Von der Polizei zum Ordnungsamt: „Das waren komische Zeiten!“

Krause Schulze Klein

Vor 20 Jahren sind in Berlin die Ordnungsämter entstanden. Hierfür wurden Aufgaben, die vorher in anderen Behörden lagen, bei den Bezirken im neuen Amtsbereich zusammengefasst. Dazu gehörte auch die Verkehrsüberwachung, die vormals bei der Polizei lag. Kolleginnen, die diese Veränderungen miterlebt und den Wechsel vom Polizeidienst selbst mitgemacht haben, sind M. Klein, B. Krause und K. Schulze. Alle drei haben zu Polizei-Zeiten gemeinsam in der Direktion 5 zusammengearbeitet. „Man kennt sich.“ Im Büro ihres Amtsleiters in der Petersburger Straße erinnern die drei sich bei Kaffee und Keksen an die verrückten Zeiten von damals.

Ordnungsamt Außendienst

Hunderte von Bewerbungen auf freie Stellen im Verkehrsüberwachungsdienst

Frau Krause begann 1995 bei der Polizei als Tarifangestellte im Verkehrsüberwachungsdienst – im Volksmund als Politesse bekannt. Damals kamen auf fünf freie Stellen meist hunderte von Bewerbungen. Infrage kamen wohl nur Bewerber*innen mit abgeschlossenen Berufsausbildungen – in ihrem Fall als Kosmetikerin und Visagistin. Vor ihrem Karrierewechsel war sie im Hotel Berlin am Lützowufer im Sauna- und Wellnessbereich beschäftigt. In einem mehrmonatigen Lehrgang wurden Frau Krause und ihre Kolleginnen nach der Einstellung bei der Polizei für die Tätigkeit im Außendienst qualifiziert.

Nach dem Wechsel zum Ordnungsamt war sie einige Jahre im Bezirk Lichtenberg tätig, bis sie 2008 nach Friedrichshain-Kreuzberg wechseln konnte, was bereits zur Umstrukturierung ihr genannter Wunschbezirk gewesen war. Bis Ende 2023 war Frau Krause im allgemeinen Ordnungsdienst eingesetzt. Seit 2024 arbeitet sie in der Zentralen Anlauf- und Beratungsstelle (ZAB) des Amtes – am Schreibtisch und hätte nie vermutet wie abwechslungsreich die Arbeit im Innendienst sein kann. „Es ist schon ungewohnt, nach 30 Jahren Außendienst nicht mehr aktiv vor Ort am Bürger zu sein.“ Aber die Zeit für Veränderungen war gekommen.

In der ZAB arbeitet sie mit ihrer langjährigen Kollegin Frau Schulze zusammen. Diese hatte in den 1980er Jahren den Beruf der Floristin gelernt. „Ein kreativer, aber undankbarer Job mit schwierigen Arbeitszeiten und wenig Geld, selbst nach dem Auslernen.“ So wechselte sie 1986 zur Polizei und erhielt eine der sechs ausgeschriebenen und heiß begehrten Stellen im Verkehrsüberwachungsdienst. Der erste Abschnitt, auf dem sie bis zur Geburt ihres ersten Kindes 1991 eingesetzt war, lag am Kaiserdamm in Charlottenburg. Nach der Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub stand sie vor Herausforderungen in der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie. Damals gab es nur wenige Kitaplätze, sodass ihr Sohn bei einer Tagesmutter betreut wurde. Um die Wege zwischen ihrer Wohnung, der Tagesmutter und dem Abschnitt zu verkürzen, auf dem sie eingesetzt war, bat Frau Schulze um Versetzung in die Direktion 5.

Ordnungsamt Außendienst

Wechsel in den Innendienst

2009 wechselte Frau Schulze in den Innendienst. Nach über 20 Jahren Außendiensttätigkeit wollte sie mich neue Herausforderungen stellen und nicht mehr im Schichtdienst arbeiten. So wurde sie zum „Gründungsmitglied“ der ZAB, in der aktuell vier Personen arbeiten. Das Team bearbeitet unter anderem Veranstaltungsanfragen, aber auch die Anliegen, die über „Ordnungsamt online“ eingehen und das zentrale Beschwerdetelefon des Amtes. Auch für Reisegewerbekarten, Gewerbeauskünfte, Marktfestsetzungen und Gestattungen für den Ausschank von Alkohol ist die ZAB zuständig. Da das Ordnungsamt kontinuierlich wachse und sich verändere, änderten sich auch die Aufgaben des ZAB-Teams.

„Der Job ist vielseitig und macht Spaß.“ Die Hochsaison beginne im März, wenn das Wetter besser wird und laufe dann bis Oktober. Vor dem Advent seien sie dann vor allem mit Genehmigungen für Weihnachtsbaumverkäufe und ähnlichem beschäftigt. „Wenn draußen das Leben tobt, dann tobt es auch bei uns auf dem Schreibtisch“, fasst Frau Schulze es zusammen.

Der Berufsweg von Frau Klein begann mit einer Ausbildung als Frisörin in Britz. Sie wechselte elf Monate nach Ausbildungsende als Qualitätskontrolleurin zur Firma B. Braun nach Rudow. Als diese Stelle Umstrukturierungen zum Opfer fiel, bewarb sie sich so lange bei der Polizei, bis sie 1995 genommen wurde – und fing im Juli dort an – gemeinsam mit Frau Krause. „Wir waren im gleichen Schulungsdurchgang und sind anschließend auch in der gleichen Direktion gelandet.“ Später kam dann auch die Dritte im Bunde – Frau Schulze hinzu.

Schwerpunkteinsatz

Kreuzberg als Erst-, Zweit- und Drittwahl

„Das war eine super coole Zeit – und wir waren ein super Team“, schwärmen die drei Kolleginnen unisono – und ergänzen: „Wir waren noch so jung.“ Besonders gern haben die drei in dieser Zeit gemeinsam Früh- oder Spätschichten absolviert. Als sich herausstellte, dass die Kolleginnen in die Bezirksämter wechseln müssen, war Frau Klein klar, dass sie in Kreuzberg bleiben will. „Wir konnten drei Bezirke nennen – und ich habe dreimal Kreuzberg draufgeschrieben.“

Vor zehn Jahren wechselte Frau Klein dann in den Innendienst und wurde Teamleiterin für die Parkraumbewirtschaftung – erst für Friedrichshain, wo rund um den Ostbahnhof und am Ring-Center die ersten bewirtschafteten Zonen eingerichtet wurden. 2018 ging sie dann nach Kreuzberg. „Ich habe ein Herz für Kreuzberg!“ Dort führt sie ein Team von 15 Personen. Manchmal würde sie gern selbst noch rausgehen und dort mitarbeiten. „Aber ich bin müde, zu streiten.“ Die Bürger*innen hätten sich im Kontakt extrem verändert. Immer häufiger hätten sich im Außendienst Unbeteiligte eingemischt. Daher sei die Entscheidung richtig, nicht mehr im Außendienst aktiv zu sein. „Der Wechsel kam für mich genau zur richtigen Zeit.“

Fahrradstaffel

Uniformen, Funkgeräte und Autos - was braucht ein Außendienst?

Am 1. September 2004 traten sechs ehemalige Polizeiangestellte im Verkehrsüberwachungsdienst, im Dienstgebäude des Bezirksamtes am Halleschen Ufer ihren Dienst an. Das Gebäude hatte lange Zeit leergestanden. Es sei nicht im besten Zustand gewesen und die Abflüsse hätten gestunken. „Wir mussten jeden Morgen erstmal heißes Wasser draufkippen!“

Ihre Dienstuniform mussten die Kolleginnen selbst mitbringen, weil es in den Bezirksämtern bis dato keine gegeben hatte. Dafür mussten die Mitarbeiterinnen vor dem Wechsel ihre Kleidungsstücke in die Nähstube der Polizei bringen. Dort wurde über das Dienstwappen der Polizei das des jeweiligen Bezirkes genäht und auf dem Rücken der Uniform der Schriftzug „Ordnungsamt“ draufgeflockt. „Wie die Lumpenliesel kamen wir da im September an“, erinnert sich Frau Krause.

„Die Amtsleitung wollte uns dann, als wir morgens den Dienst angetreten haben, gleich in den Außendienst schicken“, ergänzt Frau Klein. Auch Möbel brachten die Kolleginnen von der Polizei mit. „Da war nix da und keiner hatte einen rechten Plan.“ Eine der Fragen, die Frau Klein gleich zu Beginn stellte, war die nach der BVG-Nutzung im Dienst. Als Polizeimitarbeiterin in Uniform war dies über eine Vereinbarung möglich gewesen. Ob dies auch für das Ordnungsamt galt, konnte ihr niemand sagen. Stattdessen schlug die Leitung vor, sie könne ja ihren privaten PKW nutzen. Frau Klein hatte damals den Eindruck, dass das Bezirksamt nicht so recht wusste, was Beschäftigte im Außendienst brauchen. Denn auch Funkgeräte seien nicht vorhanden gewesen. Frau Schulze bekräftigt: „Es stand nix. Alles musste aus dem Boden gestampft werden. Wir kamen in ein leerstehendes Gebäude und haben bei Null angefangen.“ Ein Rückhalt sei in dieser Zeit das Team gewesen, das sich sehr gut verstand.

Bis der Außendienst des neuen Ordnungsamtes mit Autos ausgestattet war, seien einige Monate vergangen. „Dann kamen uralte Bullys von der Polizei, die sie vermutlich vom Schrott zurückgepfiffen hatten. Wenn wir damit unterwegs waren, zogen wir immer eine Rauchwolke hinter uns her.“

Fahrradstaffel Ordnungsamt

Respekt erarbeitet

Für den Wechsel von der Verkehrsüberwachung in den Allgemeinen Ordnungsdienst mussten sich die Kolleginnen weiter qualifizieren mit Schulungen und Lehrgängen. „Müll, Hunde, Lärm“ fassen die Drei die Themen zusammen, die zu den Verkehrsaspekten hinzukamen.

Eine weitere große Veränderung für die Kolleginnen war nach dem Wechsel zum Ordnungsamt die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. „Wenn du als Polizei auftrittst, hast du deutlich mehr Respekt,“ erklärt Frau Klein. Als Ordnungsamtsmitarbeiterinnen seien sie von Anfang an bepöbelt worden. „Die Medien hatten die neuen Ordnungsämter den gesamten Sommer über schlecht gemacht.“ Auch Frau Schulze erinnert sich: „Mit dem Thema wurde 2004 das Sommerloch gefüllt.“ Das habe den Mitarbeiterinnen einen Bärendienst erwiesen. „So hat uns niemand für voll genommen, wenn wir Ordnungswidrigkeiten festgestellt haben und uns wurde nicht geglaubt, dass wir das dürfen.“ Frau Klein weiß noch, dass sie aus diesem Grund teilweise ihre Kapuze über dem Schriftzug „Ordnungsamt“ trug.

Trotz der negativen Berichterstattung durch die Presse sei es ihnen nach und nach möglich gewesen, den Respekt und das Ansehen zurückzubekommen. Mit allen Höhen und Tiefen seien sie auch nach 20 Jahren aus Überzeugung immer noch gerne dabei.