Kreuzberger Schüler*innen inszenieren nachhaltiges Theater – „Blue Lines“ auf turbulenter Fahrt

Julian Klein-Peters (li.), Blue Marble Health Foundation gGmbH und Wiebke Borgwardt (re.), Pädagogin und Leiterin der Schauspiel-AG gemeinsam mit den Schüler*innen nach der Vorstellung

Julian Klein-Peters (li.), Blue Marble Health Foundation gGmbH und Wiebke Borgwardt (re.), Pädagogin und Leiterin der Schauspiel-AG gemeinsam mit den Schüler*innen nach der Vorstellung

Endlose Weiten, azurblaues Meer, strahlender Himmel – und mitten darin das Kreuzfahrtschiff der fiktiven Reederei „Blue Lines“. Was als glamouröse Illusion der perfekten Kreuzfahrt beginnt, kippt in der aktuellen Theaterproduktion des Kreuzberger Leibniz-Gymnasiums rasch in die Realität: „Wir pumpen an einem Tag so viel CO₂ in die Luft wie 84.000 Autos!“, hallt es eindringlich aus den Lautsprechern, während sich das Publikum von den Zwängen und Absurditäten des Kreuzfahrtalltags fesseln lässt.

Über sechs Monate haben sich die Schüler*innen der „Darstellendes Spiel“-AG intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Unterstützt von der Blue Marble Health Foundation gGmbH, die das Konzept für die Inszenierung lieferte, entwickelten sie Szenen und Rollenprofile, in denen sie die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen künstlerisch erforschten und umsetzten.

Schon in der 1. Szene kippt die aktuelle Theaterproduktion des Kreuzberger Leibnitz-Gymnasiums rasch in die Realität

Schon in der 1. Szene kippt die aktuelle Theaterproduktion des Kreuzberger Leibniz-Gymnasiums rasch in die Realität

Konsum, Luxus und Arbeitsleistung prallen aufeinander

Projektmanager Peter Bastian erklärt: „Wir haben verschiedene Szenengruppen vorgeschlagen, sodass die Schüler*innen sich etwa in die Lage von Reinigungskräften, Forscher*innen, billigen Arbeitskräften, der Küchencrew oder in die Position einer Reiseagentur versetzen und reflektieren konnten, welche SDGs ihre Gruppe betreffen.“

Was bedeutet Nachhaltigkeit, wenn Konsum, Luxus und Arbeitsleistung aufeinanderprallen? Das Ensemble bringt diese Frage mit viel Kreativität und kritischem Geist auf die Bühne. Ob schillernd als Animateurin, kritisch als Forscher*in oder pragmatisch als unterbezahlte*r Küchenmitarbeiter*in: Die Perspektiven sind vielschichtig, die Antworten erschreckend offen.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir so ein großes Thema auf so persönliche Weise zeigen können. Es war ein gutes Gefühl, gehört zu werden – und vielleicht auch was zu verändern“, sagte eine Schülerin im Anschluss an die Vorführung.

Wiebke Borgwardt, Pädagogin und Leiterin der Schauspiel-AG am Leibniz-Gymnasium: „Mit viel Interesse für das Thema Nachhaltigkeit haben die Akteur*innen an diesem Stück gearbeitet. Ihre Kreativität und ihre Freude am Spiel machen die Szenen einfach besonders. Gemeinsam vor Publikum zu stehen und ihre wochenlangen Vorbereitungen zeigen zu können, hat Aufregung und Vorfreude deutlich gesteigert.“

Die Reinigungskräfte betreten das Deck und tragen mehrere prall gefüllte Müllsäcke auf

Reinigungskräfte betreten das Deck und tragen mehrere prall gefüllte Müllsäcke an die Reeling

Der Blick über den eigenen Tellerrand lohnt sich!

„Aber“, um es aus der Perspektive der Bord-Animateurinnen noch einmal in Worte zu fassen: „…vielleicht lohnt es sich auch, mal über den eigenen Tellerrand zu blicken. Seid mutig. Seid unberechenbar!“ Eine Empfehlung, die auch über die Dauer der Vorstellung nach lange nachhallen wird.

Bevor der letzte Vorhang fällt, dröhnt es noch einmal nach: „17.000 Kostümteile, Shows auf 22 Bühnen. Soviel Schwefeldioxid wie 376 Millionen Autos – täglich! Ich sag‘: Wer hat, der hat. Wir haben. Wir haben Platz für 8300 Personen. Und 6100 zahlende Gäste.“

Diese Projektarbeit wurde durch die mkk – meine krankenkasse unterstützt. Gefördert wurde das Vorhaben mit Mitteln des Präventionsgesetzes (§ 20 SGB V) mit dem Ziel, Gesundheitsförderung und nachhaltiges Denken im schulischen Umfeld zu stärken.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen in Kurzfassung sind:

1. Keine Armut: Armut in jeder Form und überall beenden
2. Kein Hunger: Hunger beenden, Ernährungssicherheit sichern und nachhaltige Landwirtschaft fördern
3. Gesundheit und Wohlergehen: Gesundes Leben für alle gewährleisten und Wohlergehen fördern
4. Hochwertige Bildung: Inklusive und hochwertige Bildung für alle ermöglichen und lebenslanges Lernen fördern
5. Geschlechtergleichstellung: Gleichstellung der Geschlechter und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen
6. Sauberes Wasser und Sanitärversorgung: Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung für alle sichern
7. Bezahlbare und saubere Energie: Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher und nachhaltiger Energie für alle sichern
8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum: Produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle, nachhaltiges Wachstum fördern
9. Industrie, Innovation und Infrastruktur: Widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung fördern, Innovation unterstützen
10. Weniger Ungleichheiten: Ungleichheiten innerhalb und zwischen Staaten verringern
11. Nachhaltige Städte und Gemeinden: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten
12. Nachhaltiger Konsum und Produktion: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen
13. Maßnahmen zum Klimaschutz: Umgehend Maßnahmen gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen ergreifen
14. Leben unter Wasser: Ozeane, Meere und Meeresressourcen nachhaltig nutzen und schützen
15. Leben an Land: Landökosysteme schützen, Wälder nachhaltig bewirtschaften und Biodiversität erhalten
16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen: Friedliche, inklusive Gesellschaften fördern und inklusive Institutionen stärken
17. Partnerschaften zur Zielerreichung: Globale Partnerschaften zur Umsetzung der Ziele stärken