Goldene Türen, True-Vintage Schätze, 30 Jahre Shoppen mit Geschichte: Humana am Frankfurter Tor feiert Jubiläum

Melinda Grell, Filialleiterin, Simone Sinnig, Regionalleiterin und Geschäftsführerin Jytte Nielsen (v.li.n.re.) in Europas größtem Second-Hand-Kaufhaus

Melinda Grell, Filialleiterin, Simone Sinnig, Regionalleiterin und Geschäftsführerin Jytte Nielsen (v.li.n.re.) in Europas größtem Second-Hand-Kaufhaus

1996 – Deutschland war gerade Europameister im Fußball geworden, im Radio liefen Songs wie „Macarena“, und die ersten Tamagotchis tauchten in Hand- und Hosentaschen auf. In Friedrichshain öffnete am Frankfurter Tor Europas größtes Second-Hand-Kaufhaus seine goldglänzenden Eingangstüren: Humana. Seitdem bietet das Haus auf rund 1.800 m² und über fünf Etagen zehntausende Teile.

Für Simone Sinnig, heutige Regionalmanagerin, waren es aufregende Tage: „Ich war damals die Filialleiterin, wir haben Wochen auf diesen besonderen Tag hingearbeitet. Unsere Filiale war bis dahin in Mitte, etwas kleiner, in den Rathauspassagen angesiedelt.“ Der Umzug in das ehemalige Kaufhausgebäude am Frankfurter Tor war beides: eine große Chance und ein Risiko zugleich. „Plötzlich hatten wir ein Vielfaches der bisherigen Ladengröße in Kaufhausqualität. Aber wir wussten auch, dass wir mit vergleichsweise wenig Laufkundschaft rechnen konnten.“

Das ehemalige DDR-Kaufhaus für Sport und Freizeit am Frankfurter Tor in Friedrichshain

Das ehemalige DDR-Kaufhaus für Sport und Freizeit am Frankfurter Tor in Friedrichshain

Besondere Shopping-Erlebnisse auf 1.800 m² über fünf Etagen

30 Jahre später dankt Jytte Nielsen, Geschäftsführerin der Humana Second-Hand-Kleidung GmbH, sehr herzlich allen Friedrichshain-Kreuzberger*innen dafür, dass sie dem Humana-Mutterschiff am Frankfurter Tor 3 inzwischen drei Jahrzehnte die Treue gehalten haben. „Besonderer Dank gilt auch meinem großartigen Team, das sich sehr kreativ den unterschiedlichen Herausforderungen der Jahrzehnte gestellt hat. Immer wieder haben wir uns gemeinsam etwas Neues ausgedacht und erfolgreich umgesetzt.“

Heute ist das ehemalige DDR-Kaufhaus für Sport und Freizeit ein sicherer Arbeitsplatz für 40 Mitarbeitende, von denen etwa ein Viertel männlich ist. Das Team wird seit Anfang 2025 von Filialleiterin Melinda Grell geführt, die sich in der Modebranche gut auskennt. Sie setzte sich für den Ausbau des Angebots auf knapp 40.000 unterschiedliche Teile verschiedener Warengruppen ein. „Wir bieten in unseren denkmalgeschützten alten Kaufhausräumen besondere Shopping-Erlebnisse und wünschen uns, dass sich unsere Besucher*innen und Kund*innen möglichst wohl bei uns fühlen.“ Hierfür werden Trends im Auge behalten und besonders gefragte Kleidungsstücke direkt am Eingang sowie in den vorderen Bereichen der einzelnen fünf Etagen bereitgehalten.

Eine historische Wendeltreppe verbindet die unterschiedlichen Etagen

Eine historische Wendeltreppe verbindet die unterschiedlichen Etagen

Film-Location für Netflix-Mini-Drama-Serie

So einmalig wie die Größe und Lage des Kaufhauses ist auch seine Innenausstattung, die sich im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert hat. Gleich im Eingangsbereich begrüßt das riesige Wandbild „Holzfäller“ des Malers Gabriele Mucchi von 1958 die rund 11.000 Kund*innen, die monatlich durch die original goldfarbenen Alu-Kaufhaustüren aus den 1960er-Jahren schreiten, um hier Schätze aus längst vergangenen Zeiten zu finden.

„Die Holzfäller geben einen Hinweis auf die Erstnutzung des Gebäudes“, erklärt Simone Sinnig. „Zunächst war in diesem Gebäude ein Möbelgeschäft untergebracht, dann zog das Kaufhaus für Sport und Freizeit ein, bis wir es 1996 mit unserer Second-Hand-Mode zu neuem Leben erweckt haben.“

Auch die Filmwelt weiß die historisch einmaligen Räumlichkeiten zu schätzen. So dreht die Streamingplattform Netflix hier im Sommer 2019 in den Räumen des Humana-Kaufhauses eine Episode der Mini-Drama-Serie „Das Damengambit“. In der zweiten Folge besucht das Schachgenie „Beth“ gemeinsam mit ihrer Adoptivmutter das Bekleidungsgeschäft von Ben Snyder. Im Hintergrund ist immer wieder auch die historische Wendeltreppe zu sehen. „Ein Schmuckstück mit geschmiedetem Geländer und Bullaugen-Lämpchen, die durch alle Etagen bis unter das Dach führt. Die unterschiedlichen Ebenen erlauben von einer Galerie in der dritten Etage aus tiefe Einblicke ins Gebäude, mitten in das Shoppinggeschehen im Erdgeschoss“, erklärt Jytte Nielsen. Besonders schön sind zudem die eleganten, schlanken Designer-Leuchtröhren aus DDR-Zeiten, die mehr als 39.000 Kleidungsstücke ins Licht setzen.

Kleiderspenden - Schmuckstücke aus den 1960er-Jahren werden für den Verkauf vorbereitet

Kleiderspenden - Schmuckstücke aus den 1960er-Jahren werden für den Verkauf vorbereitet

Kleiderspenden, eigene Container und Abgabe in den Filialen

Die Kleidungsstücke im Humana-Kaufhaus stammen überwiegend aus Kleiderspenden, die über eigene Container und Abgabestellen in Deutschland gesammelt werden. „Viele Kund*innen geben ihre Kleiderspenden auch direkt bei uns im Shop ab. Pro Woche sammeln wir allein hier am Frankfurter Tor sechs bis sieben große Rollcontainer voll“, berichtet Filialleiterin Melinda Grell. „Auf diesem Weg erreichen uns größtenteils tadellose Kleidungsstücke, aber auch Schmuck, Schals, Tücher und Handtaschen.“ Manchmal werden auch Bücher, Stofftiere und Bettwäsche gespendet. „Man weiß nie, was kommt. Alle unsere Angebote sind einmalig, die Kleidungsstücke sind Einzelteile.“

Nach der Abgabe wird die Ware direkt im Shop oder, wenn es sich um Containerspenden handelt, im Sortierbetrieb in Hoppegarten nach Qualität und Kategorie sortiert und für den Weiterverkauf aufbereitet. Jytte Nielsen: „Wir kaufen auch im Ausland bei karitativen Sammlungen Kleidung an.“ Ein Teil der Kleidung wird in den europäischen Humana-Shops verkauft, ein anderer Teil exportiert; nicht mehr tragfähige Stücke werden recycelt oder thermisch verwertet. „Mit unseren Überschüssen unterstützen wir die sozialen Entwicklungsprojekte des Vereins* ‚HUMANA People to People e. V.‘* in Simbabwe oder Mosambik sowie im restlichen südlichen Afrika.“

Upcycling - regelmäßig wertet ein Kleidungsspezialist in der Filiale Kleidungsstücke auf

Upcycling - regelmäßig wertet ein Kleidungsspezialist in der Filiale Kleidungsstücke auf

Live-Upcycling und Y2K-Mode

Hochmotiviert setzt das Team um Melinda Grell die Kleidung immer wieder neu in Szene. Jede Abteilung hat ihren eigenen kreativen Kopf – so wie Dani, die Vintage-Spezialistin, die genau weiß, aus welcher Epoche die einzelnen Fundstücke stammen. „Jedes Modejahr hat seine Erkennungszeichen. Welche das sind, erklärt sie in regelmäßigen Seminaren auch unseren neuen Kolleg*innen sowie Mitarbeitenden anderer Abteilungen in eigens konzipierten Inhouse-Seminaren.“

Gut ausgeleuchtet, die Kleider nach Größen und Farben sortiert, glänzt das aktuelle Sortiment im Neonlicht. Viele kommen auch extra wegen der gut sortierten True-Vintage-Abteilung: „Im Moment interessieren sich besonders junge Menschen zwischen 15 und 35 für die Mode der Y2K-Ära. Dieser Begriff steht für ‚Year 2 Kilo‘ und bezeichnet das Jahr 2000‘, erklärt die Filialleiterin. „Damals waren weite Hosen und enge Tops und Shirts sehr modern – alles möglichst bauchfrei, gern auch rückenfrei. Metallisch glänzende Stoffe, Ballonseide und jede Art von Bling-Bling.“

30 Jahre Humana am Frankfurter Tor

30 Jahre Humana am Frankfurter Tor

2.200 Kilo neue Secondhand-Waren pro Woche

Davon gibt es reichlich, in allen Farben – und für Nachschub wird wöchentlich gesorgt. „Uns erreichen rund 2.200 Kilo neue Secondhand-Waren pro Woche. Gut verpackt in großen Säcken, deren Inhalt umgehend ausgepackt, mit Preisen versehen und dann auf die Kleiderständer sortiert wird.“

Melinda Grell und ihr Team sind begeistert von der individuellen Kundschaft, die extra wegen des breiten Sortiments – aus anderen Stadtteilen Berlins und oft auch aus dem Ausland – anreist: „Wir sind happy, wenn wir die leuchtenden Augen unserer Kund*innen sehen! Wir wünschen uns allen möglichst viele glückliche Augenblicke!“

Es lohnt sich, und alle profitieren davon: Secondhand zu kaufen schont die Umwelt, spart Geld und ermöglicht einen individuellen Stil. Durch den Kauf von gebrauchten Waren werden wertvolle Ressourcen wie Wasser und Energie gespart, Abfall vermieden und der Ausstoß von klimaschädlichem CO₂ verringert.

Jytte Nielsen, Geschäftsführerin: „Ich danke allen, die dazu beigetragen haben, dass wir hier am Frankfurter Tor in Friedrichshain seit 30 Jahren erfolgreich sein können. Damit bringen wir Freude in die Kleiderschränke und können unserem hochmotivierten Mitarbeitenden sichere Arbeitsplätze bieten und mit den Erlösen viel Gutes tun!“

Weitere Informationen

In Berlin gibt es 19 Humana-Filialen, davon fünf in Friedrichshain-Kreuzberg:

  • Humana, Europas größtes Secondhand-Kaufhaus
    Frankfurter Tor 3, 10243 Berlin
    Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 bis 20 Uhr
    Telefon: (030) 422 2018
    Anfahrt: U5, Tram 10 / Frankfurter Tor
  • Humana, Secondhand & Vintage auf zwei Etagen
    Warschauer Straße 55, 10243 Berlin
  • Humana, Secondhand & Vintage
    Boxhagener Straße 76, 10245 Berlin
  • Humana, Vintage & Trends
    Oranienstraße 25, 10999 Berlin
  • Humana, Secondhand & Vintage
    Mehringdamm 35, 10961 Berlin

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