Medienbildung zum Anfassen: Wenn Playmobil-Figuren ins Weltall fliegen

Blick ins Klassenzimmer beim MeMo-Workshop

Morgens um kurz nach 8 Uhr an der Bezirkszentralbibliothek am Frankfurter Tor: Anne Ludwig und Dario Lafasciano beladen das MedienpädagogikMobil (MeMo) mit einem Klassensatz Tablets und weiteren Materialien für ihren Workshop. Nachdem alles Notwendige im geräumigen Elektrofahrzeug verstaut ist, fahren die beiden Medienpädagog*innen los zu ihrem Einsatz in der Jane-Goodall-Grundschule. Hier sind sie heute von einer dritten Klasse für das vierstündige Workshop-Angebot „Fotostory gestalten“ gebucht. Eine Viertelstunde später parkt Dario Lafasciano das MeMo vor dem Schulgebäude. Die Kolleg*innen entladen die beiden Taschen mit der Ausrüstung und begeben sich im Schulgebäude auf die Suche nach dem richtigen Klassenraum.

Die Jane-Goodall-Grundschule kennen sie schon von vorigen Besuchen, sind aber unsicher, in welches Zimmer sie müssen. Eine hilfsbereite Schülerin nimmt sich ihrer an: „Ach, ihr wollt zu den Schimpansen? Ich bringe euch da hin.“ Passend zur Namensgeberin der Schule sind hier alle Klasse nach Tierarten benannt. Klassenlehrerin Frau Müller ist froh, ihrer Klasse so kurz vor den Ferien noch etwas bieten zu können.

MedienpädagogikMobil

Es gibt neun verschiedene Workshop-Angebote des MeMo.

Die Kinder erstellen eigene Fotostorys.

Die 22 „Schimpansen“ warten bereits gespannt auf die willkommene Abwechslung zum Unterricht und spielen bereits mit den Schleichtieren, Playmobilmännchen und anderen kleinen Spielzeugfiguren. Eines der Mädchen kann es kaum erwarten, ihre Fragen zu stellen: „Warum sollten wir keine grünen Figuren mitbringen?“ Die Antwort wird sich später in der Arbeit mit dem kleinen Greenscreen finden.

„Erstmal geht ihr euch bitte alle die Hände waschen“, bittet Anne Ludwig die Klasse. Währenddessen verbinden die Medienpädagog*innen eines ihrer Tablets mit dem Smartboard. Nachdem alle Kinder mit sauberen Fingern zurück sind, beginnt Anne Ludwig mit ihrem Programm: „Wir arbeiten zwar in der Bibliothek, haben aber gar nichts mit Büchern zu tun, sondern machen spannende Medienprojekte mit Tablets.“

Die Kinder werden heute mithilfe der Tablets und zwei Apps eine Fotostory erstellen. „Wer von euch liest denn gern Comics?“ Der Großteil der Hände geht nach oben. Für alle Kinder fasst die Bibliotheksmitarbeiterin das Wichtigste zu Comics nochmal zusammen: In welcher Reihenfolge werden die Panels gelesen? Wie sieht eine Denkblase aus und wie eine Sprechblase? Wofür sind die Bildtexte wichtig? Was braucht man für eine spannende Geschichte? Und wie viele Figuren innerhalb einer Geschichte sind sinnvoll? „Die Hauptfigur muss etwas Besonderes erleben. Wenn es zu alltäglich ist, wollen die Leute das eher nicht lesen. Aber wir wollen ein Happy End.“ Mord, Totschlag und Pipi-Kaka-Witze sind ausgeschlossen. „Wenn das eure Ideen waren, dann finden wir zusammen etwas Neues.“

Die Kinder fotografieren Spielfiguren.

Im Workshop wird in Zweiergruppen gearbeitet.

Wie erzählt man eine Geschichte?

Die Kinder werden heute mithilfe der Tablets und zwei Apps eine Fotostory erstellen. „Wer von euch liest denn gern Comics?“ Der Großteil der Hände geht nach oben. Für alle Kinder fasst die Bibliotheksmitarbeiterin das Wichtigste zu Comics nochmal zusammen: In welcher Reihenfolge werden die Panels gelesen? Wie sieht eine Denkblase aus und wie eine Sprechblase? Wofür sind die Bildtexte wichtig? Was braucht man für eine spannende Geschichte? Und wie viele Figuren innerhalb einer Geschichte sind sinnvoll? „Die Hauptfigur muss etwas Besonderes erleben. Wenn es zu alltäglich ist, wollen die Leute das eher nicht lesen. Aber wir wollen ein Happy End.“ Mord, Totschlag und Pipi-Kaka-Witze sind ausgeschlossen. „Wenn das eure Ideen waren, dann finden wir zusammen etwas Neues.“

Ein Mädchen meldet sich. „Ich habe mir überlegt, dass ein Hund ein Kaninchen jagen könnte. Ist das eine gute Geschichte?“ Anne Ludwig bestärkt die Schülerin in ihrer Idee und erklärt der Klasse: „Überlegt euch vorher, wie viele Figuren eure Geschichte hat und was ihr alles fotografieren müsst. Versucht sechs Panels zu erstellen, allerhöchstens acht. Alles andere wäre zu viel. Und entscheidet vorab, welche Figuren eine Rolle spielen sollen.“

Die Kinder teilen sich in Zweier-Gruppen auf und bekommen jeweils ein Tablet und einen kleinen Greenscreen. „Achtet beim Fotografieren darauf, dass die Figur komplett von Grün umgeben ist.“ Ergänzend zu den mitgebrachten Spielfiguren dürfen sich die Kinder Requisiten aus dem Puppenhaus im Nebenraum holen.

Zwei Kinder am Tablet

"Das war cool!"

Die Kinder machen sich fleißig an die Arbeit. Das wird in den Kleingruppen diskutiert, Playmobilfiguren werden hin und her geschoben und fotografiert. Anschließend präsentiert die Medienpädagogin den Kindern am Smartboard die Hintergrundbilder, die ihnen zur Verfügung stehen. Es gibt Bilder aus dem Wald, aus der Stadt, von zu Hause, aus dem Weltall und aus dem Meer.

Es klingelt zur Hofpause. „Das war cool!“, ruft ein Junge. „Das ist nach der Pause auch weiterhin cool“, erwidert Anne Ludwig. Nach der Pause nutzt sie die Zeit, um die Kinder auf ihre Missgeschicke hinzuweisen und erklärt erneut, warum es nicht funktioniert, wenn zu viele Tiere in einem Bild sind oder der Grünraum drumherum fehlt.

Nachdem die Kinder ihre Fotos aufgenommen haben, wird die nächste App erklärt. Anne Ludwig und Dario Lafasciano zeigen der Klasse, wie sie den Hintergrund in der Greenscreen-App verändern können. Beide erstellen einige Beispielbilder: „Und schon sitzt die Playmobilfigur plötzlich auf einem Reh. Zackzackzack – so habe ich in wenigen Minuten drei gute Fotos für meinen Comic gemacht. Und denkt an meinen Rat: Fotografiert am besten einzelne Figuren, da habt ihr mehr davon.“

In einer Mädchengruppe gibt es Ärger. Die beiden beschuldigen sich gegenseitig, dass eine immer alles bestimmen und am Tablet machen will. Die Klassenlehrerin greift ein und schlichtet: „Wechselt euch ab, Mädels!“

Dario Lafasciano unterstützt die Kinder.

Das MeMo-Team unterstützt die Kinder am Tablet.

Die Kinder lassen ihrer Fantasie freien Lauf.

In der Greenscreen-App sind die Kinder weniger firm als beim Fotografieren. Hier ist die Hilfe der Medienpädagog*innen und der Klassenlehrerin gefragt. „Wir haben die da versehentlich reingesetzt. Wie kriegen wir die da wieder weg?“, rufen die einen. Am Nebentisch gibt es andere technische Herausforderungen. Die Hände schießen immer wieder in die Luft. Anne Ludwig: „So läuft es jetzt. Wir rennen durch den Klassenraum und helfen.“

Die Kinder lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Ein Hund wird auf eine Couch gesetzt. Eine Playmobil-Frau per Klick in eine Tropfsteinhöhle oder weit entfernte Galaxien verschoben. Zwei Tische weiter fängt ein Krake im Weltall andere Tiere. Die Lehrerin Frau Müller ist begeistert: „Alle arbeiten super gut und haben total viel Lust drauf. Die sind so kreativ dabei.“

Nach anderthalb Stunden sollen die Kinder mit ihren Fotos fertig sein. Anne Ludwig erklärt die nächste App: Mit dem „Book Creator“ können die Kinder nun ihre Bilder zu einem Comic, beziehungsweise einer Foto-Story zusammenfügen. Die Medienpädagogin zeigt, wie sie die Deckseite gestalten und den Comic einrichten. „Schaut mal, hier könnt ihr Sticker und Hintergründe aussuchen.“ Die Auswahl wird mit Begeisterung im Klassenzimmer quittiert. Die Kinder machen sich an die Arbeit und erstellen die Fotostory-Bücher. Von „Das geheime Portal“ über „Die Höhlen-Hölle“ und „Der vegane Leopard“ bis zu „Erlebnisse mit der Familie“ werden unterschiedliche Themenwelten erschlossen. „Das Weltall ist wirklich sehr beliebt als Hintergrund“, erklärt Dario Lafasciano. „Witzigerweise aber auch die Küche und andere Innenraummotive, die eigentlich total langweilig sind.“

Am Ende werden alle Fotostorys vor der Klasse präsentiert.

Am Ende werden alle Fotostorys vor der Klasse präsentiert.

Es soll Spaß machen.

Manche Gruppen sind wesentlich schneller fertig als andere, die mehr Zeit brauchen. „Das ist völlig in Ordnung“, erklärt Anne Ludwig. Sie freut sich, dass die Kinder bei ihren Projekten immer freiwillig lesen und schreiben. Rechtschreibung wird daher nicht korrigiert. „Es soll ja Spaß machen.“ Den haben die Kinder auf jeden Fall.

Nach der Mittagspause geht’s in den Endspurt. Für die Pädagog*innen beginnt die Fleißarbeit, die Daten von den Tablets aufs Smartboard zu übertragen. Bevor alle Foto-Storys in der Klasse präsentiert werden, erfragt Anne Ludwig bei der Klasse noch das Resümee. Die Kinder sind nicht zögerlich mit ihrem Feedback: „Es war cool, einen eigenen Comic zu machen.“ – „Es macht Spaß, die Hintergründe rauszusuchen.“ – „Manchmal sind mir ein bisschen die Nerven weggegangen, wenn etwas nicht geklappt hat.“ Anne Ludwig hakt nach: Wer hat Lust, sowas zu Hause auch mal zu machen? Alle 22 Finger schnellen nach oben. Die Medienpädagogin freut sich: „Wir sind immer ein Highlight für die Schüler*innen.“

Zum Abschluss präsentiert Anne Ludwig die entstandenen Comics in der Klasse: „Ich lese jetzt mit verschiedenen verstellten Stimmen vor.“ Die Kinder lachen. Die Lehrerin lacht schallend mit.

————————————————————————————————————————————-
Interesse geweckt?

Über diese Webseite können Sie eines der neun Workshop-Angebote für Schulklassen oder Jugendfreizeit-Einrichtungen buchen. Neben Greenscreen-Fotografie und Fotostorys gibt es auch Stop-Motion-Trickfilm-Erstellung, redaktionelle Arbeit und andere Formate für unterschiedliche Arbeitsgruppen.