Erna Krüger: Ein Jahrhundert voller Stärke und Fürsorge

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann gratuliert der 100-jährigen Erna Krüger im Pflegeheim zum Geburtstag.

Erna Krüger feierte am 13. Mai 2026 ihren 100. Geburtstag. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Mitarbeitende des Kreuzberger Pflegeheims, in dem sie wohnt, gratulierten der Jubilarin herzlich zu diesem besonderen Ehrentag.

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann gratuliert der 100-jährigen Erna Krüger im Pflegeheim zum Geburtstag.

Kindheit in der Uckermark

Erna Krüger, geborene Schmidt, wurde am 1926 geboren und wuchs mit ihrem Bruder und ihrer Schwester in der Uckermark auf. Ihre Eltern betrieben dort einen Laden mit Produkten aus Übersee. Besonders gerne erinnert sie sich daran, wie ihre Mutter ihr schon als kleines Kind das Pflanzen und die Arbeit in der Natur beibrachte. Sie beschreibt ihre Kindheit als glücklich und behütet.

Dieses unbeschwerte Leben endete früh: Mit 15 Jahren verlor sie zunächst ihre Mutter an Tuberkulose, kurz darauf starb auch ihr Vater. Ein Vormund übernahm ihre Betreuung und schickte sie in eine Hauswirtschaftslehre in einen Gasthof. Dort lernte sie nicht nur die Arbeit im Haushalt, sondern auch den Umgang mit Tieren und das Leben auf dem Land kennen.

Kriegsjahre und schwere Erinnerungen

Während des Krieges wurde Erna Krüger Kriegswaffenhelferin. Aus dieser Zeit sind ihr viele bedrückende Erinnerungen geblieben. Besonders bewegten sie die Begegnungen mit Frauen, Kindern und KZ-Häftlingen, die unter unmenschlichen Bedingungen transportiert und zur Arbeit gezwungen wurden. Gemeinsam mit einer Freundin versuchte sie, diesen Menschen heimlich Wasser und Brot zukommen zu lassen. Noch heute erzählt sie von dem großen Mitgefühl, das sie damals empfand.

Trotz aller schweren Erlebnisse erinnert sie sich auch an Momente des Zusammenhalts: an gemeinsames Singen, an Fahrten mit dem Fahrrad durch den Schnee und an die Freundschaften jener Jahre.

Zum 100-jährigen von Erna Krüger versammelten sich Freunde.

Neuanfang in Berlin

Zum Ende des Krieges lebte Frau Krüger zeitweise bei einer Bauernfamilie in Österreich, die sie aufnahm. Nach Kriegsende kehrte sie nach Berlin zurück und kam zunächst in Tegel unter. Später fand sie durch eine Suchmeldung ihre Schwester wieder, bei der sie fortan lebte.

In Berlin begann sie eine Ausbildung zur Krankenschwester im Urbankrankenhaus in Kreuzberg. Dort betreute sie schwer kranke Tuberkulosepatient*innen. Auch in ihrer Familie kümmerte sie sich um erkrankte Angehörige.

Eine besondere Wendung nahm ihr Leben, als sie beim Tanzen ihre große Liebe kennenlernte. Sie beschreibt diese Begegnung noch heute als „Liebe auf den ersten Blick“. Nach der Hochzeit wurden ihr Sohn Detlef und später ihre Tochter Marion geboren.

Doch auch diese Jahre waren von schweren Prüfungen geprägt: Erna Krüger erkrankte selbst an Tuberkulose und musste lange Zeit im Krankenhaus Heckeshorn behandelt werden. Besonders schmerzlich war für sie, dass sie ihre neugeborene Tochter zunächst nur durch eine Glasscheibe sehen konnte. Erst nachdem ein neues Medikament aus den USA anschlug, durfte die Familie wieder vereint zusammenleben.

Viele Jahre später pflegte Frau Krüger auch ihren schwer erkrankten Ehemann mit großer Hingabe bis zu seinem Tod.

Heute lebt die Jubilarin in einem Pflegeheim. Besonders wohl fühlt sie sich in ihrem Zimmer mit Balkon, den sie gemeinsam mit ihrer Familie jedes Jahr mit Blumen bepflanzt. Ihre Kinder besuchen sie regelmäßig und stehen ihr liebevoll zur Seite. Trotz aller Herausforderungen hat sich Frau Krüger ihren Wunsch nach Selbstständigkeit und ihre Lebensfreude bewahrt.

Im Vorjahr hat die Friedrichshainerin Anneliese Böttner ihren 100. Geburtstag gefeiert.