Anwohner*innen machen sich stark – Ostkreuz bleibt bunt

Mit ihren Ideen mobilisierten die Akteur*innen von "Ostkreuz bleibt bunt" innerhalb kürzester Zeit die Nachbarschaft

Mit ihren Ideen mobilisierten die Akteur*innen von "Ostkreuz bleibt bunt" innerhalb kürzester Zeit die Nachbarschaft

Als im Dezember 2024 eine kleine Annonce auf Nebenan.de erschien, ahnte noch niemand, dass sie den Beginn einer großen Bewegung im Friedrichshainer Ostkreuz-Kiez markieren würde. Anlässlich eines bevorstehenden Nazi-Aufmarschs im Viertel wurden Mitstreiter*innen für einen gemeinsamen Protest gesucht. Anwohnerin Eileen engagiert sich seitdem gemeinsam mit weiteren Nachbar*innen ehrenamtlich in der Initiative Ostkreuz bleibt bunt. Aus dem anfänglichen Protest – und vielen weiteren Aktivitäten – ist inzwischen ein großes Straßenfest geworden, das jährlich auf dem Annemirl-Bauer-Platz stattfindet.

Für dieses anhaltende Engagement gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung wird die Initiative „Ostkreuz bleibt bunt“ in diesem Jahr von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit dem Silvio-Meier-Preis ausgezeichnet. Der Preis trägt den Namen von Silvio Meier, einem leidenschaftlichen Kämpfer für Toleranz, Freiheit und politische Emanzipation, der sein couragiertes Auftreten gegen rechte Gewalt mit dem Leben bezahlen musste.

„Bei unserem ersten Treffen in einer Kneipe waren wir sechs Nachbar*innen.“ Ohne sich zuvor jemals begegnet zu sein, waren sie sich angesichts der bevorstehenden Nazi-Aufmärsche sofort einig: „Wir müssen etwas dagegen unternehmen – wir müssen handeln!“ Mit ihren Ideen mobilisierten sie innerhalb kürzester Zeit die Nachbarschaft. Bereits im Februar 2025 traf man sich regelmäßig zu Lichterketten im Kiez. Das Ziel: keine Zusammenarbeit mit der AfD in der Bundespolitik.

Das große „Straßenfest der Vielfalt“ mit 20 Musik-Acts, acht Performances auf vier Bühnen, zwei Aktionsflächen und einer Chill-out-Area sowie rund 40 Ständen ist nochmals deutlich gewachsen

Das große „Straßenfest der Vielfalt“ mit 20 Musik-Acts, acht Performances auf vier Bühnen, zwei Aktionsflächen und einer Chill-out-Area sowie rund 40 Ständen ist nochmals deutlich gewachsen

Im Ostkreuz-Kiez sind die Menschen füreinander da

Nur kurze Zeit später, im März 2025, startete bei Sonnenschein und blauem Himmel die große Gegen-Demo „Krachmachen gegen Rechts!“ auf der Sonntagstraße. „Wir waren eine große, bunte Gemeinschaft – unsere Nachbar*innen haben alles mitgebracht, was Lärm macht!“ Gemeinsam lernten die Anwesenden zwei schottische Tänze. „Wir tanzten auf der Straße – gegen Rechts!“ und wollten vor allem Krachmachen gegen das angekündigte Rechtsrockkonzert.

Parallel liefen bereits die Planungen für das erste große Straßenfest am Annemirl-Bauer-Platz auf Hochtouren. Eileen berichtet: „Wir haben es tatsächlich geschafft, in so kurzer Zeit das Fest zu organisieren. Die Aufgaben haben wir mit vielen, freiwilligen Helfer*innen abgestimmt und verteilt.“ Das klappt gut, „weil die Aufgaben überschaubar sind und schon im Vorfeld der Veranstaltung verbindlich übernommen werden.“

Neben einem umfangreichen Bühnenprogramm kamen die Besucher*innen bei Musik, Talkrunden und Workshops miteinander ins Gespräch. Die Aktionsflächen boten viel Raum für Improvisationstheater, einen Fahrradkorso und interaktive Spiele.

„Gemeinsam mit vielen Akteur*innen aus dem Kiez zeigen wir, dass Solidarität, nachbarschaftliches Miteinander und Vielfalt stärker sind als Faschismus, Angst und Repression.“

Im Ostkreuz-Kiez sind die Menschen füreinander da: „Wir unterstützen uns gegenseitig, und gemeinsam unterstützen wir auch andere – bezirksübergreifend.“ So steht „Ostkreuz bleibt bunt“ beispielsweise der Kundgebung „Rummelsburg bleibt bunt“ sowie Lichterketten-Initiativen in Lichtenberg nahe. „Wir organisieren auch Mitfahrgelegenheiten zu deutschlandweiten Veranstaltungen – das funktioniert sehr gut!“

Alle Menschen, die Lust haben, sich gegen Rechts zu engagieren sind bei der Initiative "Ostkreuz bleibt bunt" willkommen

Alle Menschen, die Lust haben, sich gegen Rechts zu engagieren sind bei der Initiative "Ostkreuz bleibt bunt" willkommen

Unterstützung erwünscht!

Nachdem auch im Mai 2026 das große „Straßenfest der Vielfalt“ mit 20 Musik-Acts, acht Performances auf vier Bühnen, zwei Aktionsflächen, einer Chill-out-Area sowie rund 40 Ständen nochmals deutlich gewachsen ist, zeigen sich die Organisator*innen überwältigt: „Wir freuen uns sehr, dass die viele ehrenamtliche Arbeit in unserem Kiez und die Aktionen auf so großes Interesse stoßen. Das macht uns glücklich und zeigt uns und anderen, dass wir auf unserem Weg gegen Rechts nicht allein sind. Wir sind viele – das tut gut!“

Nach dem großen Straßenfest ist vor dem nächsten Event. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Initiator*innen nicht „Wir würden das Fest gerne weiter veranstalten, sind aber eigentlich viel zu wenige Leute. Deshalb sind alle Menschen, die Lust haben, sich gegen Rechts zu engagieren, herzlich willkommen bei uns! Es braucht keine besondere Expertise, wirklich jeder Mensch kann etwas beisteuern.“

Dazu gehört auch das Einwerben von Spenden, denn die Organisation großer Feste und Veranstaltungen ist kostspielig: „Wir brauchen Schilder, Absperrungen, Bühne, Verstärker, Sanitätsdienst und Plakate. Selbst wenn wir vieles davon im Kiez kostenlos oder günstig bekommen, benötigen wir mehrere Tausend Euro, damit das Fest überhaupt stattfinden kann. Außerdem möchten wir den auftretenden Musiker*innen und professionellen Helfer*innen zumindest eine Aufwandsentschädigung zahlen.“

Stefan Pelzer

Weiterer Silvio-Meier-Preisträger 2026

Auch Stefan Pelzer, Initiator und Projektkoordinator des Protestbusses Adenauer SRP+, wurde mit dem Silvio-Meier-Preis ausgezeichnet.