Mitbestimmung leben: Vorstellung des Betriebsrats der tjfbg

Betriebsrat

Katrin, Lina, Ruth und Stefan

Mitbestimmung ist eine der großen Errungenschaften der modernen Arbeitswelt. Seit über 100 Jahren sorgen Betriebsräte dafür, dass Beschäftigte nicht nur Objekt unternehmerischer Entscheidungen sind, sondern ihre Arbeitsbedingungen aktiv mitgestalten können. Betriebs- und Personalräte stehen dabei im Zentrum dieser demokratischen Kultur am Arbeitsplatz: Sie vertreten die Interessen der Mitarbeitenden, fördern faire Arbeitsbedingungen und tragen dazu bei, dass Arbeit nicht nur effizient, sondern auch gerecht und menschengerecht gestaltet wird. Dabei werden Betriebs- und Personalräte in Friedrichshain-Kreuzberg auch von der bezirklichen Beauftragten für Gute Arbeit, Romana Wittmer, unterstützt.

Die turnusmäßigen Betriebsratswahlen in diesem Frühjahr nehmen wir zum Anlass, um im Bezirksticker einige Betriebs- und Personalräte vorzustellen. Den Auftakt macht der Betriebsrat der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH, die ihren Sitz in Friedrichshain hat. Der Träger für Jugend- und Bildungsarbeit besteht seit 1991. Über die Jahre ist der Betrieb immer weiter gewachsen. Das Personal arbeitet an rund 170 Einrichtungen in Berlin, Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen – vor allem an Schulen, darunter auch ein Internat, aber auch in Jugendfreizeiteinrichtungen. Zu den über 1.800 Beschäftigten gehören Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Schulhelfer*innen, Inklusionsassistent*innen, Köch*innen sowie Verwaltungsmitarbeiter*innen. Die Geschäftsstelle des Trägers hat ihren Sitz auf der Halbinsel Stralau. Der Betriebsrat ist in Johannisthal in einer Jugendfreizeiteinrichtung untergebracht.

Arbeitsplatz

Symbolbild

Engagiert für über 1.800 Beschäftigte

Der Betriebsrat trifft sich wöchentlich zu einer großen Sitzung, in der jedes Mal einige Beschlüsse gefasst und aktuelle Themen aus der Belegschaft diskutiert werden. Mit der Geschäftsführung trifft sich der Betriebsrat monatlich zum Austausch. „Dorthin nehmen wir auch Fragen mit, die uns von den Kolleg*innen erreichen und informieren diese im Anschluss über die Inhalte der Sitzung.“
Der Vorsitzende des Betriebsrats, Stefan, kam 2017 als Erzieher an einer Grundschule zum Träger. Seit 2023 ist er im Betriebsrat. Aktuell ist er für seine Tätigkeit voll freigestellt. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Katrin kommt aus dem Bereich Schulsozialarbeit. Beim tjfbg arbeitet sie seit 2019. Kerstin ist seit 2009 beim Träger beschäftigt. Seit der Gründung des Betriebsrates 2017 ist sie dabei. Die Integrationserzieherin ist freigestellte Betriebsrätin und gleichzeitig auch Schwerbehindertenbeauftragte. Ruth ist seit 2021 beim Träger und seit 2022 im Betriebsrat. Sie kommt aus der Schulsozialarbeit. Lina ist seit vier Jahren Schulsozialarbeiterin in Neukölln. Im Betriebsrat ist sie seit 2024 und teilfreigestellt.
Der Vorsitz wechselt innerhalb des Betriebsrates alle sechs Monate. „Das haben wir so gelöst, um die Verantwortung auf mehreren Schultern zu verteilen“, erklärt Katrin.

Arbeitsplatz

Symbolbild

Kommunikation trotz räumlicher Distanz

Kerstin war bereits von Anfang an Betriebsratsgremium dabei. Ausschlaggebend für die damalige Gründung war das schnelle Wachstum des Trägers. Die Schwerbehindertenbeauftragte und Betriebsrätin war damals selbst an einer Schule, an der es viele Unsicherheiten im Team gab. „Es kamen damals innerhalb kurzer Zeit viele neue Schulen hinzu. Ansprechpersonen wechselten regelmäßig. Das sorgte für eine gewisse Unruhe.“ Den Initiator*innen war wichtig, ihren Kolleg*innen mit dem Betriebsrat als Unterstützung zur Seite zu stellen, an die sie sich mit Fragen wenden können. „Es war einfach an der Zeit, sich dafür einzusetzen und einen Betriebsrat ins Leben zu rufen.“ Allein von ihrer damaligen Schule kamen damals drei Kolleg*innen zum Betriebsrat.

Der Großteil der Mitarbeiter*innen ist in Berlin beschäftigt, über die gesamte Stadt verteilt. Das sei eine gewisse Herausforderung für die Arbeit des Betriebsrates. Eine Frage für das Team ist: Wie erreichen wir alle, wenn die Kolleg*innen so verstreut arbeiten? „Wir sind die Interessensvertretung der gesamten Belegschaft und wollen alle unsere Kolleg*innen unterstützen.“
Dafür hat der Betriebsrat einen Monatsbericht eingeführt, der per E-Mail an alle Kolleg*innen verschickt wird. Darin informiert das Team zu aktuellen Entwicklungen und arbeitsrelevanten Themen. „Dazu bekommen wir viel positives Feedback.“. Auch führt der Betriebsrat mittlerweile regelmäßig Online-Umfragen durch, um Feedback und neue Impulse für die Arbeit von den Kolleg*innen zu bekommen. Diese werden gut angenommen. Zuletzt hat knapp die Hälfte der Belegschaft teilgenommen.

Gruppe vor einer Tafel

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"Betriebsrat on tour"

Nach den Sommerferien hat das Team zudem das Format „Betriebsrat on Tour“ gestartet. Im Zuge dessen klappert das Team die einzelnen Standorte des Trägers ab und stellt sich dort vor. „Dafür gehen wir in den einzelnen Einrichtungen in die Dienstberatungen.“ Das werde sehr gut angenommen. Gleichzeitig seien sie aufgrund der Vielzahl der Standorte hiermit auch sehr beschäftigt. Ergänzend dazu gibt es vier Betriebsversammlungen pro Jahr. Auch diese würden immer besser angenommen. Hinzu kommen Bereichsversammlungen für die einzelnen Berufsgruppen, in denen berufs- und aufgabenspezifische Fragestellungen erörtert werden können.
Für die Kolleg*innen ist das Team im Büro telefonisch erreichbar. Das werde sehr gut angenommen. „Immer wieder melden sich Kolleg*innen mit aktuellen Fragestellungen bei uns“, berichtet Ruth. Zwar könnte der Betriebsrat keine Rechtsberatung geben, doch durch viele Fortbildungen zum Thema Arbeitsrecht seien sie in diesem Feld recht gut informiert. „Da können wir in der Regel sehr gut beraten.“ Die Kolleg*innen melden sich mit Fragen zu Urlaubsansprüchen, Betriebsvereinbarungen und anderen internen Regelungen.

Einige Betriebsvereinbarungen hat die Interessensvertretung bereits erarbeitet, etwa zu Dienstplänen, Krankmeldung und zur Nutzung von mobilen Endgeräten. Aktuell arbeitet das Team an der Erstellung von Vereinbarungen zu den Arbeitsbedingungen von Dualstudierenden und zum Hinweisgeberschutzgesetz.

Ein Thema, das der Betriebsrat aktuell bearbeitet, ist die Regelung zu den so genannten KO-Tagen (Krankentage ohne Krankenschein). „Hier wollen wir eine transparente betriebsinterne Regelung schaffen, die für alle gut funktioniert, weil es hierzu sehr viele Anfragen gab“, erzählt Katrin.

Arbeitsplatz

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Begleitung von Mitarbeitendengesprächen

Regelmäßig begleiten die Betriebsrät*innen Mitarbeiter*innengespräche. Dazu gehören sowohl Jahres- als auch Stufenaufstiegsgespräche, aber auch anlassbezogene Gesprächstermine. „In Konfliktgesprächen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter*in sind wir eine Unterstützung, die gleichzeitig in Arbeitsrecht geschult ist. Das hilft schon gut weiter“, erklärt Katrin. Die Begleitung der Mitarbeitendengespräche habe sich inzwischen so gut herumgesprochen, dass sie hierzu jede Woche im Einsatz sind. Auch hier sei die weite Verteilung des Personals über das gesamte Berliner Stadtgebiet eine Herausforderung, da die BR-Mitglieder häufig lange Anfahrten zu den Personalgesprächen haben.

Ein großes Thema bei den Beschäftigten sei die psychische Gesundheit. Auch Auch führt der Betriebsrat mittlerweile regelmäßig Online-Umfragen durch, um Feedback und neue Impulse für die Arbeit von den Kolleg*innen zu bekommen. Diese werden gut angenommen. Zuletzt hat knapp die Hälfte der Belegschaft teilgenommen.

Für die Wahlen in diesem Jahr hofft das Team auf eine rege Beteiligung.