Monika Glaser – Mit Gummistiefeln auf dem Weg zur Brückenbauerin zwischen Politik und Jugendamt

Monika Glaser Titelbild

Monika Glaser, Referentin des Stadtrats für das Jugendamt. Nach 45 Dienstjahren geht sie Anfang 2026 in den wohlverdienten Ruhestand.

Die Hängebrücke wackelt leicht, als Monika Glaser beim Fototermin hinübertritt. Doch wer 30 Jahre lang Verwaltung, Politik und Jugendhilfe miteinander verbunden hat, den bringt so schnell nichts aus dem Gleichgewicht. Mit einem sicheren Tritt und einem Lächeln blickt sie nun auf ihre Zeit als Referentin des Stadtrats für das Jugendamt zurück – eine Zeit, in der sie nicht nur Akten, sondern vor allem Menschen zusammenbrachte. Was einst mit Gummistiefeln auf dem Weg zum ersten Job begann, endet nun mit dem Gefühl, viele Brücken gebaut zu haben – zwischen Politik, Verwaltung und den Anliegen junger Menschen. Monika Glaser geht Anfang des Jahres 2026 in den verdienten Ruhestand.

Sie absolvierte ihre Erzieherinnenausbildung an der Friedrich-Fröbel-Schule in Ost-Berlin, die als erste Fachschule in der damaligen DDR die wissenschaftliche Ausbildung zur Kindergärtnerin anbot. „Nachdem ich von 1977 bis 1980 dort studierte, verbrachte ich die ersten Jahre meines Berufs in einem Kindergarten in Marzahn. Das war eine aufregende Zeit“, erinnert sich Monika Glaser: „Überall wurde gebaut, jeden Tag wuchsen neue Wohnblöcke aus dem Boden – und wir Erzieherinnen waren mittendrin.“ Für sie war der Start im damals neuen Stadtteil Berlins mehr als nur ein Berufseinstieg, es war eine Pionierarbeit im doppelten Sinne. „Manchmal bin ich morgens noch durch den Matsch gestapft, um rechtzeitig bei den Kindern zu sein“, erzählt sie und lacht. „Gummistiefel gehörten damals einfach zur Grundausstattung.

Nach sechs Jahren ergab es sich, dass eine Kollegin aus Friedrichshain nach Marzahn wechseln wollte, um dort zu arbeiten. „Das war meine Chance, wieder ins Zentrum der Stadt zu kommen, wo ich auch wohnte, denn ich hatte inzwischen selbst zwei kleine Kinder, die mich in der Nähe brauchten.“ Sie stellte einen Versetzungsantrag und beide tauschten ihre Arbeitsplätze. „Mein Mann und ich leisteten damals als Mitglieder einer Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft nach der Arbeit sogenannte „Aufbaustunden“, um eine der begehrten Neubauwohnungen im Bezirk zu bekommen.“ Nachdem die beiden auch die Genossenschaftsanteile geleistet hatten, bekam die junge Familie eine schöne Wohnung im Laskerkiez zugewiesen.

Die junge Monika Glaser

Die junge Monika Glaser

Zwischen Familie, Kita und Wandel: Rückkehr nach Friedrichshain

„So landete ich als Erzieherin in der Kita am Weidenweg, wechselte später in die Einrichtung in der Laskerstraße und war dort zuletzt stellvertretende Leiterin“, erzählt Monika Glaser. „Nach all den Jahren des Pendelns war unser Familienleben dadurch erheblich einfacher geworden.“ Doch die Zeit nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung brachte große Veränderungen mit sich. Die Geburtenrate in Friedrichshain ging zurück, die wirtschaftliche Unsicherheit und viele Umbrüche im Leben der Menschen führten dazu, dass junge Frauen den Kinderwunsch oft aufschoben. „Die Geburtenzahlen sanken massiv – ähnlich wie wir es auch heute wieder erleben“, erinnert sie sich. „Während wir in den 1980er-Jahren um jeden Kitaplatz kämpfen mussten, hatten wir Mitte der 1990er plötzlich zu viele davon.“ Der Rückgang der Kinderzahlen und die Abwanderung junger Familien hinterließen deutliche Spuren – viele Einrichtungen mussten verkleinert oder ganz geschlossen werden.

„Mir war klar, dass ich, wenn ich mich weiterentwickeln will, etwas Neues wagen muss“, sagt Monika Glaser rückblickend. Der Abschied aus der Kita fiel ihr dennoch nicht leicht. „Die Arbeit mit den Kindern hat mich erfüllt und geprägt – sie war der Grund, warum ich überhaupt diesen Beruf ergriffen habe.“ 1996 entschied sie sich schließlich, als Sachbearbeiterin für generelle Angelegenheiten in das Bezirksamt zu wechseln. „Ich habe diesen Schritt nie bereut, nicht einen einzigen Tag“, betont sie. Über viele Jahre arbeitete sie als Referentin für das Jugendamt und begleitete dabei sieben verschiedene Stadträtinnen und Stadträte. „Mit jedem Wechsel änderten sich Strukturen, Schwerpunkte und manchmal auch die politischen Farben – genau das machte die Arbeit so spannend“, erzählt sie. „Jeder politische Neuanfang brachte neue Perspektiven, und ich hatte das Glück, mit vielen großartigen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten.“

Vom Kindergarten ins Bezirksamt: Berufung im Jugendamt finden

„Meine Arbeit als Referentin für unterschiedliche Stadträtinnen und Stadträte war immer spannend“, sagt Monika Glaser. „Ich habe in all den Jahren erlebt, wie unterschiedlich Menschen an politische Verantwortung herangehen – aber bei allen stand der Wunsch im Vordergrund, etwas für Kinder, Jugendliche und Familien zu bewegen.“ Lieblingsstadträtinnen oder -stadträte habe sie nie gehabt, betont sie mit einem Schmunzeln. „Ich konnte mit allen gut zusammenarbeiten, weil ich ihre Ziele nachvollziehen konnte und mich immer als Bindeglied zwischen Politik und Verwaltung verstanden habe.“

Monika Glaser hat mit ihrer nicht lauten Art beharrlich wie verlässlich unzählige jugendpolitische Themen und Beschlüsse vorbereitet sowie deren Umsetzungen begleitet. Über die unterschiedlichen Stadtratsperioden hinweg erlebte sie schwierige Haushaltsjahre und hitzige Debatten – „Immer vor Augen: Das Wohl der Kinder und Jugendlichen und deren Familien hier in Friedrichshain-Kreuzberg.“

Monika Glaser läuft symbolisch über eine Spielplatzbrücke

Monika Glaser läuft symbolisch über eine Hängebrücke

28 Jahre lang begleitete und unterstützte sie als Geschäftsstelle den Jugendhilfeausschusses (JHA) – ein unverzichtbarer Bestandteil des Jugendamts. „In diesen Sitzungen wurde oft kontrovers diskutiert und sich mit unterschiedlichsten Themen der Jugendhilfe intensiv auseinandergesetzt. Dort war ich dicht dran an allen Entscheidungen und Maßnahmen“.

Wichtig war ihr die Öffentlichkeitsarbeit für das Jugendamt. „Das war eine sehr schöne und dankbare Aufgabe. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen haben wir die Arbeit des Jugendamtes und die unterschiedlichen Aufgabenfelder mit unterschiedlichen Aktionen und Medien in die Öffentlichkeit getragen.

Ein Projekt von vielen, das Monika Glaser besonders am Herzen lag, war die Koordination und Herausgabe des Familienwegweisers – einer kostenlosen Broschüre, die Familien in Friedrichshain-Kreuzberg seit Jahren begleitet. „Inzwischen haben wir bereits den fünften Familienwegweiser herausgegeben“, erzählt sie stolz. „Er bietet einen umfassenden Überblick über Beratungsstellen für werdende Eltern, über Freizeit-, Sport- und Kulturangebote für Familien – und jedes Mal stecken darin viele Stunden gemeinsamer Arbeit.“ Dass ein solches Informationsangebot noch immer nachgefragt und genutzt wird, sieht sie als Bestätigung für die Bedeutung ganzheitlicher Familienunterstützung.

Lernen, wachsen, weitergeben: Chancen im Bezirksamt und der Schritt in den Ruhestand

Überhaupt waren die drei Jahrzehnte in der Verwaltung für sie mehr als nur ein Beruf. „Ich habe mich auf unserem Flur immer sehr wohl gefühlt – wie in einem zweiten Zuhause“, sagt sie. „Die Kolleginnen und Kollegen waren für mich weit mehr als nur ein Team. Wir haben viel gelacht, uns gegenseitig unterstützt und voneinander gelernt.“

„Den vielen engagierten jungen Kolleginnen und Kollegen möchte ich auf ihren Arbeitsweg mitgeben: Nutzt das großartige Fortbildungsangebot hier im Bezirksamt und auf Landesebene. Bringt Euch ein, und probiert neue Dinge aus. Ich war eine der ersten, die im Rahmen eines Europa-Austausches 2006 für drei Monate den britischen Kolleginnen und Kollegen in Preston über die Schulter blicken durfte – das war ein absolutes Highlight für mich.“ Für Monika Glaser waren regelmäßige Fortbildungen, auch Bildungsurlaube sehr fördernd. „Das hat mich weit nach vorn gebracht, das kann ich gut empfehlen.“

Ab Januar 2026, wenn die letzten Neujahrskorken geflogen sind, wird Monika Glaser mit ihrem Mann am Frühstückstisch sitzen – zum ersten Mal als Ruheständlerin. „Ich glaube, es wird eine Weile dauern, bis das wirklich bei mir ankommt“, gibt sie zu. „Aber ich freue mich darauf! Ich bin dankbar für die vielen Jahre, aber jetzt darf das Leben ein anderes Tempo haben, auch meinem Mann zuliebe, der bereits seit vier Jahren im Ruhestand ist.“ Nach Jahrzehnten voller Termine, Sitzungen und Projekten könne sie nun endlich loslassen und einfach genießen.

Auch ihre Familie freut sich auf die gemeinsame Zeit. „Unsere beiden Enkelkinder sind drei und zehn Jahre alt – wir sehen sie mindestens einmal in der Woche, aber da ist noch Luft nach oben“, sagt sie und strahlt. Der Kleingartenverein hat ebenfalls bereits vorsichtig angefragt, ob sie sich künftig noch mehr einbringen möchte. Ideen hat sie genug: „Wir haben viele schöne Pläne – ob im Garten, mit Freunden oder beim Bootfahren. Mit einem kleinen Motorboot übers Wasser zu gleiten, das entschleunigt mich sofort. Schneller geht’s damit sowieso nicht – und der Platz muss für alle reichen. Mehr braucht’s auch gar nicht. Wunderschön!“