Unternehmensbesuch in „Peters Werkstatt“ - „Ich mache einfach weiter – bis ich 100 Jahre alt bin“

Peter Dorscheid, Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann, Leiterin der bezirklichen Wirtschaftsförderung Kathrin Klisch und eine Nachbarin von "Peters Werkstatt"

Peter Dorscheid, Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann, Leiterin der bezirklichen Wirtschaftsförderung Kathrin Klisch und eine Nachbarin von "Peters Werkstatt"

Im Rahmen ihrer regelmäßigen Unternehmensbesuche schaute Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann am Mittwoch, den 8. Januar, gemeinsam mit der Leiterin der bezirklichen Wirtschaftsförderung, Kathrin Klisch, bei Peter Dorscheid vorbei, der seit über 40 Jahren in seinem Kreuzberger Ladengeschäft an der Skalitzer Straße Röhrenfernseher, Radios und Plattenspieler repariert und verleiht.

Bereits seit 1983 arbeitet Peter Dorscheid im eigenen Fachbetrieb „Peters Werkstatt“. Als Radio- und Fernsehtechniker-Meister mit einer beeindruckenden Expertise haucht er nicht nur alten Erbstücken im Handumdrehen neues Leben ein, sondern ist auch ein überregional anerkannter Spezialist, wenn es um die Ausstattung und Requisite großer Filmproduktionen geht.

Mit viel Freude zeigt Peter Dorscheid an seinem Arbeitsplatz mit Spiegel Clara Herrmann wie ein Plattenspieler aufgebaut ist

Mit viel Freude zeigt Peter Dorscheid an seinem Arbeitsplatz mit Spiegel Clara Herrmann wie ein Plattenspieler aufgebaut ist

Gefragte Requisiten in Kino-Produktionen

Stolz zeigt er auf ein mittelgroßes Röhrengerät der Marke Graetz, Typ Cristal Color, mit acht Programmtasten: „Dieses Gerät ist in der Verfilmung von ‘Herr Lehmann‘ zu sehen.“ Herr Lehmann ist der Romanheld in Sven Regeners gleichnamigen Buch, dessen Geschichte im Sommer und Herbst 1989 in Kreuzberg spielt. Das Buch wurde in Berlin verfilmt und kam 2003 in die Kinos. „Der Apparat passt gut in die Zeit. Und die Handlung des Kinofilms spielt hier im Kiez. Da schließt sich der Kreis! Ich werde oft von Produktionsfirmen angefragt.“

In den gut sortieren Regalen finden sich große Namen mit dem Klang der Vergangenheit: Saba, Grundig und Nordmende vertreten hier die Liga der Röhren-TV-Geräte geduldig neben den Hi-Fi-Marken Marantz, Technics, Transrotor, Dual und auch dem japanischen Hersteller Sansui. „Ich kann jede Art der älteren Unterhaltungselektronik restaurieren, beurteilen oder auch umbauen. Umbauten kommen immer wieder mal bei Plattenspielern vor.“ Auch alte Radiogeräte und Weltempfänger sind in den aufgeräumten Regalen zu finden. Er drückt auf die Knöpfe eines großen alten Radiogeräts aus den 1950er Jahren. Auf der großen Senderanzeige stehen verheißungsvolle Sendernamen wie „Rias – Radio im amerikanischen Sektor“ und „SFB für den Sender Freies Berlin“, damalige Radiosender, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Es dauert einen Augenblick.Denn die Röhren müssen erst hochfahren. Dann erklingt der große runde Klang von Popmusik im Raum, so, wie ihn nur diese wuchtigen Geräte besonders in den tiefen Tönen verteilen können.

Nachfolger*in gesucht

Je rasanter sich der Bereich der Unterhaltungselektronik mit der Digitalisierung weiterentwickelt hat, desto nötiger wurde seine Expertise für die Liebhaber*innen besonders guter und unverwüstlicher Technik: „Es gab damals schon wenige Techniker, die sich markenübergreifend gut auskannten. Aber heute, heute bin ich einer der ganz wenigen, die das Handwerk noch beherrschen und auch das nötige Equipment haben, um anstehende Probleme lösen zu können“.
Als Spezialist für Röhrengeräte dauere es auch für ihn inzwischen immer länger, bis er entsprechende Ersatzteile gefunden habe. „Langsam komme ich da an natürliche Grenzen, denn es gibt einfach nicht mehr viele Ersatzteile auf dieser Welt. Aber so lange es welche gibt, bleib ich dran.“

Das Renteneintrittsalter habe er schon vor ein paar Jahren erreicht, an das Aufhören habe er auch schon einmal gedacht, aber nicht an die Aufgabe seiner angesammelten Schätze. „Hier bräuchte ich einen Nachfolger. Darüber habe ich schon vor Jahren mit der Innung gesprochen, die mir damals sagte, es dauere etwa fünf Jahre, bis sie hier erfolgreich vermitteln könnten.“ Als die fünf Jahre um waren, fragte er erneut. Die Antwort: „Es sei schwierig, inzwischen müsse man mit zehn Jahren Wartezeit rechnen. Aber das macht nichts, dann mache ich eben weiter – bis ich 100 Jahre alt bin!“