Begegnungsstätte (BGS) Falcke: Wo Kreuzbergs Generationen zusammenkommen

Stefan Block leitet gemeinsam mit zwei Mitarbeitenden die Begegnungsstätte (BGS) Falcke in Kreuzberg

Stefan Block leitet gemeinsam mit zwei Mitarbeitenden die Begegnungsstätte (BGS) Falcke in Kreuzberg

Wenn der internationale Tag der älteren Menschen am 1. Oktober den wertvollen Beitrag würdigt, den ältere Menschen für die Gesellschaft leisten, feiert auch die Begegnungsstätte (BGS) Falcke – wenn auch ein ungerades – Jubiläum: „Am 2. Oktober 1988 wurde unser Haus als Begegnungsstätte für ältere Menschen hier in der Kreuzberger Falckensteinstraße eingeweiht“, erzählt der* Leiter der Einrichtung, Stefan Block.*

Die BGS Falcke ist eine von drei kommunalen Begegnungsstätten in bezirklicher Trägerschaft, die seit vielen Jahren wichtige Arbeit in den jeweiligen Kiezen leisten. Sie ist ein Ort des Austauschs und der Aktivitäten – insbesondere für die Generation 60+.

Die BGS Falcke verfügt über einen kleinen Garten mit sonniger Terasse

Die BGS Falcke verfügt über einen kleinen Garten mit sonniger Terasse

Monatlich etwa 2.000 Besucher*innen

Stefan Block ist seit 20 Jahren für die BGS Falcke tätig: „Es wurde am 14.Dezember 2000 das erste Computercafés Berlins im Bethanien am Mariannenplatz gestartet, offiziell eingeweiht wurde es am 1. Februar 2001. Das ist im Jahr 2002 hierher in die Falckensteinstraße umgezogen. Bevor ich dann in 2016 die Leitung übernommen habe, habe ich zehn Jahre lang Computerunterricht für Senior*innen angeboten.“ Auch heute gibt es einmal wöchentlich eine Computer- und Handysprechstunde.

Gemeinsam mit zwei festangestellten Mitarbeitenden, Kerstin Glatzel und Thomas Wehner, sowie aktuell vier ehrenamtlich Mitarbeitenden hält Stefan Block mit seinem Team das Programm in der Begegnungsstätte lebendig und für die Besucher*innen attraktiv. „Monatlich besuchen uns etwa 2.000 Menschen, auch am Wochenende“, rechnet er vor. So standen die denkmalgeschützten Räumlichkeiten den Nachbar*innen bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus und der Bezirksverordnetenversammlung als Wahllokal zur Verfügung.

Noch bevor am Montag mit einem Meditationskreis der normale Betrieb wieder starten konnte, musste der große Saal vom Wahlbüro zurück in eine Begegnungsstätte umgebaut werden. „Für größere handwerkliche Aktionen unterstützen andere Mitarbeiter des Bezirksamtes oder Fachfirmen. Im Vorfeld der Wahl haben wir einige Möbelstücke herausgeräumt, die für unseren Normalbetrieb natürlich wieder hineingestellt werden müssen. Das machen wir selbst.“

Im Werkraum treffen sich die Töpfergruppen und Freund*innen der Malerei

Im Werkraum treffen sich die Töpfergruppen und Freund*innen der Malerei

Mehrere Chöre proben in der BGS Falcke

Der Meditationskurs startet pünktlich. Stefan Block wird ans Telefon gerufen – zuvor hatte es hartnäckig und laut durch das Haus geklingelt. „Donnerstags?“, fragt er und blättert in seinem Tischkalender. „Da haben wir die Trommelgruppe und zwei weitere Gruppen, die sich bei uns treffen. Tut mir leid, da sind wir voll!“ Auch wenn die Zahl der älteren Menschen im Bezirk immer weiter abnimmt, ist die BGS sehr beliebt und gut besucht.

Neben einer geräumigen Küche, in der Kochkurse stattfinden können, treffen sich unter der Woche mehrere Chöre im großen Saal. Außerdem kommen dort internationale Gesprächs- und Spielegruppen aus Uruguay, der Türkei und Äthiopien zusammen. „Der größte Chor mit rund 60 Mitgliedern ist der Deutsch-Griechische Chor.“ Besonders interessant sei aber auch die Gruppe aus Uruguay: Nachbar*innen im Seniorenalter „verabreden sich bei Wind und Wetter hier zum gemeinsamen Grillen“.

Stefan Block: „Im Werkraum haben wir einen Brennofen für unsere Töpfergruppen, die wunderschöne Dinge herstellen.“ Außerdem treffen sich hier Freund*innen der Malerei. Darauf weisen einige bunte Werke hin, die im Raum auf das nächste Treffen warten.

Am zweiten Samstag des Monats: Homeless Veggie Dinner

Regelmäßig, jeweils am zweiten Samstag des Monats, findet in der BGS Falcke das große „Homeless Veggie Dinner statt. „Alle können kommen – egal, ob sie obdachlos sind oder eine Wohnung haben. Unabhängig von ihrer jeweiligen Lebenssituation können sie hier bei uns ein leckeres, veganes Abendessen kostenfrei genießen.“

Normalerweise gibt es zum Essen Klaviermusik – im Oktober gibt es obendrein einen musikalischen Leckerbissen zur Dinner-Veranstaltung: „Dieses Mal besucht uns eine 35-köpfige niederländische Fanfaren-Gruppe, die für unsere Gäste ein Konzert zum Essen gibt.“ Es wird ein weiterer besonderer Abend in der Falckensteinstraße.

So interessant wie die einzelnen Besucher*innen der Einrichtung ist auch das denkmalgeschützte Gebäude. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 (IBA 87) hat* der portugiesische Architekt Álvaro Siza Vieira* hier seine internationale Karriere gegründet. „Regelmäßig besuchen uns Architekturstudentinnen und -studenten, die sich seine Bauten ansehen und davon lernen wollen.“ Álvaro Siza Vieira hat in direkter Nähe zur Seniorenfreizeitstätte, an der Ecke Falckensteinstraße/Schlesische Straße, ebenfalls das Eckwohnhaus „Bonjour Tristesse geplant und gebaut – ebenso wie eine Kindertagesstätte am Fanny-Hensel-Weg in der nordwestlichsten Ecke Kreuzbergs.

Des einen Freud, des anderen Leid: „Was das Haus betrifft, sind wir hier streng an die Bestimmungen des Denkmalschutzes gebunden.“ So sieht es der Denkmalschutz vor, das gesamte Haus an den Außenwänden weiß zu halten. „Das ist schwierig in Kreuzberg“, sagt Stefan Block. „Ehe man sich versieht, sind Graffiti an der Wand.“ Da helfe auch kein Überstreichen.

Die Vorschulkinder einer benachbarten Kita helfen bei der Gartenarbeit

Die Vorschulkinder einer benachbarten Kita helfen bei der Gartenarbeit

Projekt "Generationsgarten" mit benachbarter Kita

Als Stefan Block vor 20 Jahren hier anfing, sei der Garten noch eine Wüstenlandschaft gewesen. „Heute wächst uns hier das Grün über den Kopf.“ Die kleine Oase im Kreuzberger Kiez wird regelmäßig im Rahmen des Projekts „Generationsgarten“ von einer der Kitagruppe einer benachbarten kommunalen Kindertagesstätte bepflanzt. „Hier pflegen wir eine sehr schöne generationsübergreifende Zusammenarbeit mit der Kita aus der Schlesischen Straße.“

Jedes Jahr gärtnern die Vorschulkinder in der Einrichtung und begeistern mit kleineren Theateraufführungen und Gesangseinlagen. „Kurz bevor die Kinder dann tatsächlich eingeschult werden, bedanken und verschieden wir uns bei ihnen mit kleinen Geschenken und Schultüten.“ Eine sehr schöne Tradition, von der alle Beteiligten etwas haben.

Stefan Block auf dem Dachgarten der Einrichtung

Stefan Block auf dem Dachgarten der Einrichtung

Besucher*innen lieben Kunst, Musik und Tanz

Stefan Block verrät noch ein offenes Geheimnis über seine Besucher*innen:

„Unsere Seniorinnen und Senioren haben alle etwas gemeinsam.“ Unabhängig davon, aus welchem Land sie kommen, „lieben sie die Kunst und sind ganz tanzverrückt. Sie bewegen sich gern!“

Deshalb plant er jedes Jahr mindestens vier Foto- und Kunst-Ausstellungen, ein großes Grillfest mit Tanz für alle, den Tanz in den Mai und eine Faschingsparty am Faschingsdienstag von langer Hand.

Stefan Block:„Wir achten darauf, die Musiker so früh wie möglich zu buchen. Unsere Gäste sind dann alle da, wenn es losgeht!“

Weitere Informationen

BGS Falcke
Falckensteinstraße 6
10997 Berlin
Telefon: (030) 69534051
E-Mail: begegnungsstaetten@ba-fk.berlin.de

Hier treffen sich die Generationen in #Xhain

Elise Desnavres leitet seit September 2024 die BGS Gitschiner Straße

Lebendige Nachbarschaft in der BGS (Begegnungsstätte) Gitschiner Straße

Zwischen Landwehrkanal und der Hochbahn findet sich etwas hinter einem Parkplatz versteckt die BGS (Begegnungsstätte) Gitschiner Straße. Seit Ende der 1970er Jahre wird hier die Nachbarschaft gepflegt und gefeiert. Seit Oktober 2024 leitet die Sozialarbeiterin Elise Desnavres (41) das Haus. Weitere Informationen

Frau Skejic vor der Begegnungsstätte Lebensfreude

Begegnungsstätte Lebensfreude

Josipa Skejic ist gelernte Krankenpflegehelferin und Krankenschwester. Seit 20 Jahren ist sie im öffentlichen Dienst tätig. Seit 2012 im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als Leiterin der Begegnungsstätte Lebensfreude, die früher Seniorenfreizeitstätte hieß. Weitere Informationen

Gundel Riebe

Für die Älteren und ihren Kiez: Gundel Riebe mischt sich weiter ein

Seit Jahrzehnten engagiert sich Gundel Riebe in Friedrichshain. Als Seniorenvertreterin setzt sie sich für bezahlbares Wohnen, Wohnungstausch und bessere Gehwege ein. Trotz ihres Ruhestands kandidiert die 75-Jährige erneut, um den Anliegen älterer Menschen eine starke Stimme zu geben. Weitere Informationen