Tier des Monats: Graureiher, oder auch Fischreiher genannt (lateinischer Name Ardea cinerea) – wilder, schneller Jäger am Wasser

Tier des Monats Oktober: Graureiher, oder auch Fischreiher genannt (latainischer Name Ardea cinerea) – wilder, schneller Jäger am Wasser

Graureiher sind tag- und nachtaktiv, sehr misstrauisch und vorsichtig. Dennoch können wir ihn auch in unserem innerstädtischen Bezirk im Volkspark Friedrichshain, am kleinen Teich im Görlitzer Park, an der Spree und von der Halbinsel Stralau aus gut beobachten.

Als Ruhe- und Nistbäume nutzt er hohe Bäume, die möglichst weitgehend frei von Störungen sind. Sein Horst steht in hoch in Bäumen, die vom Kot wie gekalkt erscheinen. Er brütet gern in Kolonien, sitzt 25 bis 26 Tage auf seinen drei bis sechs grünen Eiern und füttert die gierigen Jungen acht Wochen lang.

Graureiher (auch Fischreiher genannt) werden zwischen 90 und 100 Zentimeter lang und wiegen zwischen 1 bis 2 Kilogramm. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 155 bis 175 Zentimeter. Ein auffälliger Geschlechtsdimorphismus besteht nicht. Die Männchen sind im Durchschnitt etwas größer.

Der große am Wasser lebende Vogel ist vorrangig grau, mit einem grauweißen Hals, auf Stirn und Oberkopf mit weiß und gelbem langem Pinzetten-Schnabel. Er hat schwarze Augenstreifen und drei lange Schopffedern, eine dreifache Reihe von Flecken vorne am Hals und seine Schwingen sind grau bis schwarz gefärbt. Jungreiher haben eine dunkel gestreifte Unterseite. Er gleicht mit diesem Aussehen dem nordamerikanischen Kanadareiher, der dort eine ähnliche ökologische Nische besetzt wie der europäische Cousin.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln am Wasser haben Reiher keine Bürzeldrüse, die Fett abgibt. Sie reiben sich stattdessen mit dem Puder ihrer “Puderdunen”. Das sind Federn, deren Spitzen allmählich zu feinem Puder zerfallen. So bleibt ihr Gefieder wasserabstoßend. Die Puderdunen wachsen ständig nach und fallen auch nicht während der Mauser aus.

Wie die meisten Reiher ist der Graureiher ein Lauerjäger: Er pirscht seine Beute vorsichtig an oder belauert sie auf dem “Anstand”. Der Hals ist S-förmig zurückgebogen. So kann er blitzschnell nach vorn geschleudert werden, um ein Beutetier zu packen. Die Beute besteht aus kleineren Fischen, Fröschen, Molchen, Schlangen undWasserinsekten. Gerne plündert er außerdem die Nester anderer Wasservögel.
Der Abflug wird oft mit einigen Sprüngen eingeleitet. Graureiher fliegen mit langsamen Flügelschlägen und bis auf die Schultern zurückgezogenem Kopf. Nur während des Abflugs und bei der Landung ist der Hals vorgestreckt. Während des Fluges ist regelmäßig ein lautes, raues „chräik“ zu hören. Beim schnellen Gehen kann eine balancierende Halsbewegung beobachtet werden.

Graureiher_Hochformat

Verbreitungsgebiete, Lebensraum und Bestände

Der Graureiher ist in den milderen und südlichen Regionen Europas und Asiens zu finden, sowie in Teilregionen Südafrikas. In Mitteleuropa ist er ein sehr häufiger Brutvogel. Besonders hohe Bestände gibt es in wasserreichen Tieflandgebieten.

Je nach Verbreitungsgebiet ist der Graureiher ein Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Standvogel. Die meisten europäischen Graureiher ziehen im Winterhalbjahr Richtung Südwesten. Zu den längsten nachgewiesenen Zugstrecken gehört der Zug eines schwedischen Graureihers, der in Sierra Leone wiedergefunden wurde und damit eine Zugstrecke von 5.865 Kilometern zurücklegte. Der Zug in die Überwinterungsquartiere setzt normalerweise im September ein. Ende Februar oder Anfang März kehren sie wieder zurück.

Graureiher sind Lebensraumgeneralisten, die an Süßgewässern, an Flussmündungen sowie in Küstenregionen zu Hause sind. Ihre Ansprüche an ihren Lebensraum sind relativ gering. Sie benötigen eine Nähe zu Gewässern mit Flachwasserzonen, verhältnismäßig große Beute und vier bis fünf Monate, in denen die Gewässer nicht zufrieren. Die Habitate sind an Seeufern, Flüssen, Überschwemmungszonen, Schilfgürtel, Sümpfen, Teichen, Stränden, Mangroven und Salzmarschen. Gewässernahe Weideflächen werden gleichfalls genutzt. Solche Habitate findet der Reiher in der Regel im Flachland. Er nutzt häufig Gewässer, die vom Menschen geschaffen wurden. Dazu zählen Staugewässer, Reisfelder und Fischteiche.

Schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zeigten sich bei einigen der großen mitteleuropäischen Brutkolonien des Graureihers Bestandrückgänge. Der Bestand ging bis 1940 kontinuierlich zurück, wenn auch einige Länder ihn bereits frühzeitig unter Schutz stellten. Die kriegsbedingte Einstellung der Jagd führte in der ersten Hälfte der 1940er Jahren zu einer kurzfristigen Bestandserholung. Danach gingen bis zum Ende der 1960er Jahre die Populationen drastisch zurück. Viele Kolonien wurden aufgegeben und gleichzeitig war eine Verkleinerung des Verbreitungsareals zu beobachten. Erst durch das Verbot der Verfolgung kam es ab den 1970er Jahren zu einer Bestandszunahme. Unterstützt durch günstige Klimaverhältnisse nimmt der Bestand bis heute wieder zu. Unterbrochen wird die Zunahme nur durch Kältewinter. In jüngster Zeit dringt der Graureiher immer mehr in städtische Gebiete vor.

Der berühmte Graureiher im Volkspark – ein vom Stadtrand zugezogener Friedrichshainer

Im Volkspark Friedrichshain in Berlin lebt ein Graureiher, dem es dort so gut gefällt, dass er selbst bei Frost auf einer hohen Weide am kleinen Teich sitzt. Mitten im Winter wartet er darauf, dass das Eis auf den Teichen schmelzen möge. Der Geschichte einer Besucherin des Volksparkes nach, wurde dieser Reiher von der Pfaueninsel als Jungtier vom Vater begleitet herübergeflogen, weil die Reiherfamilie von der Brut nur ein männliches Tier dulden würde. Für das zweite männliche Tier musste ein neues Zuhause gesucht werden. Und der Vater habe sich als neues Zuhause für seinen Sprössling den Volkspark Friedrichshain ausgesucht. Viele Besucher*innen des Volksparks erfreuen sich sehr über die Wahl der „neuen“ Heimat.
Alle anderen Fische im Teich müssen allerdings täglich mit seinem blitzschnellen Zuschlagen rechnen. Ein Jungtier soll mindestens fünf Goldfische pro Tag verzehren müssen.

Text: BA Umweltbildung / Katja Frenz
Fachl. Zuarbeit: Stiftung Naturschutz / Janet Huber

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