Die Peer-Gruppe kommuniziert über WhatsApp und trifft sich ein bis zwei Mal im Monat.
Sviatoslav kommt aus der Ukraine, als selbst Betroffener hat er es mit Unterstützung geschafft, sich Hilfe in einer suchtmedizinischen Arztpraxis zu suchen und eine medikamentöse Behandlung zu beginnen: „Es ist sehr schwierig, die richtige Arztpraxis zu finden. Hat man eine gefunden, bleibt es ohne Deutsch-Kenntnisse schwierig in der Kommunikation. Deshalb haben wir hier im Projekt Sprachmaterialien mit Piktogrammen entwickelt. Kleine Heftchen, mit den wichtigsten Fragen und Problemen, die einfach in der Praxis vorgezeigt werden können. So ist alles leichter zu verstehen.“
Ohne sprachliche Unterstützung käme es regelmäßig zu Missverständnissen im Praxisalltag, in dem alles immer sehr schnell zugeht. So hätte in der Vergangenheit ein Hilfesuchender sogar die Arztpraxis wieder verlassen, da er eine mit der Hand gezeigte Geste so verstanden habe, er solle gehen. „Dabei wollte ihm die Mitarbeiterin nur anzeigen, er solle ins Wartezimmer gehen.“
Eine weitere wichtige Frage, die das Team beschäftigt: Was braucht die Praxis, wenn die Patient*innen kein oder kaum Deutsch sprechen?
Die Ukrainerin Julia ist seit April 2022 im Peer-Projekt tätig: „Wir haben hier unsere eigenen Erfahrungen umgesetzt, denn in den Arztpraxen ist am Empfang keine Zeit dafür, erst mit dem Handy eine Übersetzung zu machen. Deshalb haben wir für die Mitarbeitenden in der Arztpraxis große Karten vorbereitet, auf denen die wichtigsten Begriffe bildlich wie auch in Russisch und Ukrainisch dargestellt werden. Begriffe wie ‚Blutabnahme‘ oder Standardsätze wie ‚Bitte geben Sie mir Ihre Versichertenkarte‘ können so in der schnellen Kommunikation in der Arztpraxis verständlich ausgetauscht werden.“
Für Neuankömmlinge in der Arztpraxis, die noch am Anfang einer suchtmedizinischen Behandlung stehen, hat das Projektteam Kontaktadressen Russisch sprechender Beraterinnen vorbereitet, die in der Arztpraxis von einem Abreißblock einfach auszuhändigen sind.