Pünktlich ab 13 Uhr kommen die Anwohner*innen vollbepackt aus unzähligen Hauseingängen und steuern direkt auf die riesigen mobilen Müllpressen zu. Der Gehweg der Liebigstraße füllt sich mehr und mehr. Unter den kritischen Augen der Mitarbeiter*innen der Berliner Stadtreinigung endet eine Parade von Dingen, die lange im Keller, in Kisten oder Schränken lagen, oder für die die Kinder inzwischen zu alt geworden sind. Hier wird entschieden, ob der Sperrmüll gepresst und damit entsorgt wird, oder ob die Dinge eine zweite Chance bekommen. So haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich passende Stücke auszusuchen und mitzunehmen.
Allein in der ersten Stunde besuchten über 200 Menschen, mit und ohne Gepäck den Kieztag. Komplette Bettgestelle, originalverpackte Jalousien, neuwertige Küchenschränke, Puppenhäuser, Wasserkocher, Staubsauger, Ventilatoren, Kinderfahrräder, große Meerschweinchen-Käfige, Inlineskates, Blockflöten, eine Kinderküche und vieles mehr ist einfach noch zu neu und zu gut zum Wegwerfen. Im Minutentakt finden sich neue Besitzer*innen, die alles, was sie gebrauchen können, kostenfrei mitnehmen dürfen.
Unterschiedlicher können die Emotionen der Besucher*innen nicht sein: Während die meisten mit einem Siegerlächeln im Gesicht das „neue“ Fahrrad schieben, oder glücklich Mini- Puppen-Kochgeschirr für die Enkelin in den Einkaufsbeutel packen, heißt es für Silvia aus Friedrichshain Abschied nehmen: Liebevoll knuddelt sie den teenagergroßen Plüschbären, der vor mehr als 20 Jahren als Werbestar für die Marke „Toffifee“ hergestellt wurde: „Das ist Toffi, der Bär meiner Tochter. Sie ist jetzt groß, es wird Zeit, dass er jetzt ein anderes Kind glücklich macht.“