Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung – Vorstellung der Koordinierungsstelle Inklusive Verwaltung

Leo Mainx

Der 3. Dezember ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Seit 1993 wird er jedes Jahr begangen. Der von der Vereinten Nationen ausgerufene Gedenk- und Aktionstag soll das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderung stärken und den Einsatz für ihre Würde, ihre Rechte und ihr Wohlergehen fördern.

Als einziges Bundesland hat Berlin in allen Bezirken neben den Beauftragten für Menschen mit Behinderungen jeweils auch eine „Koordinierungsstelle inklusive Verwaltung“. In Friedrichshain-Kreuzberg hat Leo Mainx diese Stelle zum 1. September angetreten.

Die Aufgabe der Koordinierungsstelle inklusive Verwaltung ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in den Bezirken. Es geht darum, dass niemand vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden darf. Unabhängig von etwaigen Beeinträchtigungen muss die Teilhabe in allen Lebensbereichen gewährleistet sein. Dazu gehört auch der Zugang zu öffentlichen Gebäuden und Verwaltungsdienstleistungen. „Eine Person, die blind oder gehörlos ist, muss sich genauso leicht einen Personalausweis ausstellen lassen können wie Menschen ohne Behinderungen“, erläutert Leo Mainx. Landesrechtliche Grundlage der Arbeit von Leo Mainx ist das Gesetz über die Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung.

Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Leo Mainx hat Anglistik, Amerikanistik, Kulturanthropologie und Nordamerikastudien in Hamburg und Berlin studiert und vor der Zeit im Bezirksamt beim Projekt „Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz“ in der Online Redaktion gearbeitet. „Ich bin selbst schwerbehindert, daher hat das Thema Inklusion in meinem Leben schon immer eine Rolle gespielt“, berichtet Leo Mainx.

Zum Arbeitsalltag von Leo Mainx gehören viel Netzwerkarbeit mit den unterschiedlichen Fachbereichen innerhalb des Bezirksamts und mit verschiedenen Vereinen und Projekten im Bezirk sowie der Austausch mit den anderen bezirklichen Koordinierungsstellen und dem „Focal Point“ der SenASGIVA, der den Berliner Maßnahmenplan „Berlin inklusiv“ koordiniert. Auch die Zusammenarbeit mit der bezirklichen Beauftragten für Menschen mit Behinderungen ist eng. „Sie ist das Außenministerium, ich bin das Innenministerium“, erklärt Leo Mainx die Aufgabenteilung. Die Beauftrage ist vor allem für die Belange von Individuen im Bezirk zuständig, die Koordinierungsstelle für bezirkliche Institutionen. Darunter fällt auch die Umsetzung von konkreten Projekten im Bezirk. Das sei eine schöne Entwicklung im Vergleich zum vorherigen Job, berichtet Leo Mainx. „Thematisch ist der Bereich seit dem Wechsel ins Bezirksamt ähnlich geblieben, jetzt ist die Arbeit allerdings viel praktischer und unmittelbarer. Es ist schön, direkte Auswirkungen der Arbeit zu sehen.“

Zu den bereits umgesetzten Projekten gehört etwa die Anschaffung einer Rampe zur Überbrückung von Stufen für Menschen im Rollstuhl oder die Beschaffung einer Hebebühne, die allen Menschen Zugang zu Bühnen im Bezirk ermöglicht. Im Gesundheitsamt wurde dieses Jahr außerdem erstmals in Friedrichshain-Kreuzberg eine Induktionsschleife angeschafft, eine technische Einrichtung, die Audiosignale für Menschen mit Hörgerät zugänglich macht. Das sei eine deutliche Verbesserung zu früheren Maßnahmen, berichtet Leo Mainx und erinnert sich an eine Mitschülerin, die Lehrkräfte wiederholt darum bitten musste, sich ein spezielles Mikrofon umzuhängen, das mit ihrem Hörgerät verbunden war. Das bedeutete immer zusätzlichen Aufwand für die hörbeeinträchtigte Person. „Dabei ist es Aufgabe der Gesellschaft und eben auch der Verwaltung, Maßnahmen umzusetzen, die allen Menschen Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen“, betont Leo Mainx.

Inklusive Verwaltung für alle

Auch inklusive Sprache gehört zu diesen Teilhabemaßnahmen. „Davon profitieren am Ende alle. Ich muss keinen Schwerbehindertenausweis haben, um Barrieren zu erleben. Wir haben alle schonmal einen Bescheid bekommen, den wir nicht verstanden haben. Wenn Informationen zu Bescheiden in Leichter Sprache zur Verfügung gestellt werden, profitieren am Ende alle davon.“ Das Bewusstsein für und das Wissen über Inklusion und Teilhabe sei immer noch nicht weit genug verbreitet, berichtet Leo Mainx. Deshalb seien auch Multiplikator*innen so wichtig. Perspektivisch sollen sich Mitarbeitende im Bezirksamt spezifisch schulen lassen können, um dann ihr Wissen an ihre Kolleg*innen weiterzugeben.

Eine weitere geplante Maßnahme ist das Erstellen von Leitfäden in Leichter Sprache sowie Erklärvideos mit Gebärdensprachdolmetschung zu Anträgen. Für die nächsten Jahre plant Leo Mainx außerdem die Einführung eines Wegeleitsystems für alle Gebäude des Bezirksamts – also Farben und Piktogramme, die bei der Orientierung im Gebäude helfen. Die langfristige Vision ist ein landesweit einheitliches Wegeleitsystem. „Dann würde zum Beispiel orange immer bedeuten, dass ich gerade im zweiten Stock bin, egal wo in Berlin ich in einem öffentlichen Gebäude bin.“

„Inklusion bedeutet für mich, dass niemand ausgeschlossen werden darf aufgrund von Barrieren. Dafür braucht es einen Paradigmenwechsel hin zu Disability Mainstreaming. Behinderungen und Barrierefreiheit müssen stets von vorneherein mitgedacht werden. Von inklusiver Verwaltung profitieren dann am Ende alle.“