Im Februar 1940 wurde Renate Hellwig in Schlesien geboren. Mit dem Kriegsende kam die Familie nach München. „Dort lebte der Bruder meines Vaters, sodass es sich anbot, dass wir uns dort niederlassen.“ Während ihres Studiums in den 1960er Jahren lebte die Juristin bereits eine Weile in Berlin. Sie studierte drei Semester an der Freien Universität (FU). „Meine Mutter hatte eine Tante in Steglitz und fand es eine gute Idee, wenn ich für eine Zeit nach Berlin gehe. Sie hat mich sogar selbst mit dem Auto, einem alten BMW, hingefahren. Kaum in Berlin angekommen, machten die beiden erstmal Halt am Kudamm – für eine Currywurst mit Champagner.
Die Semester in Berlin seien für sie eine sehr prägende Zeit gewesen. „Das waren für mich die Anfänge meines politischen Interesses. Da musste man sich einfach engagieren.“ Damals war die Grenze innerhalb Berlins noch offen. Unter den Studierenden der Universitäten in Ost und West gab es viel Austausch. „Wir haben uns regelmäßig mit Studenten und Professoren – auch aus Ostberlin – getroffen und diskutiert.“ Sie engagierte sich in der evangelischen Hochschulgruppe. Auch ins Studentenparlament ließ sie sich als Vertreterin wählen und stellte schon damals fest, dass es von Vorteil gewesen wäre, einer politischen Partei anzugehören. Ihr Vater war als Unternehmer zwar engagierter FDP-Wähler, aber kein Parteimitglied. „Er meinte immer: ‚In Bayern muss man ja in der CSU sein, aber dann muss man auch bei der Fronleichnamsprozession mitlaufen.‘ Das kam für ihn aber nicht infrage. Wir waren schließlich protestantisch.“