Vorstellung des Energiebeauftragten Claus Moog

Claus Moog

Der 5. März ist der internationale Tag des Energiesparens. Er soll Menschen auf Energiesparpotenziale aufmerksam machen. Bei unserem Kollegen Claus Moog ist in gewisser Weise jeder Tag Energiespartag. Seit 2018 ist er Energiebeauftragter im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Die Funktion wurde vorher von der damaligen Fachgruppenleitung Heizung-Lüftung-Sanitär im Bereich Hochbau des bezirklichen Facility Managements neben den originären Aufgaben ausgeübt. „Durch die Doppelfunktion konnte das Thema nicht adäquat betreut werden. Es geht ja um das Thema Energiewende – das kann man nicht nebenbei machen.“ Mit der Schaffung einer eigenständigen Stelle für das Thema wurde diese abgekoppelt. Inzwischen gibt es die Funktion des*der Energiebeauftragten in allen zwölf Berliner Bezirken. Die Kolleg*innen arbeiten eng in einem Netzwerk zusammen und treffen sich regelmäßig zu Arbeitsaustauschen mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU).

Schornsteinfeger

Gelernter Schornsteinfeger

Der gebürtige Hesse machte in seiner Heimat eine Ausbildung zum Schornsteinfeger und arbeitete dort erst als Geselle und anschließend als Meister in diesem traditionsreichen Handwerksberuf. Nebenbei macht er an der Abendschule sein Abitur und ließ sich zum Energieberater weiterbilden. „Das ist ein Beruf, der klassisch mit Emissionsschutz und Energieeinsparung zu tun hat und hat damit viele Verbindungen zu dem, was ich jetzt mache.“ Durch die europäische Harmonisierung der Gesetzgebung stand das klassische Schornsteinfegerhandwerk vor großen Veränderungen, womit eine gewisse Unsicherheit und Zukunftsangst einherging. So entschied sich Claus Moog für einen Wechsel nach Berlin und ein Studium an der damaligen Beuth-Hochschule (heute: Berliner Hochschule für Technik) im Wedding. Dort absolvierte er ein Bachelor-Studium für Gebäude-und Energietechnik und schloss einen Master in Gebäude- und Energiemanagement an. Im Studium lag ein großer Schwerpunkt auf den Bereichen Heizung, Lüftung und Gebäudeautomation.

Danach arbeitete er einige Jahre für verschiedene Planungsbüros. In dieser herausfordernden Zeit mit teils ausbeuterischen Tendenzen habe er richtig viel gelernt, was er nun im Arbeitsalltag regelmäßig nutzen könne. Dazu gehören beispielsweise dynamische Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, die über längere Zeiträume prognostizieren, wie schnell sich Maßnahmen amortisieren, oder die Feinheiten der Vorplanung und Entwurfsplanung. „Mir wurde klar, dass das Arbeiten in klassischen Planungsbüros für mich auf Dauer nicht funktioniert, sodass ich über einen Wechsel in den öffentlichen Dienst nachgedachte.“ Den Hinweis auf die Stellenausschreibung in Friedrichshain-Kreuzberg bekam Claus Moog von einem Bekannten, der selbst im Bezirksamt arbeitet.

Solaranlage Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda

Jedes Jahr kommen neue Solaranlagen hinzu

Seine Rolle hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt. „Energiewende – das Thema wächst und verändert sich.“ Auch ihm sei zu Beginn seiner Tätigkeit nicht vollumfänglich bewusst gewesen, was die Energiewende bedeute und koste. Anfangs sei es im Amt, sowohl im eigenen Fachbereich als auch in der Zusammenarbeit mit den anderen Ämtern herausfordernd gewesen, neue Projekte und neue Techniken zu etablieren. Beim Thema Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) sei er anfangs auf Sorgen und Ängste gestoßen. „Das war auch ein Lernprozess bei mir. Die entscheidenden Fragen waren: Wo und wie muss ich die Leute abholen?“ Geholfen habe ihm neben Geduld auch die starke Unterstützung seiner Führungskräfte.

Inzwischen haben sich die PV-Anlagen auf bezirkseigenen Immobilien, die in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, errichtet werden, etabliert. 30 PV-Anlagen gibt es nun auf den Dächern von Schulen, Bibliotheken und anderen bezirklichen Gebäuden. Gerade wurden Verträge für zwölf weitere Anlagen mit einer Gesamtleistung von 0,92 MW/Peak unterzeichnet, die in diesem und nächstem Jahr auf den Dächern der bezirklichen Liegenschaften installiert werden. „Das ist inzwischen ein stetiger und gut funktionierender Prozess. Es gibt kein Jahr mehr, in dem wir nicht ein neues Paket an PV-Anlagen im Bezirk bekommen.“

Podium Pressekonferenz

Vom Einzelkämpfer zum Gruppenleiter

Zu Beginn seiner Tätigkeit vor sieben Jahren war Claus Moog der einzige in seinem Fachbereich, der sich explizit um die Themen der Energiewende kümmerte. Inzwischen wurde eine eigene Fachgruppe innerhalb des Fachbereichs Hochbau aufgebaut, die er leitet. Die Fachgruppe „Nachhaltiges-Gebäude-und Energiekostenmanagement“ besteht seit knapp einem Jahr und hat insgesamt fünf Mitarbeiter*innen. Ein Kollege wurde hierzu neu eingestellt, der Rest des Teams kommt aus dem Hochbau des Bezirksamtes.

Eine besonders enge Zusammenarbeit pflegt der Energiebeauftragte auch mit dem Klimaschutzbeauftragten des Bezirksamtes. „Wir haben bei unseren Themen eine große Überschneidung und eine sehr gute Zusammenarbeit.“ Denn auch bei Claus Moog und seiner Fachgruppe steht der Klimaschutz im Fokus.

Die Arbeit von Claus Moog und seinem Team bezieht sich auf das Gebäudeportfolio des Bezirksamtes. Insgesamt sind das rund 300 bezirkliche Liegenschaften – neben Schulgebäuden, Kitas, Jugend- und Familienzentren sowie weitere kommunale Infrastruktur gehören dazu auch die Dienstgebäude des Bezirks. „Mit diesen Gebäuden streben wir eine echte Vorbildfunktion in Sachen Energiewende an.“ Da gehe es einerseits darum, CO2 zu sparen, aber auch Primärenergie und Endenergie, also Gas und Strom. Das laufe zum Teil über die Sanierung und Dämmung der Bestandsgebäude. Aufgrund begrenzter finanzieller Ressourcen für derlei Investitionen haben umfangreiche Sanierungen über die bezirkliche Investitionsplanung jedoch jahrelange Vorläufe. „Da geht es nach dem Prinzip worst first – die Gebäude, die im schlimmsten Zustand sind, kommen zuerst dran.“ Um die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes und des Berliner Energiewendegesetzes fristgerecht zu erfüllen, bedarf es daher weiterer Maßnahmen. „Wir schauen also, was wir zusätzlich bei den Gebäuden machen können, die vor einigen Jahren bereits saniert wurden oder solchen, deren Sanierung erst in vielen Jahren ansteht.“ Neben möglichen Heizungsmodernisierungen und dem Ausbau von PV-Anlagen sind es teilweise auch kleinere Maßnahmen mit großen Einsparpotenzialen. Auch das Messbarmachen der Maßnahmen ist ein wichtiger Teil der Arbeit. „Wenn wir zeigen können, wie viel Geld wir mit unseren Projekten gespart haben, ist das ein großer Vorteil.“

Heizung der Hunsrück-Grundschule

Smarte Technologie in bezirklichen Gebäuden

Ein Projekt, das Claus Moog vorangetrieben hat, ist der Einsatz einer thermohydraulischen und adaptiven Heizkreisregelung, mit denen das Bezirksamt hunderte Tonnen an Kohlenstoffdioxid, End-und Primärenergie, aber auch Energiekosten spart. Mit dem Einbau dieser selbstlernenden Heizkreisregelung in Schulgebäuden, an Bibliotheksstandorten und der Volkshochschule am Wassertorplatz konnte Friedrichshain-Kreuzberg große Schritte zum Erreichen der Klimaziele vorangehen. Die Maßnahme stellte der Energiebeauftragte auch seinen Kolleg*innen aus den anderen Bezirken vor. Sechs von ihnen griffen die Idee auf und nutzen die Technologie nun auch in Gebäuden ihrer Bezirke. „Das zeigt, wie gut wir über unser Netzwerk auch Best Practices weitergeben können. Nicht jeder Bezirk muss das Rad neu erfinden. Vielfach hilft es, zu schauen, was die anderen machen.“
Der Energiebeauftragte und seine Kolleg*innen arbeiten mit ihrer Energieeffizienzplanung daran, Strom- und Wärmeverbräuche effizienter zu gestalten. Zwar hätten Heizungen und Netze in den bezirklichen Gebäuden häufig konstruktionsbedingte Schwächen, jedoch gebe es heute am Markt viele innovative Ideen, wie die neue smarte Heizkreisregelung. „Die Technologie spart an einer Stelle Energie, die wir vorher gar nicht im Blick hatten. Die Herausforderung für uns ist es, diese Art der Lösungen und Technik zu finden und im großen Stil in unseren Gebäuden zu nutzen.“ Ein ähnliches Projekt wird nun als Pilot auch zum Einsparen von Strom umgesetzt.

Ein weiteres Zukunftsthema für Claus Moog und sein Team ist die Wärmewende. Zwar werde die kommunale Wärmeplanung für Berlin durch die SenMVKU erstellt, doch auch die Bezirksämter seien hier involviert. „Wir müssen genau schauen, wie wir sinnvoll agieren, wenn heute ein Gasheizkessel in einem unserer Bestandsgebäude kaputtgeht und passende Lösungen und Strategien erarbeiten.“ Ein kurzfristiger Umstieg auf eine Wärmepumpe sei in den meisten Fällen nicht möglich. Hier müssen im Vorfeld zahlreiche Fragen, etwa nach ausreichender Stromversorgung, geklärt werden. Claus Moog arbeitet kontinuierlich daran, dass die Rahmenbedingungen für die Energiewende geschaffen werden.