BSR-Kieztag in Friedrichshain – Großer Andrang in der Liebigstraße

Der BSR-Kieztag in der Friedrichshainer Liebigstraße begeistert große und kleine Menschen

Der BSR-Kieztag in der Friedrichshainer Liebigstraße begeistert große und kleine Menschen

In Kooperation mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bietet die BSR Berliner Stadtreinigung regelmäßig Kieztage an. Diese sind für die Nachbarschaft eine sehr gute Gelegenheit, Kaputtes, Ungenutztes und Altes kostenfrei und wohnortnah abzugeben. Alles, was zu schade zum Wegwerfen ist, kann getauscht oder verschenkt werden.

Die Anwohner*innen der Friedrichshainer Liebigstraße beweisen am Dienstag, einem frostig-sonnigen Wintertag, dass es für einen belebten BSR-Kieztag nie zu kalt ist. Schon lange vor dem Start wartet der erste Sperrmüll am angegebenen Treffpunkt auf die erlösende Presse der Berliner Stadtreinigung. Zwei große Müllwagen der BSR positionieren sich auf dem Kopfsteinpflaster, und geräumige Rollwagen bieten auf dem Bürgersteig ausreichend Stauraum für allerlei Elektroschrott und Textilien.

Alles, was zu schade zum Wegwerfen ist, kann hier getauscht oder verschenkt werden

Alles, was zu schade zum Wegwerfen ist, kann hier getauscht oder verschenkt werden

Im Minutentakt finden sich neue Besitzer*innen

Pünktlich ab 13 Uhr kommen die Anwohner*innen vollbepackt aus unzähligen Hauseingängen und steuern direkt auf die riesigen mobilen Müllpressen zu. Der Gehweg der Liebigstraße füllt sich mehr und mehr. Unter den kritischen Augen der Mitarbeiter*innen der Berliner Stadtreinigung endet eine Parade von Dingen, die lange im Keller, in Kisten oder Schränken lagen, oder für die die Kinder inzwischen zu alt geworden sind. Hier wird entschieden, ob der Sperrmüll gepresst und damit entsorgt wird, oder ob die Dinge eine zweite Chance bekommen. So haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich passende Stücke auszusuchen und mitzunehmen.

Allein in der ersten Stunde besuchten über 200 Menschen, mit und ohne Gepäck den Kieztag. Komplette Bettgestelle, originalverpackte Jalousien, neuwertige Küchenschränke, Puppenhäuser, Wasserkocher, Staubsauger, Ventilatoren, Kinderfahrräder, große Meerschweinchen-Käfige, Inlineskates, Blockflöten, eine Kinderküche und vieles mehr ist einfach noch zu neu und zu gut zum Wegwerfen. Im Minutentakt finden sich neue Besitzer*innen, die alles, was sie gebrauchen können, kostenfrei mitnehmen dürfen.

Unterschiedlicher können die Emotionen der Besucher*innen nicht sein: Während die meisten mit einem Siegerlächeln im Gesicht das „neue“ Fahrrad schieben, oder glücklich Mini- Puppen-Kochgeschirr für die Enkelin in den Einkaufsbeutel packen, heißt es für Silvia aus Friedrichshain Abschied nehmen: Liebevoll knuddelt sie den teenagergroßen Plüschbären, der vor mehr als 20 Jahren als Werbestar für die Marke „Toffifee“ hergestellt wurde: „Das ist Toffi, der Bär meiner Tochter. Sie ist jetzt groß, es wird Zeit, dass er jetzt ein anderes Kind glücklich macht.“

Silvia aus Friedrichshain freut sich darüber, dass Familien-Bär Toffi neue Menschen findet, die ihn lieben werden

Silvia aus Friedrichshain freut sich darüber, dass Familien-Bär Toffi neue Menschen findet, die ihn lieben werden

Freude und Abschied - Unterschiedliche Emotionen der Besucher*innen

So richtig wohl ist ihr dabei nicht, denn Bär Toffi war damals ein Geschenk vom Chef ihres Mannes, der bei Storck arbeitet. Tapfer versichert sie sich noch einmal, dass der Bär auf keinen Fall in der Müllpresse landet, krault ihn noch einmal zwischen den Ohren und lobt dabei den Kiez-Tag: „Ich habe extra darauf gewartet, weil ich finde, dass es ist ein sehr guter Service ist, den der Bezirk hier direkt vor der Haustür bietet. Die Chance ist doch sehr groß, dass hier noch gute Sachen in ebenso gute Hände kommen, und dort auch Freude machen.“

Begeistert zeigen sich auch die Eltern eines fast dreijährigen Kindes aus der Nachbarschaft: „Wir haben wunderschöne Kleinigkeiten gefunden, die wir einfach nicht hierlassen konnten. Und unseren Sperrmüll sind wir auch losgeworden, ohne, dass wir uns groß um den Transport kümmern mussten. Das ist wirklich perfekt. Besser geht’s nicht!“

Auf dem Bürgersteig wächst derweil das Angebot an weißer Ware: Kühlschränke mit und ohne Gefrierfach, Zweiplatten-Elektroherde für den nächsten Campingurlaub, Mikrowellengeräte und ein schmaler Geschirrspüler der Marke Siemens reihen sich aneinander. Gleich daneben stapelt ein junger Mann alte große Matratzen. Dort dürfen sie nicht bleiben, denn sie sind reif für die direkte Entsorgung. „Unhygienisch, das muss weg“, entscheidet ein Mitarbeiter der BSR.

Immer wieder kommt eine Frau aus dem Nachbarhaus mit einem gefüllten Handwagen an die Sammelstelle. Mal ist der Wagen mit Aktenordnern gefüllt, mal mit Kartons, auch Kleidung und Bilderrahmen gibt sie ab. Für sie ist der BSR-Kieztag ein Glückfall: „Wir sind eine Hausgemeinschaft. Im Laufe der Zeit sammelt sich im Keller einiges an. Wir sind sehr froh, dass wir alles kostenlos direkt vor der Haustür entsorgen können. So müssen wir keinen Transporter mieten. Das ist wirklich toll!“

Bezirksstadträtin Annika Gerold, hier mit einer Mitarbeiterin der BSR und einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes, war am Sammelpunkt

Bezirksstadträtin Annika Gerold, hier mit einer Mitarbeiterin der BSR und einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes, war am Sammelpunkt

Große Auswahl für Familien

Mit einem Wasserkocher in der linken Hand versucht ein junger Vater aus der Nachbarschaft mit der rechten Hand, eine Spielesammlung auf Vollständigkeit zu überprüfen. Gleichzeitig hält ihm jemand eine große Papiertüte mit neuwertigen Stofftieren direkt vor die Nase. Man sieht seinen leidenden Gesichtsausdruck, denn jetzt hat er ein Problem: Die Spielesammlung fallen lassen, um die tollen Tiere zu überprüfen, die wirklich toll aus der Tüte schauen? Oder ist der Wasserkocher wichtiger? Er spricht eine Frau an, die neben ihm steht, und bittet sie, „seine“ Tüte mit den Stofftieren einen Moment zu halten. Wenig später trägt er die Spielesammlung, den Wasserkocher und auch die Tüte mit den Tieren lächelnd nach Hause zu seinen Kindern.

Seit 1985 hatte eine Anwohnerin Meerschweinchen und liebte sie. „Aber, man darf die Tiere nie allein im Käfig lassen. Wenn eins stirbt, muss man ein Neues kaufen. Da kommt man schwer raus.“ Den Ausstieg aus der Meerschweinchenspirale hat sie nun geschafft. Inzwischen passt sie auf die Katzen von Freunden auf, wenn diese im Urlaub sind.

Also trägt sie die beiden sehr gut erhaltenen, riesigen Meerschweinchen-Käfige samt Reisebox, Spielzeug und Pflegeanleitung zum Sammelpunkt. Sie freut sich, dass sie alles in einem sehr guten Zustand einem Liebhaber der kleinen Nagetiere weitergeben kann: „Eine tolle Gelegenheit! Sie haben eine Weile bei mir herumgestanden. Jetzt bin ich mir sicher, dass ich bei den Pflegekatzen bleibe. Sie sind nicht ständig bei mir, so habe ich mehr Freiraum für mich.“

Die nächsten BSR-Kieztage in Friedrichshain-Kreuzberg

Es bleibt tierisch, denn jetzt geht ein Raunen durch die Menge. Ein junger Mann aus dem Kiez hat den Bär Toffi entdeckt. Kaum hat er ihn gesehen, hält er ihn auch schon im Arm: „Ist der schön, darf ich den meine Nichte mitnehmen? Das ist genau der richtige Freund für meine Nichte, sie ist zwölf Jahre alt.“ Er darf ihn mitnehmen. Toffi musste also nicht lange auf sein neues Bärenleben warten. Wie fast alle anderen Dinge findet er schnell neue Menschen, die sich über ihn freuen und auch den nötigen Platz haben.

Alle Anwohner*innen, die diesem Tag lange entgegengefiebert und mitgemacht haben, machten ihn für alle Beteiligten zu einem vollen Erfolg! Tauschen, verschenken und umweltfreundlich entsorgen erfüllte die Herzen und leerte die Keller.

Der nächste Kieztag findet am 26. Februar von 13 bis 18 Uhr am Chamissoplatz statt. Der nächste Termin in Friedrichshain ist am 25. März von 13 bis 18 Uhr am Wühlischplatz. Weitere Informationen dazu finden sich auch in unserer Pressemitteilung.