Bildungsreise nach Auschwitz: Junge Menschen aus Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow auf den Spuren der Erinnerung

Die Gruppe von Auszubildenden aus den Bezirksämtern Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow sowie mehrere Schüler*innen der Louise-Schroeder-Schule auf ihrer Bildungsreise nach Auschwitz und Krakau.

Die Gruppe von Auszubildenden aus den Bezirksämtern Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow sowie mehrere Schüler*innen der Louise-Schroeder-Schule auf ihrer Bildungsreise nach Auschwitz und Krakau.

Eine Gruppe von Auszubildenden aus den Bezirksämtern Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow sowie mehrere Schüler*innen der Louise-Schroeder-Schule (OSZ LSS) begaben sich in der vergangenen Woche gemeinsam auf eine Bildungsreise nach Auschwitz und Krakau. Diese intensive Gedenkstättenfahrt brachte die jungen Menschen nicht nur an historische Orte deutscher Geschichte, sondern zeigte auch, wie wertvoll gemeinsames Lernen über Bezirksgrenzen hinweg sein kann.

Nach einer siebenstündigen Busfahrt erreichte die Gruppe ihre Unterkunft in Oświęcim (Auschwitz). Gleich am ersten Abend erkundeten die Teilnehmer*innen das Stadtzentrum mit dem Marktplatz und erlebten bei einer Nachtwanderung entlang des Stammlagers I die bedrückende Atmosphäre des Ortes – ein erster, stiller Zugang zur Vergangenheit.

Auf dem Foto sind Teilnehmer*innen der Bildungsreise in Krakau zu sehen.

Auf den Spuren jüdischen Lebens in Krakau

Der zweite Tag führte die Gruppe nach Krakau. Am Eingang der berühmten Oskar-Schindler-Fabrik bekamen sie Einblicke in das außergewöhnliche Handeln Schindlers und die Geschichte der Stadt unter deutscher Besatzung. Im Anschluss besichtigte die Gruppe das ehemalige jüdische Ghetto, bewegende Drehorte des Films „Schindlers Liste“ sowie den Ghetto-Helden-Platz mit seinem bekannten Stuhl-Mahnmal.

Besonders eindrucksvoll war der Besuch im jüdischen Viertel Kazimierz und in einer der historischen Synagogen. Hier spürten die Teilnehmer*innen der reichen jüdischen Geschichte und Kultur nach, die durch die Shoah nahezu ausgelöscht wurde.

Teilnehmer*innen der Bildungsreise in der Gerhard-Richter-Ausstellung in Oświęcim.

Dialog und Reflexion

Am dritten Tag begrüßte Elżbieta Wronka, die Direktorin des Centrums für Dialog und Gebet in Oświęcim, die Teilnehmenden mit einem einfühlsamen Vortrag über die Geschichte, den Auftrag und die besondere Bedeutung des Hauses. Hier wohnte die Gruppe die gesamte Woche und das Haus wurde so für alle zu einem Ort des Innehaltens, Austausches und gemeinsamer Reflexion. Im Anschluss stand der Besuch der Gerhard-Richter-Ausstellung auf dem Programm. Ein Mitarbeiter des Centrums führte die Gruppe durch die beeindruckende Ausstellung, insbesondere durch den Birkenau-Zyklus von Gerhard Richter. Die Gemälde und Installationen, die sich mit der künstlerischen Darstellbarkeit der Shoah auseinandersetzen, boten Anlass zu intensivem Dialog und kritischer Reflexion innerhalb der Gruppe. Die Teilnehmenden tauschten sich über die Wirkung der Werke und die Grenzen sowie Möglichkeiten künstlerischer Erinnerungskultur aus.

Die eindrücklichste Erfahrung dieses Tages bildete schließlich die ausgedehnte, vierstündige Führung durch das Stammlager I von Auschwitz. Hier wurde die Gruppe eindringlich mit den historischen Zeugnissen der nationalsozialistischen Verbrechen sowie den Lebens- und Leidensgeschichten der Opfer konfrontiert – eine Begegnung, die niemanden unberührt ließ.

Das Foto zeigt das Stammlager I von Auschwitz.

Auseinandersetzung und neue Perspektiven

Am vierten Tag arbeiteten die Teilnehmer*innen in Kleingruppen an Themen, die der Gruppe während der Reise begegnet waren: Erinnerungen an den Vortag im Stammlager, aktuelle politische Entwicklungen und Antisemitismus in Deutschland sowie jüdisches Leben in Berlin. Die intensive Auseinandersetzung verdeutlichte, wie unmittelbar Vergangenes und Gegenwärtiges miteinander verbunden sind. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Jüdischen Museums Oświęcim („Oszpicin“). Die Führung eröffnete Einblicke in über 400 Jahre jüdischer Stadtgeschichte und zeigte spürbar, wie lebendig und vielfältig jüdisches Leben vor der Shoah auch in Oświęcim war. Beim anschließenden Gang durch die Stadt und den jüdischen Friedhof wurde dies besonders greifbar.

Der Tag endete mit einer vierstündigen, sehr eindrücklichen Führung durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – ein stiller, aber umso nachdrücklicherer Abschluss der Gedenkstättenbesuche.

Das Foto zeigt die Teilnehmer*innen der Bildungsreise in Auschwitz.

Gemeinschaft über Bezirksgrenzen hinweg

Das Besondere dieser Reise: Neben Auszubildenden aus Friedrichshain-Kreuzberg waren auch Azubis aus dem Bezirksamt Pankow und Schüler*innen der Louise-Schroeder-Schule dabei.

Trotz verschiedener beruflicher Hintergründe verbindet sie alle das gemeinsame Lernen an der Louise-Schroeder-Schule.

Die gemeinsamen Erfahrungen, die Gespräche und das Gedenken schweißten die Gruppe eng zusammen und ermöglichten Begegnungen über Bezirks- und Institutionsgrenzen hinaus.

Pädagogische Begleitung und nachhaltige Wirkung

Durch die gesamte Woche begleiteten Franziska Fischer, Fachlehrerin für Geschichte und Biologie, und Hanna Häbel, Fachlehrerin für Geschichte und Biologie, beide von der Louise-Schroeder-Schule, sowie Lothar Schnepp, Gedenkstättenpädagoge an der Jugendbildungsstätte Haus Kreisau, die Teilnehmenden mit viel Empathie und hoher Fachkompetenz. Sie leiteten die Gruppe sensibel durch die anspruchsvollen Themen und sorgten für einen geschützten Raum, in dem Fragen, Gefühle und Gedanken Platz hatten – eine wertvolle Unterstützung, um das Erlebte einzuordnen und für sich zu verarbeiten.

Erinnern verpflichtet – für jetzt und die Zukunft

Nach einem gemeinsamen Frühstück am letzten Tag trat die Gruppe die Rückreise nach Berlin an – um viele Erfahrungen, neue Freundschaften und tiefer Eindrücke reicher. Die jungen Menschen kehren als Botschafter*innen der Erinnerung in ihre Bezirke und Schulklassen zurück. Sie nehmen die zentrale Botschaft der Reise „Nie wieder ist jetzt“ mit in ihren Alltag und ihr künftiges berufliches Wirken.

Gerade in einer Zeit, in der Hass und Hetze wieder lauter werden, sind solche Bildungsreisen wichtiger denn je. Denn Demokratie lebt vom Engagement ihrer Bürger*innen – und von einer Erinnerungskultur, die nie verstummen darf.