Smarte Thermostate – Friedrichshain-Kreuzberg fördert den Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit

Zoe Naomi Hoffmann, Klimaschutzmanagerin in der OE Klima und Internationales, zeigt ein smartes Themostat vor dem Gebäude in der Ohlauer Straße

Zoe Naomi Hoffmann, Klimaschutzmanagerin in der OE Klima und Internationales, zeigt ein smartes Thermostat vor dem Gebäude in der Ohlauer Straße

In kaum einem anderen Bereich wird so deutlich, wie eng Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit miteinander verknüpft sind, wie beim Heizen unserer Wohnungen. Private Haushalte gehören im Bereich Wohnen zu den größten Verursachern von CO₂-Emissionen – und gleichzeitig leiden – die gering verdienenden – Mieter*innen besonders stark unter steigenden Energiekosten. Smarte Thermostate versprechen hier eine doppelte Entlastung: Sie helfen, Energie effizienter zu nutzen entlasten das Haushaltsbudget – ganz im Sinne der sozialen Wärmewende. Intelligente Technologie wird so zum wichtigen Hebel für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft.

Mit dem Pilotprojekt „Smarte Thermostate“ geht der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE neue Wege in Richtung mieterfreundlicher Energiewende. Am Kreuzberger Standort Campus Ohlauer Straße werden 120 Wohneinheiten mit intelligenten Heizkörperthermostaten ausgestattet, um den praktischen Nutzen digitaler Steuerung im Alltag zu erproben. Ziel ist es, zu zeigen, wie bereits minimale Eingriffe – also Umrüstungen ohne großen baulichen Aufwand – messbare Energie- und Kosteneinsparungen ermöglichen.

Effizientes Heizen

Zentraler Bestandteil des Projekts sind begleitende kostenfreie Workshops der Verbraucherzentrale Berlin, die sich gezielt an die Bewohner*innen der betreffenden Wohnanlage richten. Ziel ist es, die Nutzenden allgemein für das Thema Heizen zu sensibilisieren, sowie mögliche Vorbehalte und Fragen bezüglich der Technologie abzubauen und praktische Tipps für den effizienten Einsatz der smarten Thermostate zu vermitteln. Energieberater Günter Merkel bringt als erfahrener Experte praxisnahe Empfehlungen ein und zeigt auf, wie sich durch einfache Verhaltensänderungen und den bewussten Einsatz der Technik spürbare Energie- und Kosteneinsparungen erzielen lassen – und gleichzeitig den Wohnkomfort erhöhen können.

Mit Smarten Thermostaten können Mieter*innen ihre Wunschtemperatur einstellen. Die Thermostate regeln dann mit Hilfe genauer Sensoren möglichst effizient auf die eingestellte Temperatur. Wenn die Temperatur erreicht wurde, wird nicht mehr weiter geheizt. So werden Verschwendungen verhindert. Zudem können Heizprofile eingestellt werden, damit kann man festlegen, wann und wie geheizt werden soll. So kann man zum Beispiel einstellen, dass von 9 Uhr bis 17 Uhr nicht geheizt wird, da man zu der Zeit nicht zu Hause ist.

Mieterfreundliche Lösung

Die smarten Thermostate, die in dieser Wohnanlage verbaut werden, wurden speziell für die Wohnungswirtschaft entwickelt und erfüllen dabei zugleich die gesetzliche Verpflichtung zum hydraulischen Abgleich von Heizungsanlagen in Gebäuden mit mehr als sechs Wohneinheiten. Der hydraulische Abgleich sorgt für eine gleichmäßige Versorgung aller Heizkörper mit Heizwasser, indem er den Durchfluss an jedem Heizkörper optimal reguliert. Denn häufig fließt ohne diesen Abgleich in der Nähe des Heizkessels zu viel heißes Wasser, während weiter entfernte Räume oder Etagen unterversorgt bleiben. Das hat zur Folge, dass manche Zimmer überhitzt sind, andere kalt bleiben, Heizenergie verschwendet wird und es in den Leitungen zu störenden Strömungsgeräuschen wie Gluckern oder Rauschen kommt. Das Projekt baut auf den positiven Erfahrungen des Bezirks mit der Heizkreisregelung „ovoTherm“ auf, die bereits erfolgreich in 69 bezirklichen Liegenschaften installiert wurde. Die dort verwendete Technologie „ovoTherm“ passt auch hier die Heizleistung präzise an den tatsächlichen Nutzungsbedarf an und hat gezeigt, dass smarte Steuerung auch ohne großen baulichen Aufwand erhebliche CO₂- und Kosteneffekte erzeugt. Aufbauend auf diesen positiven Erfahrungen wollen wir als Bezirk nun auch Mieter*innen beim smarten Einsparen unterstützen.

Smarte Thermostate übernehmen hierbei die automatische Durchflussregelung und sammeln kontinuierlich Daten zur Heizleistung, so dass sie den hydraulischen Abgleich digital und effizient unterstützen können. Mit Hilfe des hydraulischen Abgleichs können weitere Einsparungen erzielt werden.

Smarte Thermostate bieten eine kostengünstige, mieterfreundliche und nachhaltige Lösung für spürbare Energieeinsparungen und gleichzeitiger Erhöhung der Wohnkomforts.

Richtig Heizen mit smarten Thermostaten

Ein richtiges Heizen mit smarten Thermostaten bedeutet nicht nur, die Technik optimal einzusetzen, sondern auch bewusst mit ihr umzugehen.

Die Verbraucherzentrale gibt dazu konkrete Tipps:

  • In allen Räumen, in denen Heizkörper genutzt werden, sollten die Thermostate auf die gleiche Einstellung gestellt werden, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu gewährleisten.
  • Räume, die dauerhaft höher temperiert sind, sollten geschlossen bleiben, um unnötigen Wärmeverlust zu vermeiden. Zudem ist es wichtig, Heizkörper nicht durch Möbel oder Vorhänge zu verdecken, damit das Thermostat die Wärme richtig messen und regulieren kann.
  • Nachts empfiehlt es sich, die Raumtemperatur abzusenken – schon eine Absenkung um einen Grad spart etwa sechs Prozent Energie, Kosten und CO₂-Emissionen ein.
  • Neben der richtigen Einstellung spielt auch das Lüften eine entscheidende Rolle: Regelmäßiges Lüften reduziert die Schimmelgefahr und sorgt für frische Luft. Während des Lüftens sollten die Thermostate heruntergedreht werden, um Energieverschwendung zu vermeiden, und nach dem Schließen der Fenster die Temperatur wieder neu eingestellt werden. Je nach Hersteller haben die Thermostate sogar eine Fenster-auf-Erkennungsfunktion und regeln dann automatisch runter.

Die optimale Temperatur für Wohnräume liegt in der Regel zwischen 19 und 21 Grad Celsius, da sich die meisten Menschen in diesem Bereich am wohlsten fühlen und gleichzeitig Energie effizient genutzt wird.

Um den Bewohner*innen der Wohnanlage ein besseres Verständnis für ihre Raumtemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit zu vermitteln, erhalten sie im Workshop eine spezielle Temperaturkarte. Diese Karte stellt die gemessenen Werte farblich dar, sodass anhand der unterschiedlichen Farben sofort sichtbar wird, ob die Temperatur und Feuchtigkeit im optimalen Bereich liegen oder ob etwaige Anpassungen beim Heizen und Lüften notwendig sind. So wird ein bewusster Umgang mit dem Raumklima gefördert, der sowohl den Wohnkomfort erhöht als auch hilft, Energie und Kosten zu sparen.

Smartes Thermostat mit Bildanzeige

Smartes Thermostat mit Bildanzeige

Tipp

Tipp: Die Verbraucherzentrale Berlin bietet Mieter*innen, privaten Haus- oder Wohnungseigentümer*innen, privaten Vermieter*innen sowie Bauherr*innen eine kostenlose Energieberatung an. Die Beratungsthemen sind so vielfältig wie die Bedürfnisse der Ratsuchenden:

  • Energie sparen im Haushalt
  • Ursachen hoher Strom- und Heizkosten
  • Einsatz regenerativer Energien
  • Heizungs- und Regelungstechnik
  • Wärmedämmung
  • Fördermittel