15 Jahre Jane-Goodall-Schule – Wir bleiben neugierig!

Schulleiterin der Jane-Goodall-Grundschule Kathrin Rohwäder

Verantwortungsbewusst handeln, achtsam bleiben und erdverbunden leben – unter diesem Leitgedanken steht das pädagogische Konzept der Friedrichshainer Jane-Goodall-Schule. Die naturwissenschaftlich und mathematisch ausgerichtete Grundschule feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen und blickt auf eine bewegte Entwicklung zurück. Schulleiterin Kathrin Rohwäder, seit der Gründung 2010 dabei, erinnert sich: „Die Schule startete damals noch als 34. Schule – sieben Jahre später erhielt sie den Namen der britischen Verhaltensforscherin Jane Goodall, die im Oktober 2025 verstarb. Rund 370 Schüler*innen profitieren heute von diesem inspirierenden Erbe, das sich in zahlreichen Forschungsprojekten und liebevollen Details wie den nach Tieren benannten Klassenräumen widerspiegelt.

2009 begann die umfassende Sanierung des Gebäudes, um dem steigenden Bedarf an Schulplätzen im wachsenden Ortsteil Friedrichshain gerecht zu werden. Mit zwei Klassen und 38 Schüler*innen startete der Unterricht im August 2010, während rundherum noch gebaut wurde. Heute erstrahlt die Schule in modernem Glanz, mit einer sanierten Turnhalle und einem idyllischen Schulgarten, der von den älteren Klassen gepflegt und im Profilkurs Schulgarten aktiv genutzt wird.

Der Schulgarten ist längst mehr als nur ein Lernort – er ist ein lebendiges Klassenzimmer, in dem Nachhaltigkeit und Verantwortung greifbar werden. Hier erfahren die Kinder, wie wichtig sorgsamer Umgang mit der Natur ist und wie eng Kreisläufe in der Umwelt miteinander verbunden sind. Besonders stolz sind die Schüler*innen auf „ihre“ Hochbeete, in denen je nach Jahreszeit Gemüse, Kräuter und Blumen wachsen – alles liebevoll gepflegt und dokumentiert in den eigenen Gartenheften. Seit Sommer stehen dort für die Bewässerung auch Regentonnen, um das Regenwasser vom Dach der Schule zu nutzen.

Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich in der Begeisterung und der wachsenden Eigeninitiative der Kinder. Viele übernehmen kleine Patenschaften für Beete oder Pflanzen und entwickeln eigene Ideen, wie der Garten noch artenreicher oder nachhaltiger gestaltet werden kann. Unterstützt werden sie dabei von Lehrkräften, Eltern und ehrenamtlichen Helfer*innen des Fördervereins, die gemeinsam mit den Schüler*innen regelmäßig Pflanz- und Aktionstage organisieren.

Ein besonderes Highlight im Jahreslauf ist der Schulhonig: Die auf dem Gelände beheimateten Bienenvölker liefern nicht nur süßen Ertrag, sondern auch einen unmittelbaren Einblick in die faszinierende Welt der Insekten. Jedes Jahr im Mai erfahren die Erstklässler in einem Workshop des Schulimkers, wie ein Bienenvolk funktioniert, welche Aufgaben eine Königin hat und warum Bienen für das ökologische Gleichgewicht so entscheidend sind. Der Verkauf des selbstgeernteten Honigs während der Hofpausen und auf Schulfesten wird jedes Jahr zu einem beliebten Ereignis der Schulgemeinschaft.

Schulgarten der Jane-Goodall-Grundschule

„2019 baute ein Vater gemeinsam mit Pädagog*innen und Schüler*innen direkt am Schulgarten ein offenes grünes Klassenzimmer, das in den Sommermonaten sehr gern von unseren Klassen genutzt wird“, erzählt die Schulleiterin. „Wir haben viele Gründe zum Feiern, denn alles, was wir tun, jährte sich in den vergangenen Monaten immer zum 15. Mal. Das nahmen wir zum Anlass für viele kleinere Events.“ So blickte die Schule nicht nur auf ihren 15. Gründungstag zurück, sondern auch auf zahlreiche Traditionen – von den Tagen der kleinen Forscher*innen bis hin zu jährlich wiederkehrenden Einschulungsfeiern, die in besonderer Atmosphäre begangen werden.

Inzwischen begleitet ein engagiertes und fachlich breit aufgestelltes Team den Schulalltag. „Zu uns gehören zahlreiche Lehrer*innen, Sonderpädagog*innen, Referendar*innen, Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Verwaltungsfachkräfte und Reinigungskräfte“, so Rohwäder. „Auch ein Caterer unterstützt uns mit mehreren Mitarbeiter*innen während der Essensausgabe, so dass wir mit rund 50 Beschäftigten den täglichen Schulbetrieb und das freiwillige Ganztagsangebot sichern.“ Trotz des starken Teams bleibe aber eine Herausforderung bestehen: „Dringend wird weiteres Personal benötigt. Wir würden uns freuen, wenn neue Lehrkräfte und Erzieher*innen den Weg in unser Team finden.“

Dennoch betont die Schulleiterin, dass jedes Kind aus dem Einzugsgebiet einen sicheren Platz bekommt: „Wir bieten Schnupperunterricht an, damit die Kinder sich hier ausprobieren können. Die Eltern können sich außerdem in einer Eltern-für Eltern-Runde bei anderen Eltern informieren und dort Fragen stellen.“

Ein fester Bestandteil des Schuljahres sind die beliebten „Tage der kleinen Forscher*innen“, die an sechs Terminen pro Jahr stattfinden. Dann verwandeln sich nicht nur die Klassenzimmer in kreative Lernwerkstätten, in denen Kinder aus allen Jahrgängen forschend und entdeckend naturwissenschaftlichen wie auch mathematischen Fragen nachgehen – von Magnetismus bis Energiegewinnung. Es sei jedes Mal faszinierend zu sehen, mit welchem Eifer die Schüler*innen experimentieren. Die zweiten Klassen verbringen währenddessen die sogenannten Waldtage im Freien, wo sie den Naturraum mit allen Sinnen erleben. „Hier lernen die Kinder, ökologische Zusammenhänge wirklich zu begreifen – nicht aus dem Buch, sondern draußen in der lebendigen Natur“, ergänzt Kathrin Rohwäder.

Die Waldausflüge der zweiten Klassen werden vom jeweiligen Klassenteam individuell organisiert. „Anhand der Ablaufpläne für die Waldtage mit sechs thematischen Schwerpunkten sorgen die Kinder selbst für die passende Ausrüstung“, erklärt sie. Dabei stehen Themen wie Tiere des Waldes, Wasser als Lebensraum oder Spurenlesen im Mittelpunkt. Diese Tage bieten den Kindern Raum, Natur zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und Zusammenhalt zu erleben – fernab des üblichen Klassenraums.

Neben dem Unterricht in der Natur prägen vielfältige Projekte das Schulleben. Der Sachunterricht wird durch jahrgangsübergreifende Naturwissenschaftskurse ergänzt, die spielerisch wissenschaftliches Denken fördern. Auch die digitale Bildung hat ihren festen Platz: Im Caliope-Club, einem IT-Angebot für Kinder mit Programmierinteresse, lernen die Schüler*innen Grundlagen des Codings. Der Kurs läuft über acht bis zehn Wochen und findet einmal pro Woche statt. „Ziel ist es, Medienkompetenz zu fördern und die Kinder zum selbständigen Experimentieren zu ermutigen.“

Das selbständige Lernen wird an der Jane-Goodall-Schule großgeschrieben. „Wir unterstützen hier das selbständige Erlernen und Fortkommen der Schüler*innen“, so die Schulleiterin. Dafür stehen zahlreiche Lernorte zur Verfügung – vom Fachraum über Lerninseln im Flur bis zu den Klassenräumen, die nach Tieren benannt sind. Jede Klasse ist nach einem Tier benannt.

„Leider haben wir nur sehr wenige Rückzugsorte, deshalb nutzen die Schüler*innen die Flure und Absätze in den großen Treppenhäusern so gern.“

Andenken an Jane Goodall in der Grundschule

Überall auf dem Schulgelände begegnet man Jane Goodall – sei es auf großen Fotoflächen, in Zitaten an den Wänden oder durch kleine Erinnerungsorte, die an ihren Geist der Achtsamkeit erinnern. „Es wäre ihr eine Ehre, dass unsere Schule ihren Namen trägt“, so die Leiterin. „Jane Goodall hat uns sogar zweimal besucht – das letzte Mal im Herbst 2024, davor im Februar 2020, kurz vor der Pandemie.“ Bei beiden Besuchen stand der Kontakt zu den Kindern im Mittelpunkt. „Das war ein sehr exklusiver Besuch, ohne Presse. Sie war nur für die Kinder hier, hat Fragen beantwortet, zugehört und sich zeigen lassen, wie wir ihre Werte hier an der Schule leben.“

Besonders bewegend war die Reaktion der Schülerschaft auf ihren Tod im Oktober 2025. Eine Schülerin bastelte ein buntes Papierherz in Regenbogenfarben und schrieb darauf: „Jane, ich vermisse Dich, weil Du an meiner Schule warst, und mein Bruder Dich gesehen hat, in Echt…“ – eine spontane, kindliche und zugleich rührende Geste der Dankbarkeit.

„Sie hatte ein gutes Händchen, Gelder und Unterstützer*innen für ihre große Idee zu finden und zu halten“, sagt Kathrin Rohwäder nachdenklich. „Wir sind ihr dankbar für das Vorbild, das sie uns hinterlässt, und für die Hoffnung, die sie unseren Schulkindern mit auf den Weg gegeben hat.“

Hier gibt es weitere Informationen zur Jane-Goodall-Grundschule:

Scharnweberstr. 19
10247 Berlin
Telefon: (030) 2464 789 211
Fax: (030) 2464 789 215
E-Mail: sekretariat@jane-goodall.schule.berlin.de