Jugendberufsagentur Friedrichshain Kreuzberg: Wie Peter Schulz innovative Angebote für den Übergang von der Schule in den Beruf vorantreibt

Peter Schulz Koordinator der Jugendberufsagentur vor dem Empfang der Jugendberufsagentur Friedrichshain-Kreuzberg

Nur wenige Meter vom historischen Checkpoint Charlie entfernt, mitten im Gebäudekomplex der Agentur für Arbeit, befindet sich die Jugendberufsagentur Friedrichshain-Kreuzberg – ein Ort, an dem junge Menschen Unterstützung, Orientierung und Perspektive finden. Seit nunmehr zehn Jahren ist sie fester Bestandteil der bezirklichen Bildungs- und Arbeitslandschaft. Sie bündelt die Angebote der verschiedenen Träger und ist damit ein Erfolgsmodell für enge Zusammenarbeit und kurze Wege.
Einer, der diese Entwicklung mitgeprägt hat, ist Peter Schulz. Seit 34 Jahren ist er im Bezirk tätig – zunächst in der Jugendförderung, später im Sozialamt und viele Jahre als Fallmanager und Teamleiter im Jobcenter. Heute koordiniert er aus bezirklicher Seite die Jugendberufsagentur Friedrichshain-Kreuzberg und vernetzt Partner*innen aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Seine Laufbahn begann zwar in der Jugendförderung, anschließend wechselte er aber ins Sozialamt und war dort am Aufbau neuer Erstantragstellen beteiligt. Schon vor seiner Tätigkeit im Jobcenter war Peter Schulz an zahlreichen innovativen Projekten beteiligt – etwa dem „Job-Aktiv-Center“, einer Art Vorläufer der heutigen Jugendberufsagentur, dessen Angebot sich dezidiert an unter 25-Jährige richtete.
„Das war etwa bis 2005. Da sind verschiedenste Mitarbeiter*innen zusammengekommen – aus der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und dem Sozialamt. Wir hatten alle das Ziel: Niemand soll in der Sozialhilfe verbleiben, wenn es Möglichkeiten und Angebote gibt.“
Seit knapp vier Jahren ist Schulz bezirklicher Koordinator der Jugendberufsagentur und genießt die neuen Chancen, die sich durch kurze Wege und enge Zusammenarbeit ergeben:
„Früher gab es das nicht so gebündelt, dass alles unter einem Dach war – jetzt haben junge Menschen eine Adresse, wo sie hingehen können und alle Angebote bekommen.“

Eine zentrale Anlaufstelle für junge Menschen

Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist die Jugendberufsagentur eine zentrale Anlaufstelle für alle jungen Menschen unter 25 Jahren, die am Übergang von der Schule in den Beruf stehen. Sie bündelt die Angebote von Bezirksamt, Arbeitsagentur, Jobcenter und Senatsverwaltung für Bildung unter einem Dach und sorgt dafür, dass Jugendliche und junge Erwachsene umfassend beraten und bei Bedarf bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss begleitet werden. Neben individueller Beratung und konkreter Hilfe bei Ausbildung, Studium oder Praktika stehen hier auch psychosoziale Unterstützung, Sucht- und Schuldnerberatung sowie offene Erstberatung zur Verfügung. Das Ziel ist, jedem jungen Menschen im Bezirk nachhaltige Perspektiven zu bieten und ihn aktiv dabei zu unterstützen, seinen eigenen Weg zu finden, unabhängig von Herkunft, Schulform oder persönlichen Lebenslagen.

Ein Ort für Chancen

Schulz Hauptaufgabe ist das Netzwerken. Er bringt Partner*innen aus Agentur für Arbeit, Jobcenter, Abteilung Jugend, Senatsverwaltung, Kammern sowie Wirtschaft und sozialen Trägern zusammen. Die Angebote sind so vielfältig wie der Bezirk selbst: Jugendcoaching mit Bewerbungshilfe, Sucht- und Schuldenberatung bis hin zu Workshops und Karrieretagen, bei denen praktische Einblicke und der Kontakt zu Unternehmen großgeschrieben werden, sind dabei nur einige Beispiele. Dabei setzt Schulz stets darauf, Bedürfnisse direkt aufzuspüren:
„Man muss immer ein Stückchen gucken: Was brauchen die Mitarbeiter*innen, was wollen junge Menschen, und wie können wir das bestmöglich miteinander verbinden? Die Arbeit ist bunt und dynamisch – genau wie der Bezirk, ein Bezirk mit vielen wirtschaftlichen Möglichkeiten und vielen jungen Menschen.“
Das Team sieht sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Viele junge Menschen sind orientierungslos, haben psychische Belastungen oder familiäre und finanzielle Schwierigkeiten. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie bleiben eine Herausforderung für viele. Typisch für Schulz ist sein pragmatischer Optimismus:
„Wir arbeiten hier daran, dass kein junger Mensch verloren geht!“
Die größte Herausforderung sei es, dass so wenig junge Menschen wie möglich in das 11. Pflichtschuljahr rutschen und rechtzeitig ihren Platz im Leben finden, ob mit Ausbildung oder einem Jahr im Freiwilligendienst.

Innovative Berufsorientierung im Bezirk

Peter Schulz und sein Team leben innovative Berufsorientierung: Busfahrten zu Unternehmen, Betriebserkundungen, Kooperationen mit den Kammern (IHK und HWK) und Schulen sowie die persönliche Vermittlung von Praktika sind seine Herzensprojekte. Der Karrieretrag, der jedes Jahr in der East-Side Mall, stattfindet, ist inzwischen Markenzeichen des Bezirks. Er hebt hervor, wie aus dem ursprünglichen „Karrieremobil“ der Handwerkskammer ein innovatives, buntes Event mit Erlebnischarakter geworden ist:
„Wir wollten nicht nur das Handwerk zeigen, sondern wirklich alle Berufe – Einzelhandel, Pflege, Feuerwehr, Systemgastronomie, alles, was jungen Menschen Türen öffnet.“
„Die Schulen fragen inzwischen schon: Wann ist der nächste Karrieretag? Welche Aussteller sind diesmal dabei?“, erklärt Peter Schulz.
Im Fokus steht bei diesem Event das Prinzip „Berufe zum Anfassen“: Unternehmen bringen Auszubildende, Praktiker, Maschinen und Materialien mit, damit die Jugendlichen echte Einblicke bekommen können, ob beim Blutdruckmessen, an Elektromotoren, in der Systemgastronomie oder bei der Feuerwehr.
Der Erfolg gibt ihm recht: Die Jugendberufsagentur ist ein zentraler Baustein geworden, um Ausbildung und Praktika zu vermitteln und Unternehmen aus dem Bezirk und Jugendliche niedrigschwellig zusammenzubringen. Schulz wünscht sich für die Zukunft, dieses Konzept noch weiter auszubauen, etwa mit noch mehr praktischen Aufgaben und mehr Chancen für echte Begegnungen zwischen Jugendlichen und Betrieben. Für Peter Schulz steht fest:
„Die Jugendberufsagentur ist ein gemeinsamer Ort für Chancen. Wenn junge Menschen hier ihren Weg finden, dann ist das der beste Erfolg.“