Schule. Seit 2003 ist sie Lehrerin an der August-Sander-Schule, an der Gartenarbeitsschule ist sie seit 2012 tätig. Ihre Kollegin Carolin Herda betreut die jahreszeitlichen Projekte und ist Ansprechpartnerin für Lehrkräfte sowie Erzieher*innen. Sie ist seit dem Abschluss ihres Referendariats 2020 an der Gartenarbeitsschule tätig.

Drei Lehrer*innen der August-Sander-Schule sind derzeit mit begrenzten Stundenkontingenten an die Gartenarbeitsschule abgeordnet. „Das sind leider viel zu wenig Stunden, um die Aufgaben hier adäquat zu stemmen.“ Aktuell wird das Team von zwei jungen Menschen unterstützt, die gerade ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) leisten. Die FÖJler*innen seien immer eine sehr große Unterstützung. „Es macht wahnsinnig Spaß mit den jungen Erwachsenen zu arbeiten.“ Drei Gärtnerinnen und ein Schulhausmeister unterstütze bei der Pflege der Anlagen.

Gartenarbeitsschule, Schafe und Ziegen

Die Kinder lernen praktisch zwischen Pflanzen und Tieren.

600 bis 800 Kinder kommen monatlich

Monatlich kommen zwischen 600 und 800 Kinder in die Gartenarbeitsschule. Die Angebote richten sich an Kinder ab vier Jahren. „Kita-Kinder kann man immer begeistern. Für die Kinder geht es hier um das selbst machen und etwas erleben und begreifen.“

Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Grundschulkindern. Die Workshops orientieren sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. „Wir achten auf nachhaltige Materialien, recyceln viel, sparen Wasser und befassen uns mit gesunder Ernährung.“

Auf dem Gelände gibt es Apfel- und Birnenbäume. Im Herbst ernten Carolin Herda und Sylvia Weber gemeinsam mit den Kindergruppen die reifen Früchte. Die Äpfel werden dann beispielsweise zu Apfelmus verarbeitet. So lernen die Kinder praktisch, wie aus dem Obst am Baum ein anderes Lebensmittel entsteht.

Neben dem Schulgebäude grasen die beiden Schafe Cordula und Beppo sowie die Ziegen Bella und Baby. „Da haben die Schüler*innen im Unterricht immer was zu gucken, wenn sie aus dem Fenster schauen.“ Am kleinen Teich leben zwei Mandarinenten und eine Rotwangen-Schmuckschildkröte. „Manchmal sitzt ein flirtender Erpel oben auf dem Dach über dem Teich und möchte zu den Entendamen“, erzählt Carolin Herda. Auf dem Gelände leben außerdem drei Kaninchen in Ställen und zahlreiche Sittiche in der Voliere.

Gartenarbeitsschule, Schubkarre

Kitagruppen und Klassen aus der Umgebung kommen regelmäßig in die Gartenarbeitsschule.

Imkern und Gärtnern

Im hinteren Teil des Geländes sind die Bienenstöcke untergebracht. Für die Besuchsgruppen wurde eine Holzlaube die alte Bienenhütte im Jahr 2020 mit einem kleinen Klassenraum erweitert gebaut, von der aus die Kinder das Treiben an den Bienenstöcken mit sicherem Abstand und einer großen Glasscheibe als Trennwand beobachten können. Für furchtlose Kinder gibt es sogar Imkeroutfits in kleinen Größen, die die Imkerin austeilt. Damit können die Grundschüler*innen bei ihren Besuchen unter Anleitung selbst aktiv werden.

Regelmäßig kommen Kindergruppen aus der Kita in der Gryphiusstraße, aus dem Kinderladen „Klein im Hain“, von der Modersohn-Grundschule, der Thalia-Grundschule in Stralau, von der Emanuel-Lasker-Schule, aber auch aus Kreuzberg und Alt-Treptow als „Dauergäste“ zu ihren Beeten im Freiland.

Gartenarbeitsschule

Insektenfressende Pflanzen sind bei Kindern der Hit

Im Schulgebäude wird gekocht, gebacken und gebastelt. Nebenan im Gewächshaus wird mit den Pflanzen gearbeitet. „Das ist für die Kinder eine tolle Erfahrung. Viele kennen das aus ihrem Alltag gar nicht.“ Neben Blumen, Kräutern und Gemüsepflanzen gibt es im Gewächshaus auch insektenfressende Pflanzen, die die Kinder immer sehr beeindrucken. „Da werden selbst die wildesten Kinder ruhig und gucken gespannt.“ Auf dem weitläufigen Gelände mit vielen unterschiedlichen Pflanzen können die Kinder Beete pflegen oder bei Rallyes mehr über die Natur herausfinden.

Auch einigen berlinweiten Veranstaltungen beteiligt sich die Gartenarbeitsschule, etwa am Langen Tag der Stadtnatur im Frühjahr oder an der Familiennacht im Oktober.

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Gartenarbeitsschule Friedrichshain-Kreuzberg
Persiusstraße 9
10245 Berlin
E-Mail: buchung@gartenarbeitsschule-fk.de
Telefon: 0162-5949327, Sprechzeiten dienstags und donnerstags 8 bis 13 Uhr