Ein Platz für Eva Mamlok: Umbenennung des Blücherplatzes in Kreuzberg
Pressemitteilung Nr. 301 vom 24.09.2026
Friedrichshain-Kreuzberg bekommt einen Eva-Mamlok-Platz. Der Blücherplatz wird offiziell umbenannt. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat die Umbenennung im Juni 2025 beschlossen (DS/1448/VI), um Eva Mamlok und ihren antifaschistischen Widerstand mit einem Netzwerk jüdischer Frauen zu ehren und Frauen der Geschichte sichtbar zu machen.
- Wann? Freitag, 16. Oktober 2026, 14 Uhr
- Wo? vor der Zentral- und Landesbibliothek (derzeit Blücherplatz, dann Eva-Mamlok-Platz) und anschließend im PopUp-Saal der Zentral- und Landesbibliothek
Die Einweihung des Eva-Mamlok-Platzes wird mit der Enthüllung eines Gedenkzeichens zu Eva Mamlok auf dem Platz vor der Bibliothek und anschließend im Pop-up-Saal der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) gefeiert. Alle Anwohnenden und Interessierten sind herzlich eingeladen.
Bei der Veranstaltung gibt es Beiträge des Bezirksamtes, der ZLB, der Initiative Eva-Mamlok-Platz (UpStadt e.V. / GLOX) und der Forschungsinitiative zur Gruppe Eva Mamlok, moderiert von Nora Hogrefe (Leitung Koordinierungsstelle Historische Stadtmarkierungen im Aktiven Museum).
Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann: „Mit der Benennung des Platzes nach Eva Mamlok würdigt der Bezirk eine beeindruckende Frau. Eva Mamlok war eine jüdische Kreuzbergerin, die sich schon als Jugendliche mutig der NS-Diktatur widersetzte. Der Eva-Mamlok-Platz macht diesen jüdischen und weiblichen Widerstand in unserem Bezirk sichtbar und gibt ihm einen festen Ort in unserer Erinnerungskultur. Das Andenken an Eva Mamlok ist Mahnung: Jüdisches Leben gehört zu unserem Bezirk. Gleichzeitig ist es ein Auftrag für die Gegenwart, konsequent gegen Antisemitismus einzutreten. Mein Dank gilt der Initiative und ihrem Einsatz für die Umbenennung.“
Eva Mamlok (1918 bis 1944) war eine Kreuzberger Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Sie war bereits als Jugendliche gegen den NS-Faschismus aktiv. Laut einer Zeitzeugin schrieb die knapp 14-jährige Eva Mamlok mit weißer Farbe „Nieder mit Hitler!“ auf das Dach des Kaufhauses Tietz am Halleschen Tor. Sie wurde deswegen kurz inhaftiert. Als sie 1934 zusammen mit anderen Blumen auf den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht niederlegte, wurde sie festgenommen und für fünf Monate im Frauenkonzentrationslager Moringen (Niedersachsen) inhaftiert.
Ab 1940 musste sie als Jüdin in einer Kreuzberger Fabrik Zwangsarbeit leisten. Mit anderen jüdischen Antifaschistinnen war sie trotzdem weiter aktiv, indem sie z.B. Flugblätter verteilten und Bücher verbotener Autor*innen verliehen. Als das Netzwerk 1941 aufflog, wurde sie verhaftet, verurteilt und 1942 in das Ghetto Riga deportiert. Auch dort blieb sie unter den extrem widrigen Lebensbedingungen widerständig. Sie war beteiligt, als eine Fotokamera für lokale Widerstandsgruppen organisiert wurde, um die NS-Verbrechen zu dokumentieren. 1944 wurde Eva Mamlok in das Konzentrations- und Vernichtungslager Stutthof gebracht. Dort verstarb sie mit nur 26 Jahren.
Weitere Informationen zur Straßenumbenennung.
Medienkontakt
E-Mail: presse@ba-fk.berlin.de
Telefon: (030) 90298-2843