Felix Weisbrich ist für den Engagementpreis der Deutschen Umwelthilfe nominiert

Felix Weisbrich

Die Deutsche Umwelthilfe hat Felix Weisbrich für den Engagementpreis DRUCK MACHEN – für die Umwelt nominiert. Diese Auszeichnung wird jährlich an Personen verliehen, die sich im Umwelt- und Klimaschutz besonders engagieren. Felix Weisbrich, der momentan vom Straßen- und Grünflächenamt in Friedrichshain-Kreuzberg an die Berliner Forsten abgeordnet ist, ist dieses Jahr in der Kategorie „Umweltschützer*innen im Staatsdienst“ nominiert – eine Kategorie, die Personen des öffentlichen Dienstes auszeichnet, die innovative Lösungen entwickeln und nachhaltige Projekte umsetzen.

Für ihn sind solche Ehrungen jedoch kein persönlicher Triumph, sondern ein Signal: „Es ist nicht egal, wie man ein Amt ausführt – eindeutiger Standpunkt und aktives Tun macht den Unterschied.“ Mut und Initiative in der Verwaltung sollen sichtbar werden, damit sich auch andere in den Amtszimmern trauen, Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört neben dem eigenständig aktiv werden auch, den politisch Verantwortlichen klarzumachen, was die Bedarfe der Verwaltung sind, wieviel Personal und Ressourcen notwendig sind, um ambitionierte Ziele zu erreichen.

Ein Förster in Berlin – Wie Felix Weisbrich Berlin klimafreundlicher gestaltet

Wenn Felix Weisbrich in seiner grünen Försteruniform und mit dem Berliner Bären auf der Schulter in die S-Bahn steigt, um zum Landesforstamt nach Friedrichshagen zu fahren, erntet er nicht selten erstaunte Blicke. „Ein Förster in Berlin? Das können sich viele Berliner*innen kaum vorstellen – fast so ein Paradox wie es Rehe auf dem Alexanderplatz wären“, erzählt Weisbrich.

Dabei ist der Wald in Berlin kein Fremdkörper, er prägt das Stadtbild, das Klima und den Alltag der Berliner*innen. Mit rund 20 Prozent Bewaldung und grünen Oasen wie dem Grunewald oder dem Tegeler Forst gehört Berlin zu den grünsten Städten Europas. Die Aufgabe von Felix Weisbrich bei den Berliner Forsten ist klar: Diese Wälder zu schützen und an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen.

Geboren in Göttingen, begleitet ihn die Leidenschaft für den Wald schon seit seiner Jugend. „In unserer Abizeitung stand: ‚Ich will Förster werden und den Wald retten.‘ Das war naiv, aber ein bisschen Naivität muss man haben, um etwas zu bewegen“, erzählt Weisbrich. Nach dem Abitur begann er, Forstwissenschaften an der Universität Göttingen zu studieren. Nach dem zweiten Staatsexamen arbeitete er mehrere Jahre in der Staatsforstverwaltung von Mecklenburg-Vorpommern. In der Betriebsleitung in Malchin, als Forstamtsleiter an der Küste in Bad Doberan und als Forstpolitikreferent im Schweriner Landwirtschaftsministerium. Der Wechsel nach Berlin war dann ein bewusster Schritt: Weg von der reinen Waldverwaltung hin zu einer Tätigkeit, in der sich Klimaschutz und Grün direkt mit dem Alltagsleben und der Stadtgestaltung verbinden lässt. Im Jahr 2019 übernahm er die Leitung des Straßen- und Grünflächenamts in Friedrichshain-Kreuzberg.

Die Stadt neu denken

„Ich wollte an die Ursachen des Klimawandels ran. Im Bereich Verkehr kann man durch Verkehrsberuhigung, den Ausbau von Radwegen und mehr Grünflächen in der Stadt viel bewegen“, erklärt Weisbrich. „Und wir müssen das auch tun“ ergänzt er: Städte sind für ihn zentrale Akteure im Kampf gegen den Klimawandel. Im Straßen- und Grünflächenamt trieb er auf Bezirksebene die Umgestaltung Berlins zu einer klimafreundlicheren Stadt voran – mit mehr Grün, weniger Versiegelung und sicheren Rad- und Fußwegen. Für ihn steht fest: „Die Straßen von heute sind auch die Grünflächen von morgen.“ Damit meint er, dass wachsende Städte nicht nur dichter, sondern auch grüner und lebenswerter werden müssen, um sie ökologisch und sozial aufzuwerten. Die aktuelle Beschlussfassung des Berliner Abgeordnetenhauses zum Klimaanpassungsgesetz auf Initiative des BaumEntscheid e.V. passt aus seiner Sicht da gut ins Bild.

Zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 stellte Felix Weisbrich in Friedrichshain-Kreuzberg die ersten Pop-up-Radwege Europas auf – ein Pilotprojekt, welches für viel Aufmerksamkeit sorgte. Für ihn war das ein Beweis, dass Verwaltung handlungsfähig sein kann, wenn sie den Mut hat, Neues auszuprobieren – auch wenn nicht jeder Versuch sofort ein Erfolg ist. „Man muss viele Versuche starten. Jeder zweite darf scheitern – wichtig ist, dass wir anfangen, ins Handeln kommen und im Ergebnis etwas erreichen“, sagt Weisbrich. Die Pop-up-Radwege sind ein gutes Beispiel für diesen Ansatz: Projekte können temporär starten, Erfahrungswerte generieren, im Zweifel justiert und schließlich dauerhaft verstetigt werden.

Felix Weisbrich versteht Verwaltung nicht als bürokratische Maschinerie, sondern als Organisation, die in direkter Verantwortung steht, Veränderungen voranzutreiben. Für ihn ist klar: „Verwaltung muss Haltung haben und den Mut aufbringen, bestehende Strukturen zu verändern.“ Die Arbeit in der Verwaltung böte neben der Job-Sicherheit eben auch die Chance und die Verpflichtung, aufgrund erkannter Gefahrenlagen nicht zu verharren, sondern auch Risiken einzugehen, um Gefahren wie die Klimakatastrophe abzuwehren.

Wald im Wandel

Seit seiner Abordnung zu den Berliner Forsten widmet er sich wieder dem Ziel, Wälder an den Klimawandel anzupassen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in den Berliner Wäldern längst spürbar: „Im Tegeler Forst liegen 40.000 Kubikmeter Buchen, Eichen und Kiefern am Boden – weniger, weil sie krank waren, sondern weil der Sturm in diesem Sommer stärker war als alles, was die Bäume je erlebt haben“, berichtet er. Hier muss aktiv gehandelt werden. Ein Ziel sei es, den Berliner Wald in den nächsten Jahrzehnten zu einem „Dauerwald“ umzubauen, was bedeutet, die Wälder Berlins möglichst vielfältig, strukturreich und resistent zu gestalten. Unterschiedliche Baumarten, Größen und Altersstrukturen machen den Wald widerstandsfähiger gegenüber der Bedrohung durch den Klimawandel.

Besonders wichtig ist ihm die Umweltbildung: Das Ziel der Berliner Forsten ist es, dass alle Berliner Grundschulkinder mindestens einmal den Wald erleben. „Viele Kinder kennen den Wald gar nicht – wir müssen ihnen zeigen, dass es ihn gibt.“ Für ihn ist der Wald mehr als ein Ökosystem mit eigener Würde und vielfältigem Nutzen: Er bietet der Stadtbevölkerung Ruhe und hilft dabei, ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge zu entwickeln. So lernen die Berliner*innen, bewusst mit der Natur umzugehen – ein wichtiger Schritt für eine nachhaltige Stadt, die ihre grüne Infrastruktur aus Wäldern, Parks und Straßenbäumen achtet.

Felix Weisbrich zeigt, dass Veränderungen auch direkt aus der oftmals schwerfällig wirkenden Verwaltung heraus angestoßen werden können – und im Rahmen ihrer Verantwortung auch müssen: Verwaltung hat die Aufgabe, schnelle und kreative Lösungen zu finden, daher ist für Weisbrich klar: „Wir müssen diese großartige Stadt Berlin lebensfit für die Zukunft machen und dafür braucht es Professionalität, Entscheidungsfreude und Haltung.“