Auszeichnung für die Schulzeitung der Kreuzberger Gustav-Meyer-Schule - Besuch einer Redaktionssitzung des „Gustav-Meyer-Kuriers“

Ahmad, Musti, Lukas, Timon, Dana, Kristian, Irem, Angelina und Wasim würden am liebsten jeden Tag am „Gustav-Meyer-Kurier“ arbeiten

Ahmad, Musti, Lukas, Timon, Dana, Kristian, Irem, Angelina und Wasim würden am liebsten jeden Tag am „Gustav-Meyer-Kurier“ arbeiten

Der Berliner Schülerzeitungswettbewerb ehrt jährlich die besten Schülerzeitungen aller Schulformen in der Stadt. Drei Schülerzeitungen aus Friedrichshain-Kreuzberg gehören in diesem Jahr zum Kreis der Besten! Eine Gewinner-Redaktion davon ist die des „Gustav-Meyer-Kurier“, die für einen herausragenden Artikel über „Freunde“ mit einem Sonderpreis in Höhe von 200 Euro ausgezeichnet wurde. Das ist bereits der zweite Preis, den diese besonderen jungen Menschen zwischen zwölf und 18 Jahren beim Berliner Schülerzeitungswettbewerb für ihre Arbeit erhalten haben. In diesem Fall handelt es sich um einen Sonderpreis der Unfallkasse, die zum Thema „Wie geht ihr miteinander um?“ die besten Beiträge aus den Berliner Schulredaktionen prämierte.

Die Gustav-Meyer-Schule in der Kohlfurter Straße ist eine besondere Schule mitten im Kiez. Zurzeit besuchen 156 Schüler*innen die Grundschule und Schule der Sekundarstufe I und II mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ‚geistige Entwicklung‘ in den Klassen 1 bis 12.

Hier tragen Motivation und Engagement mindestens acht Namen: Ahmad, Musti, Lukas, Timon, Dana, Kristian, Irem, Angelina und Wasim würden am liebsten jeden Tag am „Gustav-Meyer-Kurier“ arbeiten.

Heute geben die Nachwuchsredakteur*innen einen seltenen Einblick in ihre Arbeit: Professionell wie pünktlich startet die Redaktionssitzung in der ersten Etage des Schulgebäudes. Kernstück des Raumes ist ein Whiteboard und ein Flipchart, auf dem der Fahrplan für die nächsten 45 Minuten zu lesen ist. Am großen Konferenztisch tagen acht junge Menschen, die sich unter der Leitung von Sonderpädagogin Greta Goldau und Schulsozialarbeiter Christoph Loth zunächst einmal mit der aktuellen Themenlage befassen.

Gute Stimmung während der Redaktionskonferenz

Auf die Frage, was in dieser Woche schön gewesen sei, lobt Dana das sonnige Wetter. Irem erinnert sich an ihren Geburtstag, den sie sehr schön fand. Kristian empfiehlt das Buch „Die drei ??? und der Karpatenhund“, dass er gerade liest, während Angelina eine schöne Karte geschrieben hat. Jede*r trägt mit seinen Erlebnisberichten der guten Stimmung bei.

Der nächste Punkt der Tagesordnung, „Gemeinsames Lesen eines Artikels über die Berlinale“ wird aufgerufen. Ein kurzer Artikel, in leichter Sprache verfasst, wird verteilt. Spielerisch entscheidet der Würfel darüber, ob der nächste Satz von der Gruppe gemeinsam langsam und laut gelesen wird, oder dieser Artikel ohne Überschrift, Satz für Satz, von einzelnen Stimmen vorgelesen wird. Zwischen-Fragen sind erwünscht.

So erfragen die Jugendlichen sofort, wo genau Schottland in Europa liegt. Hier hilft auch ein Atlas, der vom letzten Preisgeld in Höhe von 50 Euro von Lukas bei Dussmann gekauft wurde. Als keine Frage mehr offen ist, schließen alle Redaktionsmitglieder gemeinsam die Augen und versuchen eine passende Überschrift für den Artikel zu finden. Ein hilfreicher Weg, alle Informationen aus dem Artikel noch einmal intensiv wirken zu lassen. Am Ende ist die so gefundene Überschrift griffiger als die des Originals.

Von Paris über London bis hin zur Dubai-Schokolade

Es geht weiter mit der Verabschiedung der letzten Ausgabe, der Winterausgabe des Gustav-Meyer-Kuriers, der zweimal im Jahr erscheint. Der Inhalt, bunt gemischt, bietet von Paris über London bis hin zur Dubai-Schokolade zum Selbermachen internationale Unterhaltung und Fakten. Die abschließende Bewertung der letzten Ausgabe durch das Redaktionsteam ergibt, dass sie ganz zufrieden mit ihrer Arbeit sein können. Also: Tschüss, liebe Winterausgabe! Jetzt ist es Zeit, sich der nächsten Ausgabe zu widmen, der Sommerausgabe.

„Was können wir besser machen?“, fragt Greta Goldau. Angelina wünscht sich eine Computerstimme, die alle neuen Artikel für diejenigen vorlesen kann, die selbst nicht lesen können. Die Sonderpädagogin erntet Lacher, als sie eine Roboter-Stimme imitiert: „Toller Vorschlag, den nehmen wir auf!“
Die Besser-Machen-Liste wird länger. Auch der Wunsch nach mehr Fotos und Videos im Blatt wird laut, während zwei Redaktionsangehörige meinen, es könne alles so bleiben, wie bisher. Das sei doch ganz gut.

Es geht weiter im Programm, denn die Arbeitsgruppe des Gustav-Meyer-Kuriers leidet unter chronischer Zeitnot. Spätestens, seitdem das Zeitfenster der Arbeitsgruppe von ehemals 90 Minuten pro Woche auf nur noch 60 Minuten eingeschmolzen wurde.

„Ich habe in der Zwischenzeit mein Referendariat abgeschlossen und damit fehlt mir im Schulalltag dieses Zeit-Extra, das die Arbeit mit der Schülerzeitung sicher verdient hätte“, erklärt Greta Goldau. Auch Schulsozialarbeiter Christoph Loth, der bereits einige Ausgaben des Gustav-Meyer-Kuriers erfolgreich mit auf den Weg gebracht hat, kann aufgrund seiner Arbeit als Schulsozialarbeiter nicht mehr Zeit mit der Redaktion verbringen.

Achtung Spoiler! Themen der kommenden Ausgabe

Wie sehr die Jugendlichen ihre Aufgaben und das Miteinander in dieser Runde lieben und dem entgegenfiebern, zeigt sich bei der gemeinsamen Bewertung der bisherigen Zusammenarbeit. Der erste Zuruf: „Das macht Spaß!“

Kristian und Lukas finden die Arbeit am Computer toll und Angelina wirft auf Englisch „good mood“, die gute Stimmung, mit in die Waagschale.

Gemeinsam wünschen sie sich: „Mehr Zeit für die Schulzeitung, mehr Ausflüge, über die berichtet werden kann, mehr kleben, schneiden und Texte schreiben. Und: „Noch mehr Zeit am Computer!“

Es geht ans Eingemachte: die Themen für die kommende Ausgabe (Achtung Spoiler! Wer noch nicht wissen möchte, was in der kommenden Ausgabe des Gustav-Meyer-Kuriers erscheinen könnte, sollte JETZT aufhören zu lesen!).

Es prasselt Themenvorschläge: BVG-Pünktlichkeit, Interview mit einer BVG-Mitarbeiterin, die 90er Jahre, die wilden 80er Jahre oder etwas zur Zeichentrickserie Helluva Boss? Lukas ist Fußball-Fachmann und schlägt den Berliner Verein 1. FC Union vor, während Kristian bereits ein Interview mit „einer echte Italienerin“ vorbereitet hat. Es wird in jeder Hinsicht spannend!

Hochmotiviertes Redaktionsteam

Aktuell arbeiten die sechs Nachwuchsredakteur*innen und fünf freie Mitarbeiter*innen des „Gustav-Meyer-Kuriers“ daran, dass die Welt mit jeder Ausgabe ein wenig besser wird (keine Schießereien in der Nachbarschaft). Hier wird gut überlegt und dann entschieden, was gemacht wird.

Diese Gruppe zeichnet sich durch eine sehr hohe Motivation aus, erklärt Greta Goldau. „Jedes Redaktionsmitglied arbeitet hier absolut selbstwirksam und entsprechend der jeweils persönlichen Möglichkeiten. Das ist sehr wichtig, wir unterstützen jede gute Idee!“

Dieses große Engagement wurde jetzt mit der Auszeichnung belohnt. Redakteur Lukas, der auch schon das Preisgeld aus dem Vorjahr verwaltet hat: „Wir sind glücklich über diesen Preis! Wir überlegen uns, was uns in unserer Redaktionsarbeit helfen kann. Dafür geben wir dann das Geld aus.“

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Eine weitere Gewinner*innen-Redaktion des Wettbewerbs ist die „La Voz de Papel“ – die Papierstimme der Friedrichshainer Hausburgschule die ebenfalls mit einem Sonderpreis in Höhe von 200 Euro ausgezeichnet wurde.