„Wir machen Wahl“ – Wie die Schüler*innen über 1.600 Euro Schulgeld entscheiden

Sarah, Arthur und Alex während der Stimmauszählung

Sarah, Arthur und Alex während der Stimmauszählung

Die Gustav-Meyer-Schule in der Regina-Jonas-Straße ist eine besondere Schule mitten im Kiez. Zurzeit besuchen 158 Schüler*innen die Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ‚geistige Entwicklung‘ in den Klassen 1 bis 12.

Der Kreuzberger Schüler Alex (13) aus der 5. Klasse ist gut vorbereitet, er organisiert bereits zum zweiten Mal die Vergabe von 1.600 Euro Schulgeld an seiner Schule. Für die Schüler*innen ist das unfassbar viel Geld, über dass sie beim Schüler*innenhaushalt demokratisch – das heißt: alle Schüler*innen der Gustav-Meyer-Schule dürfen etwas vorschlagen, und über eine anonyme Abstimmung mitentscheiden, was mit dem Geld angeschafft wird.

Beim Schüler*innenhaushalt bestimmen die Schüler*innen in einem demokratischen Prozess über ein eigenes Budget und gestalten so gemeinsam ihre Schule. So erleben sie Demokratie ganz konkret in ihrem eigenen Umfeld.

Alex organisiert die Wahl bereits zum zweiten Mal - in einem Video stellt er die unterschiedlichen Projekte vor

Alex organisiert die Wahl bereits zum zweiten Mal - in einem Video stellt er die unterschiedlichen Projekte vor

Selbstgemalte Wahlplakate helfen bei der Entscheidung

Alex erklärt: „Damit bei uns an der Schule alle verstehen, worum es geht, nennen wir es einfach Schulgeld.“ Schon seit Wochen laufen die Vorbereitungen, denn alle Schüler*innen durften Vorschläge einreichen, was sie sich wünschen. In diesem Jahr sind das beispielsweise eine Playstation, ein Bällebad und – von einem Kind – viele bunte Bauklötze.

„Wir haben alle Vorschläge gesammelt und sie in leichter Sprache in einem Video vorgestellt“, berichtet er weiter. Auf diesem Weg können sich einige Kinder besser vorstellen, was sie wählen können.

„Das hilft bei der Entscheidung.“ In selbst gemalten Plakaten werben kleinere Gruppen für ihre Wünsche; bis zum Wahltag hängen die Plakate auf dem Weg zum Wahllokal.

Yassmin und Sarah begrüßen alle Wähler*innen am Engang und erklären die Stimmzettel

Yassmin und Sarah begrüßen alle Wähler*innen am Engang und erklären die Stimmzettel

Wie bei der Bundestagswahl

Wie bei der Bundestagswahl begrüßen vor dem Wahllokal zwei Schülerinnen, Yassmin und Sarah, alle, die ihre Stimme abgeben möchten – sehr freundlich und mit einem strahlenden Lächeln: „Hallo, wir machen heute Wahl!“

Das große Foyer der Schule ist fast zu klein für die vielen wartenden Schüler*innen, die sich geduldig mit ihren Betreuer*innen in die Schlange einreihen.

Wer es bis nach vorn geschafft hat, erhält von den beiden Wahlhelferinnen einen bunten Wahlzettel, auf dem die verschiedenen Wünsche der Kinder als Bilder dargestellt sind.

Wer sein Kreuz selbst setzen kann, darf allein zur „Schatzkiste“ gehen, die heute als Wahlurne dient. Allen anderen helfen die Betreuer*innen – sie unterliegen dabei der Schweigepflicht.

Gemeinsam werden die Stimmen ausgezählt und in einer Strichliste festgehalten

Gemeinsam werden die Stimmen ausgezählt und in einer Strichliste festgehalten

Das Wahlergebnis wird per Video-Botschaft verkündet

Alex ist zufrieden: Die Wahlurne füllt sich. Was er sich selbst wünscht, verrät er nicht. „Ich habe mein Kreuzchen gemacht, so wie alle anderen auch.“ Im letzten Jahr entschied sich die Schulgemeinschaft für eine Eismaschine, die sich die Klassen ausleihen können.

Wahlen – auch an der Gustav-Meyer-Schule ein ernstes Thema. Doch Alex fällt dazu eine lustige Geschichte ein, über die im Geheimen viel gelacht wurde: „Unsere Erzieher dachten, sie könnten auch mitmachen. Sie wünschten sich eine Kaffeemaschine. Das haben wir natürlich abgelehnt“, sagt er und lacht.

Am Ende hat mit den meisten Stimmen die Idee „Discoartikel“ (Nebelmaschine und Discokugel) gewonnen. Dicht gefolgt von der Playstation und FIFA.

Die Wahlhelfer*innen haben eine kleine Präsentation und ein Video mit Verkündung der Wahlergebnisse für die Schule erstellt.

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Weiterer Bericht über die Gustav-Meyer-Schule: Auszeichnung für die Schulzeitung der Kreuzberger Gustav-Meyer-Schule – Besuch einer Redaktionssitzung des „Gustav-Meyer-Kuriers“