SDG 2 – Kein Hunger: „Küche für alle“ im Familienzentrum Menschenskinder

Blumensalat SDG 2

Im Bezirksticker zeigen wir inspirierende Projekte aus Friedrichshain-Kreuzberg, die ganz konkret zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (#SDGs) der UN beitragen. Denn: Global denken – lokal handeln beginnt genau hier bei uns im Kiez.“

Im Familienzentrum Menschenskinder am Strausberger Platz wird Nachhaltigkeit nicht nur diskutiert, sondern gelebt. Gemeinsam mit dem LebensMittelPunkt MenschenskinderGarten, der direkt hinter dem Familienzentrum liegt, entsteht ein Ort, an dem gesunde Ernährung, soziale Teilhabe und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen.

Einmal im Monat trifft sich hier eine Gruppe Freiwilliger zur „Küche für alle“ (KüfA) – einem offenen Kochangebot für Familien aus dem Kiez. Das Ziel: Gutes, gesundes Essen für alle zugänglich machen. „Gesunde Ernährung für alle ist uns wichtig“, sagt Martina Peter, Leiterin des Familienzentrums.

Das Familienzentrum ist ein Ort für Familien mit Kindern, oft noch vor dem Kita-Eintritt. Hier geht es nicht nur um Beratung und frühkindliche Bildung, sondern auch um niedrigschwellige Begegnungen im Alltag. Die KüfA ergänzt dieses Angebot mit einem ganz praktischen Zugang zu gesunder Ernährung. Kinder spielen, Eltern kommen miteinander ins Gespräch, Nachbar*innen begegnen sich auf Augenhöhe. Die Atmosphäre ist offen, freundlich und einladend. Ehrenamtlich, nachhaltig, gemeinschaftlich.

Bild mit 3 Frauen, Helferinnen im LMP Menschenskinder

Freiwillige Helferinnen Sophie, Alessia und Ewa im Garten

Die KüfA ist eine Kooperation mit dem LebensMittelPunkt (LMP) KulturNetz. Getragen wird das Angebot von einem kleinen Team freiwilliger Helfer*innen. Sie übernehmen Einkauf, Planung, Koordination – und natürlich auch das Kochen. Die Motivation ist vielfältig, aber ein Punkt verbindet alle: Gute Ernährung soll kein Privileg sein.

Sophie Heckmann, die das Angebot gemeinsam mit Alessia Del Vigo, seit Langem unterstützt, betont, wie wichtig ihr der niederschwellige Zugang ist. Niemand muss sich anmelden oder etwas mitbringen. Wer kommt, isst mit. Wer möchte, hilft mit. Und wer einfach nur da sein will, ist genauso willkommen.

Buffet an einem KüfA Abend, buntes Essen und 2 ältere Menschen, die sich dieses auf Tellern auftun.

Büffet an einem KüfA-Abend

Woher kommen die Zutaten?

Die Zutaten für die Mahlzeiten stammen aus verschiedenen Quellen und werden regional, nachhaltig sowie bewusst ausgewählt:

Etwa 30 Prozent der Lebensmittel kommen direkt aus dem MenschenskinderGarten, dem kleinen Gemeinschaftsgarten auf dem Gelände des Familienzentrums. Dort wachsen Kräuter, Salate, Tomaten, Beeren und vieles mehr. Auch Kinder helfen mit, gießen Pflanzen, lernen über Anbau und Natur.
Rund 10 Prozent der Zutaten werden über gerettete Lebensmittel gedeckt. Verschiedene Gruppen aus der Nachbarschaft sammeln regelmäßig überschüssige Ware ein. Was sie selbst nicht verwerten können, geben sie an die Küfa weiter. So werden Ressourcen sinnvoll genutzt und Verschwendung reduziert.
Die restlichen knapp 60 Prozent der Zutaten werden zugekauft – finanziert aus Mitteln der LebensMittelPunkte (LMP). Dabei wird auf frische, möglichst regionale und Bio-Qualität geachtet.

Die Mischung aus Eigenanbau, Umverteilung und gezieltem Einkauf sorgt für abwechslungsreiche, ausgewogene Mahlzeiten – ohne viel Schnickschnack, aber mit viel Geschmack und Verantwortung.

Plastikeimer gefüllt mit Speiseresten, bereit für die Bokashi-Verarbeitung zu nährstoffreicher Erde

Der Bokashi-Eimer gefüllt mit Speiseresten

Ernährung als Kreislauf: Vom Beet auf den Teller und wieder zurück

Ein zentrales Element des Projekts ist das Denken in geschlossenen Kreisläufen. Essen wird nicht als Einbahnstraße verstanden, sondern als Teil eines lebendigen ökologischen Systems. Deshalb werden Speisereste und Küchenabfälle nicht einfach entsorgt, sondern in einem eigens eingeführten Bokashi-System weiterverarbeitet.

Frau verdichtet mit Holzstamm Essensrese in blauer Tonne

Leiterin Martina Peter beim Verdichten, einem wichtigen Schritt im Bokashi-Verfahren

Dabei handelt es sich um eine ursprünglich japanische Kompostierungsmethode: Organische Reste werden zusammen mit Pflanzenkohle und Mikroorganismen in luftdicht verschlossenen Behältern fermentiert. Nach wenigen Wochen entsteht daraus ein nährstoffreicher Boden, ideal für den Garten.

Initiiert wurde das System im Zentrum unter anderem durch Haiko Pieplow, der sich seit vielen Jahren mit nachhaltigen Anbaumethoden und Bodenkreisläufen beschäftigt. Die Methode erinnert an die „Terra Preta“ – Schwarzerde, wie sie bereits indigene Völker Südamerikas zur Bodenverbesserung nutzten.

Im MenschenskinderGarten wird der so entstandene Dünger wieder auf die Beete gebracht – und der Kreislauf schließt sich.

Menschen sitzen gemeinsam um Tisch und essen

Gemeinsames KüfA-Abendessen

Lokal handeln, global wirken: SDG 2 in Friedrichshain

Mit der KüfA trägt das Familienzentrum ganz konkret zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels SDG 2: Kein Hunger der Vereinten Nationen bei. Die sogenannten Sustainable Development Goals – kurz SDGs – wurden 2015 im Rahmen der Agenda 2030 verabschiedet. Sie formulieren globale Zielsetzungen wie Armutsbekämpfung, Bildungsgerechtigkeit, Klimaschutz oder eben Ernährungssicherheit.

„Kein Hunger“ bedeutet dabei nicht nur die Versorgung mit Kalorien, sondern Zugang zu gesunder und nachhaltiger Nahrung für alle Menschen. Die Ursachen von Hunger und Mangelernährung liegen oft auch in sozialer Ausgrenzung, fehlendem Wissen über gesunde Ernährung oder ungleichem Zugang zu Ressourcen.

Die KüfA zeigt, wie lokale, soziale, niedrigschwellige Angebote Teil der Lösung sein können. Sie schafft konkrete Zugänge, baut Barrieren ab, fördert Gemeinschaft und bringt die großen Fragen der Weltpolitik in eine warme, duftende Küche mitten in Friedrichshain.

Frau beugt sich runter zu einer Tomatenpflanze und hält sie in der Hand

Gärtnerin Emi präsentiert stolz ihre Tomatenpflanzen

Vorschau: Lebendiger Garten

Der MenschenskinderGarten, der das Familienzentrum mit frischen Kräutern und Gemüse versorgt, ist ein eigenes Projekt im Rahmen des LebensMittelPunkts. Dort wachsen über 25 verschiedene Tomatensorten – von schwarz über pink und gestreift bis zu leuchtend gelb. Auch eine Kräuterspirale wurde gebaut, die nicht nur Platz spart, sondern durch ihr Design ein ideales Mikroklima für verschiedene Pflanzen schafft.
In einer der kommenden Ausgaben des Bezirkstickers wird der Garten ausführlicher vorgestellt.

Beitrag zum SDG 1: Keine Armut