Fit für die Straße: Interaktive Prävention

Gruppenfoto des Aktionstags Fit für die Straße

Gruppenfoto vom Aktionstag Fit für die Straße

Autor: Elmo Thalemann

Mit 50 km/h fährt ein Schüler durch eine belebte Innenstadt. Häuser, Bäume und der Gegenverkehr ziehen verschwommen an ihm vorbei, als plötzlich eine Fußgängerin wie aus dem Nichts die Straße überquert. Kontrolliert, aber knapp, bremst der überraschte Schüler ab. Was hier nur eine Simulation war, könnte für die Schüler, die den Aktionstag „Fit für die Straße“ besucht haben, schon bald als Fahranfänger relevant werden.

Anfang Juli eröffnete Max Kindler, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit die Aktionstage für Verkehrs- und Suchtprävention im Friedrichshainer Jugendclub Skandal.

Max Kindler:„Verkehrssicherheit und Suchtprävention begleiten junge Menschen ihr ganzes Leben. Deshalb müssen wir sie dort erreichen, wo sie stehen: kurz vor dem Führerschein, kurz vor den ersten eigenen Entscheidungen im Straßenverkehr. Als Bezirksstadtrat ist es mir ein persönliches Anliegen, dass Prävention spürbar wird und nicht nur Theorie bleibt. Deshalb setzen wir bewusst auf Erlebnisse. Wer einmal mit der Drogenbrille versucht hat einzuparken, vergisst diese Erfahrung nicht mehr. Sicherheit im Straßenverkehr entsteht nicht von allein. Das Ganze ist Ergebnis guter Kooperationen und des Mutes, jungen Menschen auch unbequeme Realitäten ehrlich vor Augen zu führen. Dass wir dabei auf starke Partner wie die Landesverkehrswacht, die Polizei, das Ordnungsamt, die Bundeswehr, das Deutsche Rote Kreuz, die Deutsche Bahn und viele weitere zählen können, zeigt, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Drogenbrillen

Drogenbrillen

Berauschende Interaktion

Die Schüler der 10. bzw. 11. Klassen der Schulen Ellen Key, Carl von Ossietzky, Emanuel Lasker und Hector-Peterson nutzten sieben unterschiedliche Stationen im Parcours.

Neben der Polizei Berlin, der Landesverkehrswacht Berlin, dem Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg*und der bezirklichen *Fachstelle für Suchtprävention gaben auch das Deutsche Rote Kreuz, die Bundeswehr und die Deutsche Bahn spannende Erlebnisse an ihren Stationen. Währenddessen gab es knifflige Quizfragen zu beantworten, sodass am Ende ein Klassensieger gekürt werden konnte.

Bereits zum zweiten Mal fand die Kooperation zwischen dem Bezirksamt mit der Suchthilfekoordinatorin Romy Kistmacher, der Koordinatorin für schulische Prävention am SIBUZ Andrea Robin und der Verkehrspräventionsbeauftragten der Polizei für Friedrichshain-Kreuzberg, Frau Bebersdorf, statt.

Wie der Wind sausen die Schüler an der Station der Polizei mit Gokarts durch den Verkehrsparcours. Deutlich schwieriger fällt das Vorwärts- und Rückwärtseinparken mit der Drogenbrille, die die Sicht unter Einfluss von Alkohol oder Cannabis simuliert und im Parcours direkt zum ersten Unfall führt. Auch die beliebte Reaktionswand zeigt den deutlichen Unterschied zwischen den Ergebnissen mit und ohne Brille auf. Diese Ausfallerscheinungen durch Drogen zu vermitteln, sei das Ziel der Station, wie eine Polizistin vor Ort betont.

Trainingspuppe Erste Hilfe

Trainingspuppe Erste Hilfe

Zu wenig Erste Hilfe an Schulen, zu viele Vapes

Egal ob Herzdruckmassage oder stabile Seitenlage, um einen Führerschein zu erhalten ist ein Erste-Hilfe-Kurs Pflicht. Das Deutsche Rote Kreuz zeigt in einem Mini Workshop den Umgang mit bewusstlosen und reanimationspflichtigen Personen und nimmt Berührungsängste vor erster Hilfe. Besonders an Schulen mangelt es an Ersthilfe.

Wovon es in den letzten Jahren jedoch immer mehr an Berlins Schulen gibt sind Vapes. Die Fachstelle für Suchtprävention klärt an ihrer Station mit einem Quiz über alles rund um Sucht, Gruppenzwang, Zigaretten und Nikotin, Vapes und wie sie funktionieren sowie Jungendschutz und gesetzliche Regelungen auf und kommt mit den Schüler*innen in den Diskurs und klärt Fragen.

E-Scooter Simulator

Der E-Scooter Simulator

„Wer ist schon einmal E-Scooter gefahren?“, fragt die Polizistin am E-Scooter Simulator ihrer Station und ist nicht überrascht als sich der Großteil der Schüler*innen sich meldet.
Richtiges Bremsen und der Anhalteweg können im Simulator geübt werden, im besten Fall ohne in den Gegenverkehr zu prasseln oder kleine Kinder zu überfahren.

Obwohl viele Jugendliche regelmäßig E-Roller fahren gibt es viele Unklarheiten. Ab welchem Alter darf man fahren, wie sieht es mit Versicherungen aus, dürfen zwei Personen gleichzeitig fahren? Die Antworten und viele weitere Information zu Geldstrafen, Sicherheit und Alkohol beim Fahren liefert das Quiz des Ordnungsamtes.

Finger weg von der Oberleitung!

In den sozialen Medien ein Trend, in der Realität oft mit Unfällen verbunden. Train-Surfing sieht zwar spektakulär aus, ist aber mit großen Risiken verbunden und kann zu schwersten Verletzungen oder sogar zum Tod führen.
Die Station der Deutschen Bahn befasst sich außerdem ziemlich eindrücklich und mit der Hilfe von überraschend hochwertig produzierten Videos über die Sicherheit auf Bahnsteigen, Bahnübergängen und Gleisen sowie Graffiti und Vandalismus.

Fahrsimulator

Fahrsimulator - wie immer das Highlight

Gegenverkehr, Falschparker*innen und unvorsichtige Fußgänger*innen fordern die Schüler*innen im Fahrsimulator, der beliebtesten Station des Tages, heraus.

Betrieben von Uwe Karck, Vizepräsident der Landesverkehrswacht Berlin, gemeinsam mit dem Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) und den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Deutschen Verkehrswacht bringt die Simulation die Schüler*innen spätestens jetzt – bei schlechter Sicht durch den simulierten Einfluss von Alkohol – ins Schwitzen.

Diese umfängliche Station lud auch zum Rauschparcours mit Drogenbrille, zum Brems-Reaktionstest und mit VR-Brillen, die tote Winkel aus der Sicht von Fahrradfahrern und LKW veranschaulichten.

Schließlich informierte das kompakte Quiz der Bundeswehr die Schüler über Drogen, geopolitische Zusammenhänge sowie über Schmuggelrouten und die Ergebnisse des UN-Drogenberichts.

Hindernisparcours

Hindernisparcours

Fit für die Straße - Ein voller Erfolg

Sara, Schülerin der Hector-Peterson-Schule: „Wir haben heute über die Gefahren von Alkohol und Drogen geredet und uns angeguckt, was beim Auto- oder Scooter Fahren, unter Drogeneinfluss passieren kann.“
Am besten gefiel ihr die erste Station, mit ihrem Hindernisparcours, der mit einer Rauschbrille bewältigt werden musste.
“Ich würde diesen Tag auch kleineren Kindern empfehlen, dass auch Achtklässler schon an solchen Tagen teilnehmen können.“

Uwe Karck, Vizepräsident der Landesverkehrswacht Berlin: “‘Don’t drink and drive‘ und ‚High fährt nicht, high lässt fahren‘. Dieser Tag ist wichtig, um junge Leute über Alkohol und Drogen im Straßenverkehr zu informieren und über Gefahren aufmerksam zu machen. Am Ende geht es darum Verkehrsunfälle zu verhindern. Wichtig: wenn man merkt, dass jemand alkoholisiert ist und fahren möchte, fahrt nicht und bringt die Person dazu nicht zu fahren!”

Andrea Robin Koordinatorin für Schulische Prävention am SIBUZ: „‚Fit für die Straße‘ hat schon zum zweiten Mal in Friedrichshain-Kreuzberg stattgefunden. Es ist eine Möglichkeit an einem anderen Ort zu lernen und mit Expert*innen ins Gespräch zu kommen, zu Themen wie Drogen im Straßenverkehr und Sicherheit. Dieser Tag ist besonders attraktiv, da er dank der verschiedenen Simulatoren, Parcours, Rauschbrillen und dem Erste-Hilfe-Training interaktiv ist und die Schüler*innen anspricht.“