Suppe, Mucke und kreative Selbstverwirklichung: Wie ein Straßenfest seit 15 Jahren Friedrichshain verändert

Olaf Schenckenberg und Uwe Wasserthal bringen mit dem Verein Suppe & Mucke die Menschen im Kiez bei einem Teller Suppe einander näher

Olaf Schenckenberg und Uwe Wasserthal bringen mit dem Verein Suppe & Mucke die Menschen im Kiez bei einem Teller Suppe einander näher

Wer hätte gedacht, dass eine gute Suppe und ein bisschen Live-Musik den Kiez verändern können? 2009 hatten ein paar schlaue Köpfe in Friedrichshain genau diese Idee – und gründeten kurzerhand den Verein Suppe & Mucke. Ihr Ziel: Ein Straßenfest, das mehr kann als nur den Magen füllen und die Ohren verwöhnen. Uwe Wasserthal war von Anfang an dabei: „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Nachbar*innen, Künstler*innen, Initiativen und politisch Engagierte zusammenkommen, diskutieren, feiern und gemeinsam die Vielfalt ihres Bezirks sichtbar machen.“

Heute, über 15 Jahre später, ist aus dieser kleinen Idee eine Bewegung geworden – und jetzt gibt es einen Preis dafür: Suppe & Mucke e.V. ist Preisträger des Silvio-Meier-Preises 2025!

Werner Heck, Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung (Mitte) und Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (re) gratulieren mit Sonnenblumen dem Gewinnerteam des Vereins "Suppe & Mucke"

Suppe & Mucke e.V. ist Preisträger des Silvio-Meier-Preises 2025!

Uwe Wasserthal, einer der Gründer von Suppe & Mucke, sagt: „Wir sind längst mehr als ein Fest. Wir setzen uns mit unseren Mitmachenden aktiv gegen Ausgrenzung und den steigenden Rechtsdruck ein und bieten bei einem kostenlosen Suppenessen ein Forum für aktuelle Debatten.“ Der Verein zeigt, dass Menschen, nicht zuletzt durch das Ehrenamt, auf ihr Umfeld einwirken und sie ihre Vorstellungen von einem lebenswerten Kiez gemeinschaftlich umsetzen können.

Der Veranstaltungsort des Straßenfestes wechselt regelmäßig zwischen Nord- und Süd-Friedrichshain. Geld verdienen wollen die Macher*innen dabei nicht: „Wir haben keine kommerziellen Absichten. Die Suppen bringen die einzelnen Institutionen, Vereine und Nachbarschaften mit, die sie an ihren Ständen auf dem Fest – neben guten Gesprächen – kostenfrei an die Besucher*innen ausgeben.“

Für alle Freund*innen des guten Geschmacks bietet der Veranstalter einen Download mit den Rezepten der angebotenen Suppen zum Nachkochen an. Zum Beispiel das Rezept einer Linsensuppe mit Spinatblättern, vorgekocht und vorgestellt von BOX 66, dem Beratungszentrum für Frauen und ihre Familien in Friedrichshain. Oder ein Tipp aus der Küche des RAW-Geländes, das auf einem der Feste eine Rote Linsensuppe mit viel Koriander und Knoblauch servierte.

Olaf Schenckenberg, Geschäftsführer von Zirkus Zack, berichtet: „Seit Jahren begleite ich die Straßenfeste als Moderator des Bühnenprogramms und Unterstützer des Vereins. In den Umbaupausen stellen wir Kiez-Gesichter vor, die etwas zu sagen haben. Bei uns kommen sie zu Wort und wir stellen die richtigen Fragen.“

Mittlerweile bietet das Fest immer größere politische Gesprächsrunden und Workshops zu aktuellen Themen an. So werden lokalpolitische Themen auf sehr niedrigschwellige Weise den Anwohner*innen und Interessierten nähergebracht.

„Dazu zählt auch unser Engagement in Sachen A100 – die Autobahn, die hier im Kiez eigentlich niemand will. Wir sehen großes Potenzial in den Vorhalteflächen der Stadtautobahn, um die angespannte Situation im ohnehin dicht besiedelten Ostkreuz-Kiez sozial verträglicher zu gestalten. Dafür setzen wir uns ein!“

Egal, wo der Schuh drückt – bei einem Teller Suppe und einem guten Gespräch beginnt meist die Suche nach einer Schnittstelle, nach einer Lösung mit den Ansprechpartner*innen. „Jede kiezbildende Maßnahme unterstützen wir.“

Die Gründer*innen, die damals mit Suppenkelle und Lautsprecher loszogen, haben bewiesen: Mit Herz, Engagement und einer Prise Kreativität lässt sich selbst in einer Großstadt wie Berlin ein Stück Gemeinschaft kochen. „Ein Mitmachprogramm für Kinder, Jugendliche und Familien!“

Jenny Goldberg, Stadtteilbüro Friedrichshain, spricht die Laudatio für die Preisträger*innen des Vereins "Suppe & Mucke"

Jenny Goldberg, Stadtteilbüro Friedrichshain, spricht die Laudatio für die Preisträger*innen des Vereins "Suppe & Mucke"

„Unsere Botschaft ist: Du bist nicht allein hier im Kiez!

Uwe Wasserthal: „Mit unserer Idee, ein Fest zu organisieren, auf dem die unterschiedlichen Akteur*innen mit den Anwohner*innen ins Gespräch kommen können, haben wir im Laufe der Jahre ein riesiges Netzwerk aufbauen können.“ Das wirkt von Friedrichshain sogar bis nach Bologna in Italien und Lille in Frankreich hinein. Mit diesen beiden Städten besteht eine enge Zusammenarbeit. „Wir unterstützen uns auf den jeweiligen Festen“, so Uwe Wasserthal.

Wenn es wieder „Suppe & Mucke“ heißt, setzt sich eine einzigartige Helferdynamik in Gang: „Wir selbst sind etwa 20 Mitwirkende im Organisations-Team“, sagt Olaf Schenckenberg:“ Für die Umsetzung des gesamten Festes kommen noch einmal etwa 100 Freiwillige dazu, ohne die eine Veranstaltung wie „Suppe & Mucke“ gar nicht möglich wäre. Hier sind alle, die Lust haben, uns für die gute Sache zu unterstützen, herzlich willkommen!“ Bei der Vielfalt der Aufgaben – vom Standaufbau bis zur Unterstützung der Security – findet sich für alle Freiwilligen ein passendes Einsatzgebiet.

„Unsere Botschaft ist: Du bist nicht allein hier im Kiez! Wir passen aufeinander auf. Bei uns gibt es Politik und Politiker*innen zum Anfassen – kommt vorbei, zum Reden.“ Doch wie lange das noch möglich ist, steht in den Sternen: Auch der Verein Suppe & Mucke, der sein Büro im ehemaligen Beamtenwohnhaus auf dem RAW-Gelände betreibt, hat mit einer Mieterhöhung von rund 50 Prozent zu kämpfen und leidet unter den stark gestiegenen Betriebskosten. Dennoch ist das kein Grund aufzugeben – das zeigt auch die Anerkennung, die mit dem Silvio-Meier-Preis einhergeht.

Uwe Wasserthal: „Uns ehrt es sehr, dass wir für unser Schaffen jetzt den Silvio-Meier-Preis erhalten. Und es bestätigt uns, dass unsere Bemühungen für mehr Nachbarschaftstoleranz und für den Aufbau eines neuen Verständnisses richtig sind und auch gesehen werden. Nach all den Jahren freuen wir uns sehr darüber. So, wie wir uns freuen würden, wenn sich neue Leute finden würden, die diese Idee mit uns gemeinsam fortführen wollen.“ So könnte es noch viele Jahre mit dem lebendigen Engagement für die Nachbarschaft und für das Miteinander im Kiez weitergehen!

Wer jetzt Spaß daran hat, den Verein Suppe & Mucke zu unterstützen, schreibt eine Mail an: info@suppeundmucke.de