„Kraut & Rüben“ – Bio für den Kiez - Ein Kollektiv auf der Suche nach Nachfolger*innen

Britta Mielenz vom Kollektiv "Kraut & Rüben" und Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann im Kiezladen

Britta Mielenz vom Kollektiv "Kraut & Rüben" und Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann im Kiezladen

Anlässlich der regelmäßig stattfindenden Betriebsbesuche traf die Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann am Mittwoch, 8. Januar, in der Kreuzberger Oranienstraße Britta Mielenz und Gabriele Ruß, die stellvertretend für das Kollektiv „Kraut & Rüben über den laufenden Umbruch des Kiezladens und über die dringende Suche nach einer Nachfolge sprechen.

Seit 1978 arbeitet „Kraut & Rüben“ als eines der ältesten Kollektive in Kreuzberg direkt am Rio-Reiser-Platz. Zunächst als Nischenanbieter in Sachen Naturkost – frisches Gemüse war im damaligen West-Berlin knapp – haben sich derzeit acht mutige Frauen gefunden, um im Kiez einen Grundstein für gesunde Ernährung zu setzen.

Britta Mielenz: „Wir haben in all den Jahrzehnten einige Herausforderungen gemeistert. Aber jetzt gehen einige von uns in Rente, einige sind schon weg und suchen neue Perspektiven. Wir wollen unseren Laden in gute Hände abgeben.“

Frisches Bio-Gemüse im Laden

Frisches Bio-Gemüse im Laden

Mutiger Start vor mehr als 40 Jahren

Der Laden startete vor mehr als 40 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft des damaligen Herrenausstatters Kusto, während der Fleischermeister Florian, auch am ehemaligen Heinrichplatz gelegen, frisches Fleisch, aus erster Hand anbot. Naturkost stand noch auf wenigen Einkaufszetteln und biologisch angebautes Gemüse wurde damals sogar mit einem eigenen LKW, dem „Rüben-Express“, eigens aus dem Wendland geholt, gemeinsam mit anderen Kollektiven und Projekten.

Gabriele Ruß: „Wir arbeiten schon so lange miteinander, dass wir gemeinsam die Abläufe und notwendigen Arbeiten sehr gut optimiert haben. Alle Produkte werden möglichst regional bei kleineren Anbietern eingekauft. Selbstverständlich können und sollen auch neue Betreiber*innen unseres Ladens von den bereits bestehenden Strukturen profitieren.“

Und die seien durchaus hilfreich für eine erfolgreiche Zukunft: Das etwa 100 Quadratmeter große Geschäft sei hervorragend in der Gegend eingeführt, gut erreichbar und es gebe einen sicheren Mietvertrag mit einer Hausgemeinschaft, die ebenfalls eine gute Fortführung des Geschäfts wünsche.

Harter Einsatz – aber die Mühe lohnt sich!

Beide Kollektivistinnen sind sich einig, dass die Arbeit nicht nur aus guten Gesprächen mit Kund*innen bestünde, sondern auch harte körperliche Einsätze fordere: „Ein Geheimnis unseres Erfolgs ist sicher auch, dass wir jeden Tag – morgens und abends – etwa eine Stunde damit verbringen, unser Gemüse zu putzen und ins Kühlhaus zu bringen. Die Mühe lohnt sich, so haben wir immer besonders knackigen Salat im Angebot.“

Natürlich sei es nicht einfach, sich als kleines Bio-Kollektiv gegenüber Ketten und Discountern gegenüber zu behaupten, doch „wenn man bei den Preisen und Gewichtsangaben im Discounter einmal genau hinschaut, halten wir jeden Preisvergleich ganz gut aus. Bio hat eben seinen Preis.“

Viel Zeit sei nicht mehr übrig und es wäre wünschenswert, wenn sich in den nächsten Monaten eine Gruppe finden würde, die diese Institution am Rio-Reiser-Platz weiter fortführen möchte. Gabriele Ruß: „Gern als Kollektiv, ideal wäre auch ein Schwerpunkt auf frischem Obst und Gemüse. Aber auch nette Menschen mit anderen Konzepten, den Laden zu erhalten, können sich gern bei uns unter der Mailadresse kollektiv-arbeiten@web.de melden.“