Das erste autonome Frauenhaus entstand 1976 als radikale Antwort feministischer Gruppen auf die systematische Gewalt gegen Frauen. Vom Roten Kreuz wurden den Aktivistinnen eine alte Villa in Grunewald vermittelt. „Wir haben ganz bewusst darauf geachtet, nicht in irgendeinem Hinterzimmer zu verschwinden“, berichtet Barbara, die – sozialisiert und politisiert im Klima der 68er-Bewegung – das Frauenhaus mitinitiiert und viele Jahre dort gearbeitet hat. „Partnerschaftsgewalt ist kein privates Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches – ‚das Private ist politisch‘. Wir wollten, dass der Staat Verantwortung übernimmt.“
Die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus verfolgten den Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Bewohnerinnen sollten dazu in die Lage versetzt werden, wieder selbst aktiv zu werden und über ihr Leben zu bestimmen. Das Frauenhaus folgte dem Prinzip der Selbstverwaltung, die Bewohnerinnen erledigten alle anfallenden Aufgaben selbst, vom Einkaufen und Kochen bis hin zu nächtlichen Telefonbereitschaftsdiensten für neue Schutzsuchende. Phasenweise lebten ca. 100 Frauen und Kinder auf engstem Raum zusammen. „Das schweißt zusammen. Wir sind aus der Not heraus eine Gruppe geworden“, berichtet Anneliese, ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses und Mitinitiatorin des digitalen Archivs. „Die geteilte Gewalterfahrung verbindet – auch nach der Zeit im Frauenhaus. Wir halten seitdem zusammen und unterstützen uns gegenseitig, egal was kommt.“