Lebendige Nachbarschaft in der BGS (Begegnungsstätte) Gitschiner Straße

Elise Desnavres leitet seit September 2024 die BGS Gitschiner Straße

Elise Desnavres leitet seit September 2024 die BGS Gitschiner Straße

Zwischen Landwehrkanal und der Hochbahn findet sich etwas hinter einem Parkplatz versteckt die BGS (Begegnungsstätte) Gitschiner Straße. Seitdem Ende der 1970er Jahre hier die Neubausiedlung Böcklerpark gebaut wurde, wird hier die Nachbarschaft gepflegt und gefeiert. Seit Oktober 2024 leitet die Sozialarbeiterin Elise Desnavres (41) das Haus. Gemeinsam mit Christine Kursawa und dem ehemaligen Veranstaltungstechniker Rainer Herzberg sowie sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen bereichert das Team täglich das Leben der zahlreichen Besucher*innen der kommunalen Einrichtung.

Elise Desnavres: „Wir haben in den letzten Monaten bereits viel verändert, sodass wir die Räume noch besser nutzen können.“ Im Eingangsbereich laden jetzt bequeme Sitzmöbel und ein Sofa zum Verweilen ein. „Früher waren hier Kleiderhaken an der Wand, jetzt nehmen unsere Gäste dort gern Platz. Ich habe auch schon mal gesehen, dass ein Besucher seinen Mittagsschlaf auf dem Sofa gemacht macht. So hatten wir uns das gedacht!“

Im großen Gruppenraum steht eine für 20 Personen eingedeckte Tafel mit Blick auf den schönen Rosengarten vor den Panoramafenstern. Die Leiterin erklärt, dass später hier „Das Fest der Kulturen“ stattfinden wird. Im nächsten Augenblick betritt eine ältere Dame, mit großen runden Augen den Raum und stellt sich vor: „Hallo, ich bin Eva, ich organisiere ehrenamtlich heute das Fest der Kulturen.“

Eva (80) freut sich auf ihre Gäste zum "Fest der Kulturen" das sie regelmäßig in der BGS-Gitschiner Straße organisiert

Eva (80) freut sich auf ihre Gäste zum "Fest der Kulturen" das sie regelmäßig in der BGS-Gitschiner Straße organisiert

Eva (80) ist ehrenamtliche Organisatorin

Eva ist im Januar 80 Jahre alt geworden. Seitdem sie in Deutschland lebt, lebt sie in Kreuzberg: „Ich bin als Griechin in siebenter Generation in Istanbul geboren. Mitte der 70er Jahre kam ich nach Berlin.“ Hier wohnte sie zunächst in der Oranienstraße, dann in der Böcklerstraße und jetzt lebt sie im gleichen Block wie die BGS.

„Als ich damals hier ankam, stand in meinem Pass der Vermerk, dass mir ein Umzug nach Wedding und Neukölln nicht gestattet ist. Damals gab es hier Banden, vielleicht hatten sie Angst vor mir.“ Inzwischen hat sie seit 2012 einen deutschen Pass, doch sei das mit der Identifikation nicht immer so einfach: „Als Türkin mit griechischen Wurzeln und einem deutschen Pass fühle ich mich immer irgendwie wie zwischen den Welten. Ich denke, ich bin Berlinerin, Kreuzbergerin.“

Als solche lädt sie zum „Fest der Kulturen ein“. Und wenn Eva einlädt, strömen sie zuhauf in die Gitschiner Straße, denn oft spielt auch eine Band bei diesem Fest. „Inzwischen kennen wir uns so lange, mitunter über 40 Jahre.“ Diese Zeit, die griechische Musik und die regelmäßigen Treffen verbinden, auch über die Bezirksgrenzen hinweg. So hat es sich herumgesprochen, dass man mit Eva gemeinsam einen schönen Nachmittag verbringen kann. „Wir Griechen mögen die Musik, und wir mögen die Menschen. Das sind immer sehr schöne Treffen.“

Neu im Angebot: Soziale Sprechstunden

„Ich wollte nur kurz nach dem Rechten sehen, bevor es später losgeht.“ Mit der Jacke in der Hand sprudelt die nächste Idee aus ihr heraus: „Ich möchte, dass wir hier ein Frühstück organisieren. Das wird nichts kosten, da jeder etwas mitbringt. Jeder bringt das mit, was er am liebsten mag. Dann haben wir viele leckere Sachen auf dem Tisch.“

Die Leiterin der Begegnungsstätte ist begeistert: „Das ist eine tolle Idee, das besprechen wir noch genauer.“ Sie selbst kam vor etwa 20 Jahren aus Südfrankreich nach Berlin: „Ich habe damals Jura studiert und kam über einen Student*innenaustausch-Programm für ein Jahr nach Berlin. Es gefiel mir so gut, dass ich blieb.“ Das Jura-Studium konnte sie hier nicht fortführen, also sattelte sie beruflich um und studierte Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule.

„In den letzten 20 Jahren habe ich in unterschiedlichen Beratungseinrichtungen als Sozialarbeiterin gearbeitet. So habe ich sehr gute Erfahrungen in der Beratung und Betreuung schutzbedürftiger Geflüchteter machen können, ich war im Einsatz an der damals besetzten Kreuzberger Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße und arbeitete in der Wohnungslosenhilfe. Damals habe ich hier im Kiez gewohnt. Ganz in der Nähe, im Urban-Krankenhaus habe ich meine Kinder zur Welt gebracht.“

Deshalb und weil sie gern beruflich mehr selbst gestalten und organisieren wollte, freute sie sich, als ihr der Bezirk die Leitung dieser Begegnungsstätte anvertraute: „Ich bringe gern Menschen zusammen und hier im Bezirk gibt es so viele davon, mit spannenden Lebensläufen. In Kreuzberg engagiert man sich, das ist Lebensfreude pur.“

Neu, und das unterscheidet die BGS GItschiner Straße von anderen kommunalen Begegnungsstätten, ist, dass hier jeden Freitag Soziale Sprechstunden angeboten werden.“ Dieses Angebot ist eine Besonderheit, weil wir hier den Menschen mit unserer professionellen allgemeinen sozialen Beratung aktive Unterstützung bei Anträgen und im Umgang mit Behörden und Verwaltung anbieten können.“ Elise Desnavres kennt sich als ausgebildete Sozialarbeiterin in allen Bereichen sehr gut aus. „Wir vergeben Termine für die Beratung, damit wir die Zeit gut nutzen können.“

Tägliche Unterstützung beim Gartenwässern gesucht

Nach den ersten Wochen der Einarbeitung und des Sortierens ist sie Feuer und Flamme: „Wir haben hier starke Partner*innen an unserer Seite. Auf der anderen Straßenseite das Quartiersmanagement Wassertorplatz und den Verein Anemone e.V., der jeden Freitag bei uns die Garten-AG veranstaltet.“
Die Garten-AG in Kooperation mit Anemone e.V. trifft sich jeden Freitag, ab 11 Uhr im Garten der Begegnungsstätte. „Das ein sehr schönes Projekt für unsere Besucher*innen und für unseren Garten. Die gemeinsame Gartenarbeit verbindet die Teilnehmer*innen.“

Hinter dem Haus wachsen und gedeihen Grünpflanzen und einige große Rosenstöcke. „So schön sie sind, wir kommen kaum mit dem Gießen und Wässern hinterher. Für den Sommer, wenn zwei Mal am Tag gewässert werden muss, würden wir uns freuen, wenn sich jemand aus der Nachbarschaft findet, zum regelmäßigen Gießen. Wir haben einen Schlauch, damit geht’s ganz gut.“

Elise Desnavres: „Bei uns sind alle Menschen sehr willkommen, die an ihrer Nachbarschaft interessiert sind. Wir bieten viele Aktivitäten und freuen uns über jede Unterstützung.“

BGS Gitschiner Straße, Gitschiner Straße 38, 10969 Berlin, Telefon (030) 5058 5450