Helfen macht glücklich - Rettungsschwimmer*innen aus Friedrichshain-Kreuzberg sichern den Wassersport an der Havel

Das DLRG-Rettungsschwimmer*innen-Team während des Trainings in der Schwimmhalle am Kreuzberger Prinzenbad

Das DLRG-Rettungsschwimmer*innen-Team während des Trainings in der Schwimmhalle am Kreuzberger Prinzenbad

Ausbildung, Aufklärung und Wasserrettungsdienst – das sind die drei zentralen Aufgaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der größten ehrenamtlichen Organisation für Sicherheit im und am Wasser. Gegründet wurde sie 1913 mit dem Ziel, Menschen vor dem Ertrinken zu schützen.

Die DLRG Berlin hat 13.000 Mitglieder und Förderer. Viele von ihnen nehmen an Ausbildungen teil und übernehmen – bei entsprechender Qualifikation – Einsätze im Wasserrettungsdienst. Der Einstieg ist unkompliziert: Die Anmeldung erfolgt über den gewünschten DLRG-Bezirk gegen einen Jahresbeitrag von derzeit etwa 80 Euro.

Von den 600 Mitgliedern im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg engagieren sich rund 65 regelmäßig ehrenamtlich. Zwei von ihnen sind Lene Meißner, Jugendvorsitzende und Ausbilderin, sowie Max Penzel, stellvertretender Leiter Einsatz und stellvertretender Bezirksleiter. Beide engagieren sich in ihrer Freizeit mit großem Einsatz als Ausbilder*innen und Rettungsschwimmer*innen.

Ausbilderin Lene Meißner war bereits mit 11 Jahren DLRG-Junior-Retterin

Ausbilderin Lene Meißner war bereits mit 11 Jahren DLRG-Junior-Retterin

Großer Mangel an Schwimmflächen - überall

Lene Meißner hat 2025 ihr Abitur gemacht. Die gebürtige Kreuzbergerin ist in der Anfänger- und Jugendschwimmausbildung aktiv und unterstützt außerdem die Ausbildung der Rettungsschwimmer*innen: „Ich habe eine klassische DLRG-Karriere hingelegt. Schon mit fünf Jahren konnte ich es kaum erwarten, endlich – wie mein älterer Bruder – schwimmen zu können. Zur DLRG Friedrichshain- Kreuzberg bin ich dann für mein Schwimmabzeichen in Silber gekommen.“ Die Schwimmausbildung startet mit dem Seepferdchen als eine Vorbereitung auf das eigentliche Schwimmen: Die Kinder lernen den Sprung vom Beckenrand, schwimmen anschließend 25 Meter und müssen aus schultertiefem Wasser einen Gegenstand heraufholen – „Wenn sie das können, gibt es nach einer Prüfung das begehrte Abzeichen.“

Bis es so weit ist, und Kinder an der Schwimmgewöhnung teilnehmen können, haben sie und ihre Familien oft eine lange Wartezeit hinter sich: „Hier im Bezirk fehlen Schwimmflächen – überall. Alle Vereine wollen so viel wie möglich ihre Bahnen nutzen, doch viele gehen leer aus oder müssen sich auf ein Minimum beschränken“, sagt die Jugendvorsitzende. Besonders betroffen sind die Kinder: Auf der Warteliste stehen derzeit rund 370 von ihnen. Es kann zwei bis drei Jahre dauern, bis ein Platz frei wird.

Zwei Mal in der Woche, für jeweils zwei Kleinkind-Kurse steht Lene Meißner ehrenamtlich am Beckenrand, gibt Anweisungen und unterstützt die Kinder beim Schwimmenlernen, muntert sie auf, wenn es mal nicht so gut läuft und lobt bei Erfolgen. „Jedes Kind ist anders und braucht seine individuelle Zeit, sich mit dem Wasser anzufreunden. Es gibt Blitz-Starter*innen und auch Kinder, die etwas länger brauchen. Das Wichtigste ist, dass sie dranbleiben und am Ende schwimmen können.“ Schwimmen ist so wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen. „Wenn sie das Schwimmen bei uns in der DLRG lernen, können sie nach dem Seepferdchen ohne Wartezeit an unseren Folgekursen teilnehmen.“

Der nächste Zug für die Kinder ist dann das Bronze-Abzeichen „Eine wichtige Stufe für sicheres Schwimmen, denn hier geht es um Ausdauer und ums Tauchen bis zwei Meter Tiefe. Die Kinder müssen 200 Meter in maximal 15 Minuten schwimmen können.“ Lene Meißner blickt, während sie spricht, immer wieder über das Schwimmbecken der Schwimmhalle Kreuzberg. „Hier haben wir fünf 25 Meter- Bahnen. Das sind einfach zu wenige für all die Kinder, die schwimmen lernen müssen.“

Der Nachweis für die Rettungsfähigkeit ist bei der DLRG in Freidrichshain-Kreuzberg sehr gefragt

Der Nachweis für die Rettungsfähigkeit ist bei der DLRG in Freidrichshain-Kreuzberg sehr gefragt

Rettungsschwimmabzeichen in Bronze und Silber

Lene Meißner zeigte selbst schnell Talent im Wasser: „Als ich elf Jahre alt war, wurde ich Junior-Retterin. Schwimmen war schon damals mein Hobby und hat mir viel Spaß gemacht. Der Junior-Retter ist eine Vorstufe auf dem Weg, Rettungsschwimmer*in zu werden. Kinder und Jugendliche werden spielerisch auf die Verantwortung und die vielseitigen Aufgaben vorbereitet.

„Mir ist es wichtig, anderen dabei zu helfen, Gefahren zu erkennen und sie zu unterstützen, wenn sie in einer schwierigen Lage sind.“, sagt Lene Meißner, die viele ihrer Freizeitstunden dem Schwimmunterricht der Kleinsten sowie dem aktiven Rettungseinsatz an den Sommerwochenenden widmet. „Ich möchte auch die die medizinischen Zusammenhänge verstehen, um bestmöglich handeln zu können. Deshalb beginne ich in diesem Jahr noch eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin und Feuerwehrfrau bei der Berliner Feuerwehr.“

Während die Kinder nach dem Training glücklich nach Hause gehen, strömen immer mehr Erwachsene in die Trainingshalle. Es ist die zweite Unterrichtseinheit der Rettungsschwimmer*innen, die das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze und Silber anstreben. Bezirksleiter Nils Birth-Sickel, stellv. Leiter Einsatz Max Penzel, sowie Lene Meißner begrüßen die Teilnehmer*innen am Beckenrand.

Max Penzel erklärt die heutige Übung: „Unser Ziel ist es, eine Person 50 Meter in höchstens vier Minuten zu schleppen – jeweils eine Hälfte der Strecke mit Kopf- oder Achselgriff und die andere Hälfte mit dem Fesselschleppgriff.“

Die Teilnehmenden nehmen diesen Auftrag lächelnd zur Kenntnis. Die Feinheiten der einzelnen Griffe werden anschaulich erklärt und vorgeführt. Anschließend gleiten sie jeweils zu zweit ins Chlorwasser und schleppen sich, wie an einer Perlenkette aufgereiht, hintereinander her und wieder zurück.

Lene Meißner, Jugendvorsitzende und Ausbilderin

Lene Meißner, Jugendvorsitzende und Ausbilderin

Die DLRG bietet ganzjährig Ausbildungsangebote an

Max Penzel: „Besonders das Rettungsschwimmabzeichen in Silber ist sehr gefragt und wichtig“. Es ist der Nachweis für die Rettungsfähigkeit: „Personen, die beruflich oder ehrenamtlich als Rettungsschwimmer*in arbeiten, sowie Lehrer*innen, Trainer*innen und Gruppenleiter*innen, die Aufsicht am Wasser führen, brauchen diesen Schein oft.“ Die Prüfung muss alle zwei Jahre wiederholt und die Kenntnisse darin nachgewiesen werden. „Das betrifft auch uns als aktive Rettungsschwimmer*innen. So ist sichergestellt, dass alle nötigen Kenntnisse, auch im Bereich Erste Hilfe, immer auf dem aktuellen Stand sind.“

Aktuell befinden sich über 700 Anwärter*innen auf der Warteliste der DLRG Friedrichshain-Kreuzberg für das Rettungsschwimmabzeichen. „Auch hier würden sich viele Menschen über mehr Wasserflächen freuen. Ganzganz besonders auch meine DLRG-Kolleg*innen und ich, denn wir sind mit 40 aktiven Trainer*innen sehr gut aufgestellt. Es fehlt an der Fläche, um die Warteliste zufriedenstellend abbauen zu können.“

Die Ausbildungsangebote bietet die DLRG ganzjährig an. In der Hochsaison der Wasserretter*innen wird die Personaldecke der Ehrenamtlichen allerdings etwas dünner. Von Mai bis September sind die Mitglieder auf der Wasserrettungsstation Bremen II auf der Unterhavel an den Wochenenden und Feiertagen für den Wasserrettungsdienst verantwortlich. „Besonders in den Ferien und an den langen Wochenenden haben wir dort viel zu tun.“

Es ist ein Ort, auf den sich die Rettungsschwimmer*innen ganz besonders freuen: „Es geht wieder raus aufs Wasser – endlich!“ Schon im April wird in der Freizeit die Station aufgeklart, deren Name auch als Antwort auf eine Quizfrage durchgehen könnte: „Unsere Station auf der Havel trägt den Namen WRS Radfahrerwiese.

Es sei gar nicht unüblich, dass die Friedrichshain-Kreuzberger*innen auf der Berliner Unterhavel den Bereich zwischen der Lieper Bucht und dem Großen Fenster in Sachen Sicherheit abdecken. „Jeder der 15 Berliner DLRG-Bezirke übernimmt eine oder mehrere Wasserrettungsstationen, und verpflichtet sich, dort an den Wochenenden der Saison das Bade- und Sportbootgewässer zu überwachen.“

Auf der WRS Radfahrerwiese überwachen die Rettungsschwimmer*innen der DLRG Friedrichshain-Kreuzberg an jedem Wochenende das Bade- und Sportbootgewässer

Auf der WRS Radfahrerwiese finden bis zu zehn Menschen Platz

Wassersportler*innen können sich auf die DLRG-Crew verlassen

Auf der Station, die etwa 25 Meter vom Ufer entfernt liegt, finden bis zu zehn Menschen Platz, für die auch Betten bereitstehen. Es gibt einen kleinen Sanitätsraum, eine Küche einen Kühlschrank und Solarstrom über Dachpaneele. Auf 14,5 Metern Länge und 4,6 Metern Breite zieht meistens schon am Freitagabend mit dem gut ausgebildetem Team Leben ein – um Leben zu retten.

„Wir treffen uns an der Zentralstation, übernehmen das Rettungsboot und machen es einsatzbereit. Dann fahren wir gemeinsam zur Station und machen uns ein kleines Abendessen. Nach dem Essen wird die Lage besprochen; Wetter, mögliche Veranstaltungen wie Regatten oder nur der normale Fahrbetrieb auf der nahegelegenen Wasserskistrecke.“

Die Crew, die idealerweise mit Bootsführer*in, Taucher*in, Sanitäter*in und mindestens zwei Rettungsschwimmer*innen besetzt ist, lädt regelmäßig auch Junior-Retter*innen mit auf die Station ein. „Sie können Praxisluft schnuppern, und wir zeigen ihnen zum Beispiel, wie Verbände angelegt werden oder wie wir unsere Ausstattung pflegen. Wenn wir nicht im Einsatz sind, können wir auf der Station praxisnah ausbilden.“ Zudem ist es für den Rettungsnachwuchs ein besonderes Erlebnis, gemeinsam mit der erfahrenen Crew das Gewässer zu überwachen.

Was die meisten nicht wissen: Rettungsschwimmer*innen der DLRG haben eine sehr umfangreiche Ausbildung absolviert. „Wir sind so etwas wie der ADAC auf dem Wasser und müssen uns in vielen Bereichen auskennen.“ Neben Sanitätskenntnissen, dem Umgang mit hochmoderner Technik auf dem Boot, Tauchen, Funken und Strömungsrettung ist auch technisches Verständnis gefragt. „In vielen Fällen bringen wir manövrierunfähige Boote wieder zum Laufen – da kennen wir uns mitunter recht gut aus“, lacht Max Penzel. Und ist es nicht möglich das Problem vor Ort zu beheben, werden Boote auch in ihren Heimathafen geschleppt.

Am Samstag um 9 Uhr beginnt nach der ersten Nacht auf der Station der Rettungsalltag, in dem jede Sekunde für das Team zählt: „Wir sind da, um ertrinkende, erschöpfte oder verletzte Personen zu retten“, sagt Max Penzel ernst. Dabei haben die Spezialist*innen das Wasser und die Badestellen stets im Blick – immer bereit, im Ernstfall die medizinische Erstversorgung zu übernehmen, gekenterte Boote abzusichern und wieder aufzurichten sowie manövrierunfähige Boote freizuschleppen. Sie reagieren blitzschnell, denn: „Im Unglücksfall haben wir nur eine minimale Zeitspanne für eine erfolgreiche Hilfe.“ Ist ein Mensch länger als drei Minuten unter Wasser, wird es für das Gehirn kritisch, da es extrem empfindlich auf Sauerstoffmangel reagiert.

„Jedes Wochenende gestaltet sich anders auf der Station – Wetter, Veranstaltungen, Besetzung: Es gibt viele Faktoren, die eine Rolle spielen.“ In der Nähe befindet sich auch ein Bereich, in dem Sportboote schneller fahren dürfen, um Wasserski zu betreiben. „Den behalten wir natürlich ebenfalls im Auge – dort ist immer viel los. Die Boote sind sehr schnell. Trotz des hohen Aufkommens und der Geschwindigkeit passieren glücklicherweise nur selten Unfälle.“ Sollte es doch dazu kommen, können sich Wassersportler*innen voll auf die DLRG-Crew verlassen.

Allein im letzten Jahr hat Max Penzel mehr als 600 ehrenamtliche Einsatzstunden in seiner Freizeit geleistet. Lächelnd und bescheiden gibt er zu bedenken, dass er nur einer von vielen Tausenden Rettungsschwimmer*innen ist: „Wir sind professionell ausgebildet und verfügen über hochwertiges Material – auch wenn wir ausschließlich ehrenamtlich tätig sind.“

Die DLRG ist dabei nicht allein für die Sicherheit an und auf den Gewässern zuständig: „Auch das DRK, der Arbeiter-Samariter-Bund und viele andere ehrenamtlich Aktive leisten Großartiges – ohne sie wäre unsere Gesellschaft sehr viel ärmer. Bei uns in der DLRG haben wir gemeinsam Spaß und Freude daran, anderen zu helfen. Wir freuen uns über jedes Kind, das schwimmen lernt, genauso wie über Jugendliche und Erwachsene, die uns im Wasserrettungsdienst unterstützen möchten!“

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Einsatz auf der Rettungsstation, zur Ausbildung als Rettungsschwimmer*in, Trainingszeiten und zur Mitgliedschaft:

DLRG-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Kontaktadresse: info@fr-kr.dlrg.de

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Anlässlich des Tags des Schwimmmeisters haben wir Schwimmmeister Thomas Halle in der Königsdisziplin Prinzenbad vorgestellt