Ein Gewölbe, so groß wie eine Kathedrale – Kreuzbergs geheime Unterwelt

Frank Körner, ehemaliger Bauleiter im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gewährt seltene Einblicke in die Katakomben unterhalb des Schinkel-Denkmals

Frank Körner, ehemaliger Bauleiter im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gewährt seltene Einblicke in die Katakomben unterhalb des Schinkel-Denkmals

Neben einem der schönsten Sonnenuntergänge Berlins bietet der 66 Meter hohe Kreuzberg im Viktoriapark einen geheimnisvollen Ort, der nur an wenigen Tagen des Jahres geöffnet ist. Sobald die Zwergfledermäuse Ende März ihren Winterschlaf beendet haben, öffnet Frank Körner, ehemaliger Bauleiter im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, die schwere Eisentür für eine Handvoll Besucher*innen und gewährt damit Einblicke in die Katakomben unterhalb des Schinkel-Denkmals.

Frank Körner trifft alle Interessierten, die zuvor eines der sehr begehrten Tickets im FHXB-Museum erworben haben, oben auf dem Berg, am Fuß der Treppe. Mit Blick auf die Großbeerenstraße berichtet er aus dem Jahr 1821, als das Denkmal zur Erinnerung an die Freiheitskriege (1813 bis 1815) gegen Napoleon auf dem ehemaligen Tempelhofer Berg eingeweiht wurde.

Das ehemalige gusseiserne Skelett des Denkmals, der innere Aufbau des Turms, wurde Ende der 1990er Jahre ausgetauscht

Das ehemalige gusseiserne Skelett des Denkmals, der innere Aufbau des Turms, wurde Ende der 1990er Jahre ausgetauscht

Der gebürtige Bückeburger Schinkel-Schüler Heinrich Strack plante den Bau

Damals, vor mehr als 200 Jahren, zeichnete Karl Friedrich Schinkel die ersten Entwürfe im Stil der Neogotik für das Denkmal. Die sandige Anhöhe lag damals noch weit draußen vor der Stadt. Das sollte sich schnell ändern, denn schon 50 Jahre später, etwa 1870 war das Denkmal bereits so zugewachsen, dass es von unten nicht mehr zu sehen war, und von oben war es mit der schönen Aussicht auch vorbei.

Deshalb wurde im Jahr 1878 unter Kaiser Wilhelm I. das knapp 20 Meter hohe und etwa 200 Tonnen schwere Denkmal, von Bauingenieur Johann Wilhelm Schwedler hydraulisch auf ein acht Meter hohes Podest gehoben, und in diesem Zusammenhang gleichzeitig um 21 Grad gedreht. Die ursprüngliche Nord-Süd-/West-Ost-Ausrichtung wurde damit abgelöst, so dass es von nun an in einer Achse mit der Großbeerenstraße ausgerichtet steht.

Der gebürtige Bückeburger Schinkel-Schüler Heinrich Strack plante den Bau der riesigen achteckigen umliegenden Plattform mit einer doppelläufigen Treppe. Er ließ hohe gemauerte Bögen erstellen, die das Gewicht des gusseisernen Denkmals tragen. Damit entwickelte er das riesige circa 1500 Quadratmeter große Gewölbe unterhalb des Denkmals, welches in heutiger Zeit im Winter eine Zwergfledermaus-Kolonie beherbergt und als Lapidarium verstaubter Statuen, Reliefen und Friesen dem Denkmalamt als Schatzkammer dient.

Der für die Berliner Münze am Werderschen Markt entworfene „Münzfries“ erzählt auf 50 Metern die Wirtschaftsgeschichte der Menschheit

Der für die Berliner Münze am Werderschen Markt entworfene „Münzfries“ erzählt auf 50 Metern die Wirtschaftsgeschichte der Menschheit

Sandstein-„Münzfries“ erzählt Wirtschaftsgeschichte

Auch das ehemalige gusseiserne Skelett des Denkmals, der innere Aufbau des Turms, der Ende der 1990er Jahre ausgetauscht wurde, hat hier einen würdigen Rastplatz gefunden. Etwa zehn Meter hoch, mit dem Charme einer rostigen Rakete behaftet, steht das Gerippe zwischen den Gewölbepfeilern. Gleich neben den Gartenstühlen, die Frank Körner für die Gruppe extra aufgestellt und entstaubt hat.

Doch bevor sich die Gruppe dort setzen kann, darf sie staunen: Der etwa 50 Meter lange, als Fassadenschmuck für die Berliner Münze am Werderschen Markt entworfene „Münzfries“ erzählt in seinen Einzelheiten auf den Sandsteinplatten die Geschichte der Wirtschaft und der Menschheit. Frank Körner kennt jedes eigene Motiv und erzählt von Prometheus, der weiß, Feuer zum Schmelzen von Metallen zu verwenden. Auch die Geschichte des Geldes und historische Details zu Münzprägung, Ackerbau, Handel und Technik wurden in den Jahren 1798 bis 1800 von Gottfried Schadow in Sandstein gemeißelt. Jeder Meter dieses wertvollen Kunstwerks ist voller Geschichte(n).

Tickets im Museumsshop des FHXB-Museums

Es ist recht kühl im alten Gemäuer, und es gibt viel zu sehen sowie Neues zu erfahren. Und neben dem großartigen Gefühl, gerade die Unterwelt zu entdecken, die lange verborgen war, erfreuen die Skulpturen, Anekdoten, Sagen. Besonders die zahlreichen Fakten erwärmen dabei Herz und Hirn.

Wer dabei sein möchte, kann während der Öffnungszeiten im Museumsshop des FHXB-Friedrichshain-Kreuzbergs-Museums Tickets erwerben. Unter der Telefonnummer (030) 50585232 kann eingeschränkt die Kartenverfügbarkeit abgefragt werden. Eine telefonische oder schriftliche Kartenreservierung ist nicht möglich. Pro Person können maximal fünf Tickets verkauft werden. Ab zehn Personen können separate Termine vereinbart werden.

Die nächsten Termine für eine Führung:

Donnerstag, 21.08.2025, um 17.30 Uhr
Donnerstag, 18.09.2025, um 17.00 Uhr
Donnerstag, 09.10.2025, um 16.30 Uhr

Tickets: 10 Euro pro Person